In Fröndenberg fehlen Übungsleiter – lange Wartelisten beim Schwimmunterricht

dzSchwimmen lernen

Etwa ein Dutzend Kinder ertrinken jedes Jahr in Deutschland – wie kann das sein? Es gibt zu wenig Bäder und zu wenig Übungsleiter, sagt die DLRG. Eltern beklagen lange Wartelisten.

von Martin Krehl

Dellwig

, 26.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klingt brutal, ist aber wohl richtig: „Schwimmen lernen kostet Geld, Ertrinken das Leben.“ Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bringt die Misere auf diese klare Formel. Aber: „Es ist nicht so, dass Eltern das nicht wissen“, sagt Sebastian Koch, Jugendvorstand in der DLRG-Ortsgruppe Fröndenberg. „Die rennen uns die Bude ein!“

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Doch es gibt zu wenig Möglichkeiten, Schwimmunterricht zu erteilen, und aktuell fehlen Übungsleiter. „Wir könnten noch einige wenige Übungseinheiten dazubekommen, aber wir haben keine Leute“, sagt Sebastian Koch, der selbst Unterricht erteilt. Zurzeit sind gerade mal 15 Jungen und Mädchen in den Anfängerkursen, nach den Herbstferien steht auch endlich das Becken in der Overbergschule wieder zur Verfügung.

Der Bedarf an Schwimmkursen wird bei weitem nicht abgedeckt

Den Bedarf stadtweit in Fröndenberg decken die Kursanbieter wie zum Beispiel die DLRG-Ortsgruppen Fröndenberg und Dellwig oder der SV Bausenhagen nicht ab. „Bei weitem nicht“, sagt Koch. „Wir haben alle unendlich lange Wartelisten.“

Koch tut das sehr leid, er weiß, dass Kinder für den Schwimmunterricht in den Schulen zumindest vorbereitet sein sollten.

Eigentlich sollten Kinder das Seepferdchen-Abzeichen schon an der Badehose tragen, wenn in der Grundschule das erste Mal Schwimmen auf dem Stundenplan steht. Für die Wassergewöhnung ist an den Schulen keine Zeit mehr.

Die DLRG hat festgestellt, dass bundesweit unter den Zehnjährigen, also den Viertklässlern, noch nicht die Hälfte von sich behaupten kann, sicher im Wasser zu sein. Über die rund 400 Todesopfer durch Ertrinken im Jahr, darunter etwa ein Dutzend Kinder, muss man sich also nach Erfahrungen der DLRG-Landesverbände nicht wundern.

Es braucht mehr Schwimmbäder und mehr ausgebildete Lehrer

„Wir brauchen mehr Schwimmbäder und mehr ausgebildete Schwimmlehrer“, ist das Fazit von Sebastian Koch. Dabei weiß auch er, dass davon momentan nur geträumt werden kann: Bundesweit werden allein in diesem Jahr wohl 70 Schwimmbäder geschlossen. Kommunen fehlt vielfach das Geld für den Betrieb der Bäder.

Und wenn es Bäder gibt, sind es top-attraktive Spaßbäder mit Riesenrutschen, Solebecken oder irgendwelchen Wellness-Landschaften. Schwimmen kann man da oft gar nicht wirklich, geschweige denn Schwimmen lernen. Statt nur zum Spaß zu planschen sollten Eltern ihren Kindern wenigstens erste Schwimmtechniken zeigen.

Die DLRG fordert schon lange bundesweit, dass Schwimmen zur Grundausrüstung eines jeden Schulkindes gehören muss: „Schwimmen kann man nicht wieder verlernen.“ Nichtschwimmerkurse für Erwachsene werden in Fröndenberg übrigens kaum nachgefragt.

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