Jahrestag des Hitler-Attentats: So gedenken Städte ihrer unbekannten Widerstandskämpfer

dzWilhelm zur Nieden

Fröndenberg wird in den nächsten Monaten darüber debattieren, ob die Gesamtschule künftig den Namen von Wilhelm zur Nieden tragen soll. Nicht so bekannter Widerstandskämpfer wird oft sehr prominent gedacht.

Fröndenberg

, 20.07.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das gescheiterte Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 jährt sich zum 76. Mal: Zum Kreis der Widerstandskämpfer gehörte auch der gebürtige Fröndenberger Wilhelm zur Nieden. Sein Name ist nur wenigen bekannt – das könnte sich künftig ändern.

Spätestens nach der Kommunalwahl am 13. September werden der neue Rat und die Fachausschüsse darüber debattieren, ob die Gesamtschule künftig den Namen zur Niedens tragen soll, der zum Widerstandskreis um Carl-Friedrich Goerdeler gehörte. Diesen Antrag hatte die FWG gestellt.

Gedenktafel auf Altem Friedhof und Museumsvitrine

Im Fall eines erfolgreichen Attentats auf Hitler hätte Wilhelm zur Nieden, am 29. August 1878 in Fröndenberg geboren, nach dem 20. Juli 1944 der Regierung eines von den Nazis befreiten Landes angehören sollen.

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Wilhelm zur Nieden wurde am 19. August 1878 in Fröndenberg geboren. Sein Vater Adolf Theodor Karl zur Nieden war evangelischer Pfarrer in der Stadt.

Wilhelm zur Nieden wurde am 19. August 1878 in Fröndenberg geboren. Sein Vater Adolf Theodor Karl zur Nieden war evangelischer Pfarrer in der Stadt. © privat

In der Stadt Fröndenberg gibt es bis auf eine Gedenktafel am Grab der Eltern zur Niedens auf dem Alten Friedhof sowie eine kleine Vitrine im Heimatmuseum keine Hinweise auf den gebürtigen Fröndenberger.

Das Gedenken an Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime ist in deren Geburtsorten oder Wirkungsstätten tatsächlich mal mehr und mal weniger ausgeprägt.

So ist zum Beispiel auch in der Nachbarstadt Schwerte keine öffentlich sichtbare Erinnerung an den Widerstandskämpfer Ulrich Sporleder zu finden. Der Pfarrer der Bekennenden Kirche wurde 1911 in Schwerte geboren.

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Wie im Fall Ulrich Sporleders mag die zurückhaltende Würdigung auch bei Wilhelm zur Nieden daran liegen, dass beide ihren Wirkungsschwerpunkt nicht in ihrer jeweiligen Geburtsstadt hatten.

Daneben führt die Benennung öffentlicher Gebäude nach Persönlichkeiten der Zeitgeschichte nicht selten zu politischen Kontroversen. Eine sehr elegante Lösung haben zum Beispiel die Städte Stuttgart und Bamberg gefunden.

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Im Foyer des baden-württembergischen Landtages in Stuttgart steht die Büste des 1945 hingerichteten württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz.

Im Foyer des baden-württembergischen Landtages in Stuttgart steht die Büste des 1945 hingerichteten württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz. © picture alliance / Bernd Weißbro

An Eugen Bolz, vormaliger Staatspräsident von Württemberg und als Widerstandskämpfer im Januar 1945 hingerichtet, erinnert im Stuttgarter Landtag eine Porträtbüste.

Büsten von Nazi-Gegnern in zentraler Lage

Ein solches Gedenken pflegt auch die Stadt Bamberg. Neben dem bekannten Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg, der in Bamberg einem Regiment angehörte, wird auch des viel weniger bekannten Widerstandskämpfers Hans Wölfel gedacht, der aus Österreich stammte und sich in Bamberg als Rechtsanwalt niederließ. Die dritte der Büsten, die alle im zentralen Stadtraum von Bamberg aufgestellt worden sind, zeigt den gebürtigen Bamberger Willy Aron, der bereits 1933 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde.

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