In schwindelerregender Höhe

Der beste Dachdeckerprüfling

Handwerker suchen händeringend Nachwuchs –auch Dachdeckerbetriebe. Die Fröndenberger Firma Topdeck hat mit Robin Siedelmann einen fähigen Mitarbeiter gefunden.

13.10.2018, 17:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
In schwindelerregender Höhe

Martin Meckelholt ist der Inhaber des Dachdeckerbetriebs Topdeck. Er beschäftigt derzeit 15 Mitarbeiter –und hat alle Hände voll zu tun.Pott

Robin Siedelmann hat jüngst seine Prüfung zum Dachdeckergesellen bestanden –und zwar als bester von acht Prüflingen. Geselle möchte der 20-Jährige aber nicht bleiben. Auf Fortbildungen und Seminaren lernt er immer mehr dazu, damit er eines Tages auch seine Meisterprüfung bestehen wird. Seine Lehrer rieten ihm in seiner Schulzeit, das Abitur zu machen. Er entschied sich aber dagegen. Und das war wohl die richtige Entscheidung, denn sein Beruf macht ihm Spaß. „Ich habe mit vielen verschiedenen Materialien zu tun, bin ständig an der Luft und immer braun gebrannt“, zählt er augenzwinkernd die Vorteile des Dachdeckerberufes auf.

Selbstständiges Arbeiten

Das Handwerk sucht händeringend Nachwuchs. Kein Wunder also, dass Martin Meckelholt, Inhaber der Firma Topdeck und Chef von Siedelmann stolz auf seinen Lehrling ist. Sein Geselle sei fleißig und habe Willen gezeigt. Meckelholt unterstützt seine Auszubildenden so gut er kann, denn auch als Ausbilder kann man einiges falsch machen. Das hat der Dachdeckermeister selbst erlebt. Nach zweieinhalb Jahren wurden in dem Betrieb, in dem er seine Ausbildung gemacht hat, viele entlassen. Er und ein anderer Azubi waren plötzlich auf sich alleine gestellt. „Das möchte ich meinen Auszubildenden ersparen“, sagt Meckelholt. Er sorgt also dafür, dass die Auszubildenden in ihrer Lehrzeit alle Arbeiten kennenlernen. Die Gruppen, in denen gearbeitet wird, würden regelmäßig durchgemischt. Schließlich gibt es verschiedene Dächer, an denen gearbeitet wird und andere Bereiche, wie das Einsetzen von Fenstern oder Klempnerarbeiten. Ab und zu gebe er den Azubis auch mal ein Bonbon. „Dann sage ich, dass sie mal alleine ein Fenster einsetzen sollen. Wenn sie Fragen haben, sollen sie einfach Bescheid geben“, erzählt der Inhaber des Unternehmens. Solche Aufgaben selbstständig zu übernehmen motiviert seine Azubis „und man merkt später, ob sie nur Sachen von A nach B tragen oder wirklich etwas beigebracht bekommen.“

Anerkennung vom Bürgermeister

Dass Siedelmann schnell an die Arbeit gekommen ist, zahlt sich aus. Der Bestprüfling bekam zusätzlich zu der Urkunde von seinem Chef auch eine Anerkennung von Bürgermeister Friedrich-Weilhelm Rebbe – inklusive Restaurantgutschein im Wert von 50 Euro. Auch gilt der Dank des Bürgermeisters der Dachdeckerfirma. Handwerker würden gebraucht „und es ist wichtig, dass Unternehmen da in die Bresche springen und ausbilden“, so Rebbe. Für Meckelholt und seine Frau gab es zwei Flaschen Wein.

Obwohl er das wichtigste auf der Baustelle gelernt hat, musste er natürlich zum Unterricht. Im ersten Ausbildungsjahr stand Blockunterricht am Hellweg Berufskolleg Unna auf dem Lehrplan.

Im zweiten Jahr hat Siegelmann sich auf Lorenz-Burmann-Schule, eine Ausbildungsstätte des Dachdeckerhandwerks, auf seine Prüfung vorbereitet. In Eslohe müssen die Lehrlinge richtig anpacken. Dort stehen die Azubis, die auch dort übernachten, meist von morgens bis abends in der Werkhalle.

Bei seiner Prüfung musste Siedelmann von allem etwas liefern. Auf dem Prüfungsplan standen neben Arbeiten am Satteldach- und Flachdachmodell auch Klempnerarbeiten und Fassadenbekleidung. Der Fröndenberger hat als einziger von acht Prüflingen seine Arbeit beendet. Das Handwerks-Gen und sein Fleiß wurden mit der Bestnote belohnt.

Und noch etwas darf als Handwerker nicht fehlen: Schwindelfreiheit. „Je steiler das Dach, desto länger dauert es, bis die Knie aufhören zu zittern“, gesteht er. Angst vor Höhen habe er aber nicht – nur gesunden Respekt.

Doch, um Dachdecker zu sein, braucht es dann doch etwas mehr als Schwindelfreiheit, Fleiß und Motivation. Obwohl Siedelmann vor seiner Ausbildung nicht viel gehandwerkelt hat, ist er talentiert. Geschick gehöre auch dazu, sagt er.

Der Beruf des Dachdeckers hat sich gewandelt. „Es ist alles in einer Hand“, sagt Meckelholt. Der Beruf des Dachdeckers sei facettenreicher als viele glauben. Neben Dach- und Fassadenreparaturen gehören auch Dachbegrünung, Wärmedämmung und Klempnerarbeiten zum Fachgebiet eines Dachdeckers. Er muss mit unterschiedlichsten Materialien arbeiten können.

Diese Vielseitigkeit sorgt nicht nur für Abwechslung im Alltag, sondern wird auch belohnt. „Ein fertiger Dachdeckergeselle verdient so viel wie ein Jurist, der gerade sein Studium beendet hat“, so Meckelholt.

Jeder könne bei ihm eine Ausbildung beginnen – die Mindestanforderung sei ein Hauptschulabschluss.

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