In Frömern herrscht ein ganz besonderer „SPIRIT“

dzJugend

Das SPIRIT steht für erfolgreiche Jugendarbeit wie kaum eine andere Einrichtung in Fröndenberg. Jetzt feierte der Treff zehnten Geburtstag.

von Martin Krehl

Frömern

, 20.10.2018, 22:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein klassisches Beispiel für den Satz: „Gäb’s das nicht, man müsste es erfinden“: Egal, mit wem man über das SPIRIT in Frömern spricht, niemand mag sich vorstellen, wie es wäre, wenn es diese Jugendbegegnungsstätte nicht gäbe. Ihr Zehnjähriges feierten Team und Besucher jetzt sehr selbstbewusst mit Lokalpolitikern.

Und in der Tat hat die Evangelische Kirchengemeinde in Frömern mit dem SPIIRIT ein selten gewordenes Beispiel für erfolgreiche Jugend- und Nachwuchsarbeit, für effektiven Personaleinsatz, für demokratische Mitverwaltungsaspekte und nachhaltige christliche Sozialpädagogik vorzuweisen.

Idee der Offenen Tür

Die Ursprünge liegen schon in den frühen 80ern bei Hans-Jürgen Dahl, der mit seiner Idee einer Offenen Tür für die Jugend bei Pfarrer Janzen damals schon dieselbe einrannte. Inzwischen ist dank des Einsatzes von Jugendreferent Sebastian Richter die Einrichtung eine Vorzeigeinstitution geworden, die aus dem Freizeitbereich vieler junger Menschen in Frömern nicht mehr wegzudenken ist.

„Die ganze Gemeinde profitiert davon“, bilanziert Jugendpresbyter Steffen Schuldt den Einsatz, die Geduld und das Verständnis der Kirchengemeinde. Nichts gegen Angebote wie etwa den Kaffeeklatsch der Senioren oder die üblichen Bibelkreise – Hinwendung und pastoraler Einsatz für Erwachsene und Familien bis ins höhere Alter ist in Frömern wie andernorts durchaus anerkannter Schwerpunkt der Gemeindearbeit. Gleichzeitig ist aber in Frömern die gemeindliche Jugendarbeit niemals mit dem „kw-Vermerk“ versehen worden. Jugendarbeit kann in Frömern nicht wie in anderen Gemeinden einfach mal wegfallen, zum Beispiel weil es gerade mal kein Personal, keine Räume, kein Geld oder auch nur kein Verständnis gibt.

70 Ehrenamtliche

Steffen Schuldt nennt ein Beispiel: Eine Kinderbibelwoche mit weit über 190 Teilnehmern könne eine Gemeinde nicht Jahr um Jahr tragen, wenn es nicht einen Stamm jugendlicher Betreuerinnen und Betreuer gäbe. Woher sollten die jungen, engagierten, kreativen und emphatischen Mitarbeiter kommen, wenn die Gemeinde ihnen nicht auch attraktive Angebote macht? Schuldt meint, eine Gemeinde müsse sozusagen ganzheitlich denken – es ergebe wenig Sinn auf Ehrenamtliche zu warten, man müsse sie schon über Jahre an Aufgaben heranführen. Am besten von Kindesbeinen an in Krabbel- und Kindergruppen, weiter dann als Konfirmanden und dann als junge Heranwachsende natürlich auch. Ein altersmäßiger Bruch im Angebot wird nur selten übersprungen, wer jung an Jahren „unterwegs“ verloren wurde, kommt als Erwachsener kaum später in die Gemeindearbeit zurück.

Der Erfolg des SPIRIT, so Steffen Schuldt, ist also der festen Verankerung in der Gemeinde Frömern zu verdanken – und dem Einsatz von Sebastian Richter. Der Jugendreferent, der beruflich jetzt auch auf der Ebene der Landeskirche seine Kompetenzen einbringt, ist ein absoluter Glücksgriff für die Gemeinde und das SPIRIT. Schuldt meint, Richter könne motivieren, moderieren und mitreißen.

„Hier kennt doch jeder jeden, das SPIRIT-Team ist wie eine riesengroße Familie“
Nele Luise Hartwig

Auf immerhin 70 junge Menschen können sich Sebastian Richter und seine inzwischen in Vollzeit tätige Kollegin Katharina Grügelsiepe, die selbst aus der Gemeindejugend in Frömern stammt, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen.

Eine von ihnen ist Nele Luise Hartwig. Die 20-Jährige macht gerade eine Ausbildung als Sport- und Gymnastiklehrerin und ist, wann immer es ihre Zeit erlaubt, immer noch für Dienstzeiten im SPIRIT zu begeistern: „Ich kenne das SPIRIT schon ganz lange, vor fünf Jahren bin ich aufgefordert worden, den Mitarbeitergrundkurs zu machen“. Der schloss mit einem Test ab, seitdem ist Nele Lusise Teammitglied.

Der „Freaky Friday“, auch ein altbewährtes Spezialangebot in Frömern für junge Leute, war der erste Kontakt für Nele Luise Hartwig mit der Evangelischen Gemeinde: „Die haben mich immer genommen, wie ich bin“, sagt die junge Frau. Dass sie katholisch ist, habe zum Beispiel niemals irgendeine Rolle gespielt. Wichtiger war immer, dass sie verlässlich und geradlinig hilft und einsetzbar ist.

Team wie eine Familie

„Hier kennt doch jeder jeden, das SPIRIT-Team ist wie eine riesengroße Familie“, Nele Luise Hartwig kann der Einrichtung wohl kein größeres Kompliment machen. Ausgrenzung und Misstrauen können hier gar nicht entstehen.

Steffen Schuldt rechnet dem engagierten Team um Richter und Grügelsiepe vor allem hoch an, dass sie ständig auf der Höhe der aktuellen Jugendthemen arbeiten: „Rassismus, Rechtsruck, Wahlverweigerung – all‘ diese Themen werden im SPIRIT jugendgerecht aufgegriffen, von jungen Menschen für junge Menschen aufbereitet. Toll!“

Nele Luise Hartwig hat sich regelmäßig beim „Mädchen-Tag“ engagiert: „Wir konnten da einfach loslegen, man hat uns vertraut und wir haben total gerne Verantwortung übernommen“. Und fürs Leben gelernt.

Das SPIRIT ist aber nun einmal eine kirchliche Einrichtung. „Das schreckt hier keinen ab, weil das Team sehr professionell arbeitet und man weiß, wie junge Menschen angesprochen werden wollen“, sagt Hartwig. Hier wird nicht missioniert, aber es bleibt immer Zeit und Platz für Orientierungshilfen, für Glaubensdiskussionen, für den Blick auf die Religion.

Kirche konzentriert sich im SPIRIT auf ihre Kernaufgabe – Menschen zu befähigen, menschlich leben zu lassen. Diese Befähigung vermittelt das SPIRIT-Team mit seinem Angebotsgerüst, das viel Platz für Spontanität und Spaß lässt.

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