100 Jahre SPD Fröndenberg – warum der Festredner über die L673n sprechen könnte

dzSPD-Festakt

Die SPD Fröndenberg wird 100 Jahre alt. Das Jubiläum wird mit einem Festakt und prominentem Besuch gefeiert. Dem Festredner dürfte das eingemottete Projekt L673n noch in Erinnerung sein.

Fröndenberg

, 16.08.2019, 13:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD in Fröndenberg feiert 2019 ihr 100-jähriges Bestehen. Das exakte Gründungsdatum ist zwar nicht bekannt, dennoch wird das Jubiläum am 24. August mit Festakt und Familienfest würdig begangen.

Erinnerungen an das eingemottete Projekt der L673n

Wenn in der nächsten Woche in der Kulturschmiede nach Kurt Potthoff, Chef der SPD Fröndenberg-Mitte, und Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe der Festredner das Wort ergreift, dann dürften noch einmal Erinnerungen an das mittlerweile eingemottete Projekt der Umgehungsstraße L673n wach werden.

Mit Michael „Mike“ Groschek kommt nicht nur der langjährige Generalsekretär der NRW-SPD und kurzzeitige Nachfolger von Hannelore Kraft als Parteivorsitzender nach Fröndenberg.

100 Jahre SPD Fröndenberg – warum der Festredner über die L673n sprechen könnte

Februar 2018: Nach harten Diskussionen verlassen die SPD-Spitzenpolitiker Olaf Scholz (v.l.), Andrea Nahles und Michael „Mike“ Groschek die Stadthalle in Kamen. Groschek war vom 10. Juni 2017 bis zum 23. Juni 2018 Landesvorsitzender der SPD in NRW. © Philipp Stenger

Unter Kraft war Groschek auch fünf Jahre lang Verkehrsminister und erhielt in dieser Rolle im Februar 2013 einen Brief aus Fröndenberg: von Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe.

Im Rathaus fragte man sich damals noch, ob die L673n als Umgehungsstraße für die Alleestraße denn überhaupt noch gebaut werden könne. Schließlich lag zum damaligen Zeitpunkt der Planfeststellungsbeschluss so lange zurück, dass man mit dessen Außerkraftsetzung rechnete.

Groschek beruhigte damals und versicherte, bis August 2014 dürfe noch gebaut werden. Das Ergebnis ist bekannt; das Projekt ist mittlerweile in den Schubladen des Rathauses verschwunden.

Zur Sache

100 Jahre SPD: Festakt und Familienfest

  • Die Fröndenberger SPD feiert ihr Jubiläum am Samstag, 24. August.
  • Der Festakt in der Kulturschmiede beginnt um 11 Uhr. Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe richtet ein Grußwort an die Gäste, bevor um 11.30 Uhr Mike Groschek die Festrede hält.
  • Dr. Elke Wichmann spricht ab 12.30 Uhr zum ebenfalls 100-jährigen Bestehen des Frauenwahlrechts in Deutschland.
  • Das Familienfest im Ulmke-Forum, zu dem die SPD einlädt, beginnt um 13.30 Uhr.
  • Neben einem Kinderkarussell erwartet die Besucher ein offenes Schmiedefeuer, ein Fußballkicker, die Hüttenmusikanten der Musikschule Fröndenberg bieten zünftige Musik.
  • Getränke und Grillgut soll es zu „sozialen Preisen“ geben.

Gut möglich, dass die Verkehrspolitik beim Festakt noch einmal Gesprächsthema werden wird. Vielleicht ja auch die Ursprünge der Arbeiterbewegung in Fröndenberg.

100 Jahre SPD Fröndenberg – warum der Festredner über die L673n sprechen könnte

Die Fröndenberger SPD blickt in diesem Jahr auf eine hundertjährige Geschichte ihres Ortsvereins zurück. Das Jubiläum soll mit einem Festakt in der Kulturschmiede und einem Familienfest im Ulmke-Forum gefeiert werden. © Anke Jacobi

Denn mit 100 Jahren ist der Ortsverein in Fröndenberg relativ jung. Immerhin gründete sich der erste Vorläufer der heutigen SPD schon 1863. Bereits 1893 wurde ein Ortsverein in Billmerich gegründet, um 1900 in Langschede, 1904 in Unna.

