Eigentlich wollte er sich nur für die eigene Sache stark machen – doch dann landete Friedrich Frens unabsichtlich in der Politik. Jetzt wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Fröndenberg

, 19.12.2018, 17:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Was kommt denn da von Landrat?“, fragt Friedrich Frens seine Frau Margret. „Das kann ja nur ein Knöllchen sein“, ist er sich sicher und öffnet das offizielle Schreiben mürrisch. Doch keineswegs wurde er darin aufgefordert, ein Bußgeld zu bezahlen. Er sollte geehrt werden – mit dem Bundesverdienstkreuz. Der 83-Jährige war überwältig. Dass er den Orden annehmen werde, stand außer Frage. Aber wer könnte ihm das eingebrockt haben, fragte er erst sich und dann an offizieller Stelle nach. Sybille Weber, die bei der CDU inzwischen Kreisgeschäftsführerin ist, hatte den Stein offenbar im April 2016 ins Rollen gebracht.

„Das kann ja nur ein Knöllchen sein.“

Verleihung in Opherdicke mit der Familie

Am Dienstag folgte die festliche Ordensverleihung auf Haus Opherdicke: „Für mich ist es eine große Freude, Bürgerinnen und Bürger unseres Kreises für ihre Verdienste würdigen zu dürfen“, sagte der Landrat des Kreises Unna, Michael Makiolla. Er vergibt das Bundesverdienstkreuz im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der zu den Verleihungen nicht anwesend sein kann.

Friedrich Frens hat sich seit seiner Jugend ehrenamtlich in mehreren Bereichen engagiert, begründete der Landrat die Verleihung. Der inzwischen 83-jährige Fröndenberger widmete unzählige Stunden seiner freien Zeit dem Dienst an der Allgemeinheit. Ein Schwerpunkt war dabei die Kommunalpolitik. Friedrich Frens ist seit 1968 Mitglied der CDU und vertrat von 1975 bis 2009 die Interessen der Ortsteile Stentrop, Bentrop und Bausenhagen im Fröndenberger Stadtrat. Dort lag sein Schwerpunkt in den Themen Feuerwehr, Stadtwerke und Wegebau. Ebenso engagiert er sich auch in diversen Vereinen und in der Kirche.

In die Lokalpolitik ist Fröndenbergs nächster Ordensträger einfach so hineingerutscht

Friedrich Frens (r.) hat das politische Geschehen immer mit kritischem Blick verfolgt – hier mit Herbert Ziegenbein (Mitte) und Harald Wiehage im Oktober 1989 im Ratssaal. © Archiv

Der Schlosser wollte sich ein Haus in Fröndenberg bauen

Dabei ist er eigentlich durch einen Zufall in der Lokalpolitik gelandet. Zunächst dachte der damals in Fröndenberg beschäftigte Schlosser, nämlich an sich selbst. Ein Haus wollte er bauen. Das Haus in der Straße Birkei in Bausenhagen war damals ein Politikum. Heute ist alles bebaut, aber damals war er der zweite Bauherr in der Ecke und die Stadt sah für diesen Bereich keine Bebauung vor. Doch Frens ließ nicht locker, ging Klinken putzen in der Politik. Nachdem er dann alle kannte – und auch überzeugen konnte – stellte die Politik eine Forderung: So gut wie er auf einmal mitten drin war in den Strukturen, konnte Frens doch gleich mithelfen, Politik zu machen. Gesagt, getan, seit 1968 ist er aktiv dabei.

So gehörte Friedrich Frens als Mitglied der CDU, der er 1968 beitrat, von 1975 bis 2009 dem Rat an. Von 1975 bis 1980 war er ordentliches Mitglied im Feuerwehrausschuss, Schulausschuss und Wegebauausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Sozialausschuss. Ebenso war er von 1979 bis 1989 stellvertretendes Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss. Direkt im Anschluss daran gehörte Frens von 1989 bis 2009 als ordentliches Mitglied dem Haupt- und Finanzausschuss an. Von 2004 bis 2009 war er ordentliches Mitglied im Bau- und Verkehrsausschuss und im Sozialausschuss.

Das offizielle Ordensverfahren läuft über die Bezirksregierung in Arnsberg sowie die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Es wird eingeleitet, wenn eine Bürgerin oder ein Bürger für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. Zunächst gilt es in dem Verfahren nähere Informationen über die ehrenamtlichen Tätigkeiten von der potenziellen Ordensträger einzuholen. Dazu werden die in der Ordensanregung benannten Personen um eine entsprechende Stellungnahme gebeten. Darin sollte jede kontaktierte Person möglichst ausführlich auf die besonderen Verdienste eingehen. Bei Friedrich Frens waren sein Schützenverein, die Lokalpolitik, die Kirchengemeinde und auch die Feuerwehr gefragt.

Im Aufsichtsrat der Stadtwerke war Frens ebenso aktiv

Dem Aufsichtsrat der Stadtwerke sowie dem Aufsichtsrat der KommunalService Wickede-Fröndenberg AöR gehörte er ebenso an. Nach Ende seiner politischen Tätigkeit ist Friedrich Frens auch heute noch sachkundiger Bürger im Bauausschuss. Er weiß genau, wie schwer es ist, Beruf und ein Amt in der Lokalpolitik zu verbinden, bereut aber nichts. „Es war eine bewegte Zeit.“

Seit 1952 ist Frens auch Mitglied im Schützenverein Kirchspiel Bausenhagen und er war im Jahr 1956 Schützenkönig. Im Vorstand des Schützenvereins ist er seit 1967 aktiv. Dabei hat er junge Schützenbrüder für die Vorstandsarbeit begeistert und ihre Anregungen und Vorschläge akzeptiert und im Gesamtvorstand vertreten. Friedrich Frens war und ist auch heute noch der ruhende Pohl bei schwierigen Entscheidungen und hitzigen Debatten.

Renovierung der Kirche

Bei der Renovierung der Katholischen Kirche der Pfarrei St. Agnes Bausenhagen und dem Neubau des Pfarrheims war er Ansprechpartner und hat sowohl das Treppengeländer für das Pfarrheim als auch die Halterung für das „ewige Licht“ selbst geschmiedet.

Auch innerhalb der Feuerwehr war Friedrich Frens aktiv. Dort trat er 1964 bei und wurde 1974 stellvertretender Löschgruppenführer der Löschgruppe Bausenhagen. Das Ehrenzeichen in Silber für seine 25-jährige Mitgliedschaft erhielt er 1989 und 1996 wurde er aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr verabschiedet. In seiner aktiven Zeit bei der Feuerwehr hat Friedrich Frens eine Karriere vom Feuerwehrmann bis zum Oberbrandmeister absolviert.

All diese Punkte waren Bestandteil der Feier am Dienstag, die Friedrich Frens sehr bewegte. Ginge es nach ihm, bräuchte man sein Engagement gar nicht an die große Glocke zu hängen, sagt der bescheidene 83-jährige, der sich nach den nächsten Kommunalwahlen dann auch als sachkundiger Bürger zurückziehen möchte.

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