Jeder wollte dabei sein: So ist die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg entstanden

dzFeuerwehrgeschichte

Wenn sich die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg mit dem neuen Brandschutzbedarfsplan auf den Weg in ein neues Zeitalter macht, blickt sie auf weit über 100 Jahre bewegte Geschichte zurück.

Fröndenberg

, 09.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Rat ist am Mittwoch, 6. November, der neue Brandschutzbedarfsplan beschlossen worden. Trotz einiger Kritik, steht das Gros der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg hinter der neuen Brandschutzbedarfsplanung. Sie wird als Meilenstein für die Entwicklung der Fröndenberger Wehr bezeichnet, ist gleichzeitig aber auch eine Zäsur in der Geschichte der hiesigen Wehr.

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Schon Feuerwehrchef Jörg Sommer hat bei der Präsentation des Standortkonzepts die Bedeutung der Löschgruppen für die Ortsteile betont. Die kann auch Stadtarchivar Jochen von Nathusius bestätigen. Er kennt die Geschichten einiger Bürger aus der Zeit, in der es zum guten Ton gehörte, bei der Freiwilligen Feuerwehr zu dienen. Zugezogene waren in ihrem Dorf erst so richtig angekommen, wenn sie Teil der Löschgruppe wurden. Dafür habe es sogar Wartelisten gegeben.

Zwölf Löschgruppen in den 14 Ortsteilen sind bald Geschichte

In den 14 Fröndenberger Ortsteilen gab es bisher zwölf Löschgruppen. Elf der zwölf Löschgruppen sind älter als 100 Jahre. Bald wird es nur noch vier Löschzüge an den fünf Standorten in Mitte, Stentrop, Westen, Frömern und Ostbüren geben. Die Stadt möchte die Gerätehäuser in den Ortsteilen allerdings nicht sofort aufgeben – abreißen oder verkaufen. Denn um sie herum ist oftmals Dorfstruktur und Vereinsleben entstanden.

Jeder wollte dabei sein: So ist die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg entstanden

So sah das Gerätehaus Mitte der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg zur Einweihung im Jahr 1952 aus. © Stadtarchiv

Jeder wollte dabei sein: So ist die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg entstanden

Das Gerätehaus Mitte ist im Jahr 1952 eingeweiht worden. © Marcel Drawe

Tief zurück in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg haben Annegret Becker, Helga Windau und Werner Heseler zum 100. Geburtstag der Fröndenberger Wehr geblickt. In einer Festschrift, die im Geburtstagsjahr 2002 erschien, ist nachzulesen, wie sich die Feuerwehr entwickelt hat.

Industrialisierung machte organisierte Feuerwehren immer wichtiger

Die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr liegt im Jahr 1902, kurz nach der damaligen Zusammenlegung der drei Gemeinden Fröndenberg-Dorf, Fröndenberg-Stift und Westick. Zuvor gab es eine Bürgerwehr, die in ihren Grundzügen einer Pflichtfeuerwehr gleichkam. Es mangelte jedoch an Grundlegendem wie Einsatzkleidung. Im Zuge der Industrialisierung mit der Eröffnung zahlreicher Kettenschmieden und Fabriken wurde eine trainierte und organisierte Feuerwehr immer wichtiger.

Mitglieder der damaligen Bürgerwehr und neue Männer kamen im Jahr 1902 so zur ersten Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg zusammen, die Vereinscharakter hatte. Die Feuerwehrmänner erhielten nun auch Schutzkleidung – und 1905 eine Vereinssatzung.

Wer Feuer löschen wollte, musste Eintrittsgeld und Jahresbeitrag zahlen

Wer dabei sein wollte, musste Eintrittsgeld und einen Jahresbeitrag zahlen. Aufgabenverteilung und Wahl eines Vorstands waren ebenfalls Bestandteil der Satzung. Oberbrandmeister und Metzgermeister Carl Tillmanns übernahm als erster die Führung der Wehr.