Wegen der auf Bismarck zurückgehenden Sozialistengesetze „gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ war eine Betätigung allerdings auch nicht ungefährlich.

»Dabei ist anzugeben, ob sich in denjenigen Städten bzw. Gemeinden, in denen die Sozialdemokraten in der Stadt- bzw. Gemeindevertretung die Mehrzahl bilden, daraus besondere Schwierigkeiten für die Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung ergeben haben.«
Regierungspräsident Alfred von Bake, 1910

Immerhin gehörten 1910 in Billmerich zwei und in Altendorf einer von je sechs Gemeinderäten der SPD an. Stadtarchivar Jochen von Nathusius kann diese Zahlen heute so exakt benennen, weil der damalige Regierungspräsident Alfred von Bake den Landrat Heinrich-Karl Schulze-Pelkum aufgefordert hatte, die Sozialdemokraten in den Gemeindevertretungen zahlenmäßig zu erfassen.

Wissen wollte der Regierungspräsident vor allem, ob sich im Fall einer Mehrheit von SPD-Vertretern im Gemeindegremium „besondere Schwierigkeiten“ ergeben.

Fröndenbergs Amtmann Hermann Leesemann wusste von besonderen Schwierigkeiten wegen der SPD-Gemeinderäte allerdings nichts zu berichten.

100 Jahre SPD Fröndenberg – warum der Festredner über die L673n sprechen könnte

1910 gab es eine Anfrage der Königlichen Regierung in Arnsberg an den Landrat über die Anzahl und Aktivitäten von Sozialdemokraten im Gemeinderat von Fröndenberg. Bis auf Altendorf und Billmerich hatte die SPD im Raum Fröndenberg vor dem Ersten Weltkrieg aber noch kaum Fuß gefasst. © Stadtarchiv Fröndenberg

Die angefertigten Listen für die Königlichen Regierungen, wie hier jene in Arnsberg, belegen laut Jochen von Nathusius einen besonderen Umstand: Vor dem Ersten Weltkrieg gab es im Raum Fröndenberg nennenswerte SPD-Anhängerschaft lediglich in den „Bergarbeiterdörfern“ Altendorf und Billmerich, deren Wähler in den nördlich gelegenen Zechen in Kamen und Unna-Königsborn beschäftigt waren.

SPD hatte in Fröndenberg starke Konkurrenz in den Kirchen

In Fröndenberg wurde die „Soziale Frage“, für die sich die Arbeiterbewegungen engagierten, überhaupt erst mit dem Bahnbau, der Gründung von Ketten- und Kabelfabriken, der Drahtzieherei, Ziegeleien, Mühlenbetrieben, dem Langscheder Walzwerk und spätestens mit der 1899 gegründeten Firma Union relevant.

Dennoch hatten es die Sozialdemokraten laut Jochen von Nathusius in Fröndenberg vor allem deswegen schwer, weil sie eine starke Konkurrenz in den „dezidiert antisozialistischen“ katholischen wie evangelischen Arbeitervereinen hatten.

100 Jahre SPD Fröndenberg – warum der Festredner über die L673n sprechen könnte

Daniel Heine – hier mit seiner Ehefrau auf einem Foto aus den 1950er-Jahren – gehört zu den Sozialdemokraten der ersten Stunde in Fröndenberg. Bekannt ist, dass er gemeinsam mit Philipp Amos über die Liste der Arbeitsgemeinschaft der freien Gewerkschaften in den Fröndenberger Gemeinderat einzog. © Stadtarchiv Fröndenberg

Das waren besonders der Männerverein von 1899, aus dem sich unter Pfarrer Heinrich Schmallenbach der Katholische Arbeiterverein mit sofort 120 Mitgliedern bildete, sowie der Evangelische Arbeiter- und Bürgerverein von 1909.

Nach der Revolution 1918 war es dann aber auch in Fröndenberg so weit: Der aus der Pfalz stammende Bahnarbeiter Philipp Amos und der aus dem Lippischen zugewanderte Maurer Daniel Heine gehörten vor 100 Jahren zu den Mitbegründern des ersten Fröndenberger SPD-Ortsvereins.

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