Innenstadt Fröndenberg als Stadtgespräch: Dem Bürger-Dialog geht am Ende die Puste aus

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Die Bürgerbeteiligung in Fröndenberg lässt nach – zumindest beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept. Offiziell sprach die Neugestaltung der Fußgängerzonen kaum jemanden an – inoffiziell ist die Kritik umso lauter.

Fröndenberg

, 26.08.2020, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fröndenberger Bürgerschaft konnte erstmals vor mehr als vier Jahre online Wünsche, Ideen, Vorschläge oder auch Kritik mit Blick auf die künftige Innenstadtentwicklung geltend machen. Die damals mehr als 60 Eingaben sind heute auf ganze zwei zusammengeschmolzen.

Das Ergebnis des Online-Aufrufs in den zurückliegenden beiden Wochen war jedenfalls ernüchternd: Zu der Frage, wie die Ladenzeilen an der Winschotener Straße und die Fußgängerbereiche Im Stift gestaltet werden sollten, mochte sich kaum noch jemand äußern.

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Die damalige Fröndenberger Wirtschaftsförderin Anna Wehrmann (Mitte) thematisierte 2016 in einem von mehreren Workshops mit Bürgern das Thema Leerstandsmanagement.

Die damalige Fröndenberger Wirtschaftsförderin Anna Wehrmann (Mitte) thematisierte 2016 in einem von mehreren Workshops mit Bürgern das Thema Leerstandsmanagement. © Archiv/Marcel Drawe

Dabei war beim Startschuss des Stadtumbauprogramms (ISEK) für Fröndenberg bereits 2016 deutlich gemacht worden: „Die kontinuierliche Beteiligung betroffener Nutzer- und Akteursgruppen in der Innenstadtentwicklung ist ein wichtiger Baustein des Integrierten Handlungskonzeptes“.

„Akzeptanzsteigerung“ lautete das Schlüsselwort

So steht es wörtlich in dem 90-seitigen Konzeptpapier, das Stärken und Schwächen, Leitbild und Ziele der Neugestaltung der City sowie die einzelnen Maßnahmen und eben die Bürgerbeteiligung zusammenfasst.

Man war von vornherein darauf aus, einen möglichst breiten Konsens auch mit den Bürgern, die als Kunden, Flaneure oder Arbeitnehmer in die Innenstadt kommen, herzustellen. „Akeptanzsteigerung“ hieß das Stichwort.

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Der endgültige Entwurf für den Bruayplatz sieht nun eine zusätzliche Grünfläche etwa in der Mitte des Platzes vor – ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept.

Der endgültige Entwurf für den Bruayplatz sieht nun eine zusätzliche Grünfläche etwa in der Mitte des Platzes vor – ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept. © Stadt Fröndenberg

Dabei sollten geäußerte Ideen und Vorschläge nach Möglichkeit eben auch in die Tat umgesetzt werden. Das „Integriert“ im Namen des Stadtentwicklungskonzepts sollte gerade auch heißen, dass die Bürger integriert werden – das betonte auch die Stadtverwaltung immer wieder.

Die Beteiligung in der Frühphase des ISEK konnte sich auch sehen lassen: Bei der ersten Online-Beteiligung vom 18. Januar bis 14. Februar 2016 gingen 62 Stellungnahmen und Kommentare im Rathaus ein.

Stadtgespräche über den siegreichen Entwurf

Einem Stadtrundgang des Frauennetzwerks am 29. Februar 2016 folgten 27 Bürgerinnen und Bürger und zu einem Bürgerworkshop mit einzelnen Arbeitsgruppen am 23. April 2016 in der Aula der GSF kamen 43 Personen.

Dort entwickelte Ideen flossen in die Konzepte ein. Auch nachdem der Wettbewerbssieger feststand und es an die Umsetzung ging, konnte sich die Bürgerschaft in „Stadtgesprächen“ nochmals einbringen.

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Werbung für Bürgerbeteiligung in der Anfangsphase: 2016 hieß es ganz offensiv „Reden Sie mit!“ Die Resonanz war mit mehr als 60 Eingaben aus der Bevölkerung stark.

Werbung für Bürgerbeteiligung in der Anfangsphase: 2016 hieß es ganz offensiv „Reden Sie mit!“ Die Resonanz war mit mehr als 60 Eingaben aus der Bevölkerung stark. © Stadt Fröndenberg

Die Resonanz ließ 2018 und 2019 allerdings schon nach. Lokalpolitiker waren bei diesen Terminen oft in der Mehrzahl. Dennoch: Dort geäußerte Wünsche für das Feintuning auf Marktplatz und Bruayplatz berücksichtigten der Stadtrat und letztlich Landschaftsarchitektin Susanne Weihrauch erneut in den endgültigen Entwürfen.

Bürger finden Gehör: Mehr Grün, mehr Bänke, mehr Mülleimer

Mehr Grünflächen auf dem Bruayplatz, der Erhalt des Rondells mit Sitzgelegenheiten auf dem Marktplatz – die Bürgervorschläge fanden Gehör. Auch der Wunsch nach mehr Mülleimern, Hinweisschildern oder insektenfreundlichen Laternen für Winschotener Straße/Im Stift dürften jetzt gute Chancen haben, praktisch umgesetzt zu werden.

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Die Werbung für die Bürgerbeteiligung ließ ebenfalls etwas nach: Auf die Aktion mit rund 700 Postkarten in der Frühphase folgten drei Jahre später schlichte Einladungsplakate und -aufsteller.

Die Werbung für die Bürgerbeteiligung ließ ebenfalls etwas nach: Auf die Aktion mit rund 700 Postkarten in der Frühphase folgten drei Jahre später schlichte Einladungsplakate und -aufsteller. © Stadt Fröndenberg

Doch gehen diese Vorschläge der vorläufig letzten Bürgerbeteiligung eben auf ganze zwei Eingaben von Bürgern zurück. Daneben war die Kaufmannschaft gesondert nach ihren Bedürfnissen befragt worden.

Die äußerst schwache Resonanz auf den jüngsten Aufruf, sich konstruktiv zu beteiligen, wird von einer großen Zahl von Stimmen vor allem, aber nicht nur in den Sozialen Medien seit Wochen konterkariert.

Kritik verhallt in den Sozialen Medien

Es dominiert dabei, wenn auch nicht repräsentativ, eine grundsätzliche Missbilligung der Umgestaltung der Innenstadt und harsche Kritik an einem laufenden Bauprozess. Tenor: zu teuer, nicht durchdacht, unnütz oder man könne es auch besser machen. In die virtuelle Welt gesprochen verhallt das alles.

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Vor vier Jahren verschickte die Stadtverwaltung mehrmals rund 700 Postkarten mit Informationen über die Beteiligungsformate an private Haushalte und legte sie in Geschäften aus. Diese Offensive blieb in den vergangenen zwei Jahren allerdings aus.

Es scheint, als sei dem Bürger-Dialog auf beiden Seiten zum Ende ein wenig die Puste ausgegangen.

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