Jan Peter Petersen liefert klassisches Kabarett mit Pointen zum Nachdenken

dzKettenschmiede

Konventionelles Kabarett gibt's noch: Jan Peter Petersen verwandelte die Kettenschmiede in ein satirisches Bluthochdruckgebiet. Zur Begeisterung blieb kaum Zeit, man musste viel nachdenken.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 22.09.2019, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Weise aus dem Moin-Land zu Besuch im "Nabend"-Land: Jan Peter Petersen vertritt die reine Lehre des Kabaretts, so wie es Hildebrandt und Hüsch dermaleinst taten.

Mit Standup-Comedy hat der Hanseate ("Hamburger stellen was her, Hanseaten stellen was dar!") nichts zu tun. Das Fröndenberger Publikum tat sich schwer mit Petersens stakkato-gleichen Pointen-Geprassel, ein ums andere Mal musste der Künstler die Zuschauer aus dem Nachdenken erlösen und zum Beifall förmlich auffordern.

Was nichts mit der altmeisterlichen Wahrheit seiner Botschaften zu tun hat. Gemeißelt-formulierte Sätze wie "Denken Sie an sich, solange Sie sich an sich erinnern können" stickt man sich hier und heute doch eher ins Kissen, als dass man spontan drüber schmunzelt. Richtig ist der Satz ja trotzdem.

Jan Peter Petersen wählte sich "Elisabeth" aus der ersten Reihe als Sidekick aus. An ihr relativierte er seine Thesen wie "Deutsche führen keinen Krieg mehr, wir exportieren ihn und - haha - so weit sind deutsche Panzer früher nie gekommen...“

Seine Geburt will er als erste Zwangsräumung seines Lebens verstanden wissen, später habe er lieber Häuser besetzt als Immobilien besessen.

Nazis haben Pöbel-Tourette

Dass ein Volk, das ein "schnittiges Scheidungsrecht" aus der Epoche Heinrich VIII. erlebt habe, nun etwas sprachlich schon Brechreiz erzeugendes wie den "Brrrexxxittt" fordere, erschien Petersen nur logisch. Nazis sind bei dem bekennenden Linken "gewöhnliche Alkoholiker mit Pöbel-Tourette", wer bei denen in Demos mitlaufe , sei kein Mitläufer, sondern ein nützlicher Idiot.

Menschenkenntnis habe er, Petersen, schon mit 8 Jahren bewiesen: Vorm Röhrenfernseher habe er als Kind 1966 die Wembley-Fußballübertragung erlebt und so wild "Beckenbauer" geschrien, dass er gekotzt habe...

So mancher Gag war offensichtlich so schwer verdaulich, dass das Publikum sich sogar mit der obligatorischen Zugabe-Forderung schwer tat. Links und rechts um die Ohren flogen ihnen im Sekundentakt die witzigen, aber wahrhaftigen Lebensweisheiten eines sensiblen und nachgerade unverschämt ehrlichen Beobachters unserer Gesellschaft. Die Kettenschmiede wurde zum satirischen Bluthochdruckgebiet, auch wenn die Schenkelklopfer und Brüllwitze aus dem Stammtisch-Dunst an diesem Abend fast völlig fehlten.

Der Abend locker vom Hocker ohne auch nur eine Requisite auf der Bühne erinnerte an die Straßenfeger der damaligen Lach- und Schießgesellschaften oder die seligen Stachelschweine. Schön, dass es das noch gibt.

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