Jeder wollte dabei sein: So ist die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg entstanden

Das Gerätehaus an der Friedhofstraße war hier, im Jahr 1936, noch groß genug. Später wurde es zu klein für die neuen Fahrzeuge. Ein neues Gerätehaus Mitte wurde gebaut. Dieses Schicksal ereignete auch jetzt wieder viele Gerätehäuser. Nicht nur moderne Autos, sondern auch die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr werden immer größer. © Stadtarchiv

Auf dem Sümberg, im Bereich der Friedhofstraße, konnte die Feuerwehr ihren ersten Übungsplatz mit Gerätehaus und Steigerturm errichten. Weil es von dort aus zu den meisten Einsätzen bergab ging, war die Freiwillige Feuerwehr besonders schnell vor Ort. Der erste große Einsatz, ein brennendes Wohnhaus in der Freiheitstraße an einem Spätherbsttag 1905, ging unglücklich aus. Die Feuerwehrleute konnten das Fachwerkgebäude nicht mehr retten. Es brannte vollständig aus. Aber die Männer lernten aus Fehlern und wuchsen mit ihren Aufgaben.

Schnell wurden weitere Wehren in den heutigen Ortsteilen gegründet

Und wie wichtig ihre Aufgabe wurde, zeigte die Gründung weiterer Feuerwehren in den heutigen Ortsteilen Langschede, Strickherdicke, Frömern, uns Ostbüren im Verlauf des Jahres 1908. 1909 wurden auch in den früheren Gemeinden Bentrop, Bausenhagen und Warmen Feuerwehren gegründet. 1911 wurden die Wehren in Altendorf und Dellwig gegründet. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Ardey folge 1912.

Im April des Jahres 1934 entstand aus den Feuerwehren des gesamten Amtsbezirks Fröndenberg eine geschlossene Wehr zusammengeführt, die ihren Sitz in Fröndenberg hatte. Zu diesem Amtsbezirk gehörten damals noch die Gemeinden Billmerich und Kessebüren. 13 Teilwehren und die Werkswehr Union bildeten die Amtswehr.

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Langschede gehört zu den Ortsteilen, die schon vor über 100 Jahren eine eigene Wehr hatten. Dieses Bild müsste vor 1914 entstanden sein und zeigt das alte Gerätehaus mit Steigerturm in Langschede. © Stadtarchiv

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Feuerwehrleute unter dem Titel „Feuerlöschpolizei“ besondere Kriegsaufgaben erledigen. Hierzu gehörten auch die Räumungsarbeiten nach Bombardierungen.

Die Löschgruppe Hohenheide wurde als letzte der heutigen Löschgruppen im Jahr 1947 gegründet. Im Lauf der Geschichte bildeten sich nicht nur die Löschgruppen heraus – auch die Ausrüstung der Feuerwehr wurde immer professioneller. Wie die Löschzüge ausgestattet sein mussten, wurde gesetzlich geregelt.

Für neue Fahrzeuge war kein Platz mehr im alten Gerätehaus

Zu den Anschaffungen gehörten neue Fahrzeuge. Und die wertvollen Einsatzwagen fanden im alten Gerätehaus auf dem Sümberg keinen Platz, standen der Witterung ausgesetzt vor dem Gebäude. Bis im Jahr des 50-jährigen Jubiläums 1952 das neue Feuerwehrgerätehaus übergeben wurde.

Nachwuchsförderung war auch Ende der 60er-Jahre schon Thema. Im Jahr 1967 wurde hierzu die erste Jugendfeuerwehr in Langschede gegründet. Nach der Gebietsreform im Jahr 1968 gehörten Billmerich und Kessebüren nicht mehr zum Amtsbezirk der Fröndenberger Feuerwehr.

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Noch bis in die 1950er Jahre hinein sah der Feuerwehrstandort in Ostbüren so aus. © Stadtarchiv

Die Freiwillige Feuerwehr bestand nun aus den Löschgruppen: Altendorf, Ardey, Bausenhagen, Bentrop, Dellwig, Fröndenberg-Mitte, Frömern, Hohenheide, Langschede, Ostbüren, Strickherdicke und Warmen. Aus den Gemeinden des früheren Amts Fröndenberg wurde nach der kommunalen Neuordnung die Stadt Fröndenberg.

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