Imker Johannes Lippert hilft der Natur am Henrichsknübel

dzNaturschutz in Fröndenberg

Das ist weit weg von Kleingarten-Mentalität: Johannes Lippert „bewirtschaftet“ eine Ökozelle auf der Hohenheide.

01.12.2018, 18:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon äußerlich erinnert Johannes Lippert eher einem Förster als einem Gärtner. Die signalrote Jacke und die Funktionshose sind aus einem Spezialstoff, der zerfasert, wenn eine Kettensäge ihm zu nahe kommt. „Ja, sägen ist gerade meine Hauptarbeit hier“, lacht Lippert unter seinem dichten, dunklen Vollbart.

„Seine“ Ökozelle ist ein Fleckchen Natur unterhalb des Henrichsknübels, eingebettet in landwirtschaftlich genutzte Flächen, also Äcker und Weiden. Rundum von Wallhecken umgeben gibt’s hier eine sumpfige Streuobstwiese und ein kleines Mischwäldchen. Sonst nichts. „Sonst nichts?“, lacht Lippert: „Das ist ein Paradies für Flora und Fauna. Man bezeichnet solch eine Fläche als Trittstelle, Tiere und Pflanzen können sich hier in naturbelassener Vielfalt ansiedeln, die es sonst hier nicht mehr gäbe“.

Mit dem Bauern, der das Land zwischen Rammbach und Karrenweg bewirtschaftet, versteht sich Lippert bestens: „Da ist ja kein Vorwurf an ihn, der Landwirt braucht möglichst große Flächen, die alle gleich aussehen und nicht von Bäumen oder Hecken durchbrochen sind.“ Dann lohnt sich der Einsatz größerer Maschinen, die Landwirtschaft wird wirtschaftlich. Und die funktionierende Landwirtschaft ist für den Naturhaushalt wichtig, ganz abgesehen von den erzeugten Produkten.

Viele heimische Tiere brauchen aber dichtes Gebüsch oder totes Holz oder sumpfige Wiesen, Kräuter, Hecken – eben all‘ das, was den Landwirt stören würde. Es gibt viele Landwirte, die wissen um ihre Rolle und legen Hecken oder Gehölze an oder lassen Feldraine zum Beispiel brach liegen. Manchmal aber ist das nicht möglich.

Dann versucht der Kreis Unna zusammen mit der Naturfördergesellschaft solche Ökozellen zu kaufen. Aber auch solch eine naturbelassene Zelle muss beaufsichtigt werden, sonst ist das schnell auch eine Monokultur.

Wenn Johannes Lippert nicht die Obstbäume beschneiden würden, würden sie immer weniger blühen und tragen, beim Sturm umknicken oder sonst wie eingehen. Aus dem schönen Mischwald mit Eichen und Buchen würde ein reiner Buchenwald – der ist auch schön, aber nicht im Sinne der Vielfalt.

Jetzt kommen Idealisten wie Johannes Lippert ins Spiel. Der Frömeraner, Vater von vier Kindern und Elektroingenieur-Dozent bei der Kreishandwerkskammer, hätte mit seinem eigentlichen Hobby, der Imkerei schon genug zu tun und würde schon seinen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz mit seinen Bienenvölkern leisten.

„Imker bin ich seit zwölf Jahren, vor fünf Jahren habe ich hier am Henrichsknübel mit der Erlaubnis der Besitzer damals meine Bienenstöcke aufgestellt und bin so dann nach dem Besitzerwechsel zum Nabu sozusagen zum Hausmeister hier geworden“, erzählt Lippert. Der 40-Jährige gehört zum Imkerverein Bausenhagen, kennt sich also in der Region bestens aus und fand den Standort in der Hanglage im Schatten der Windräder für seine Bienen ideal. „Dann habe ich mich verhaften lassen und pflege jetzt diesen Grund und Boden so, dass er nachhaltig naturbelassen bleibt“.

Den Grasschnitt auf der Streuobstwiese besorgt von Zeit zu Zeit Bauer Eckey, alles andere ist Lipperts Job.

Zurzeit ist er damit beschäftigt junge Bäume, die unter der dichten Kronen ihrer erwachsenen Nachbarn keine Chance hätten, zum Wiederaustrieb auf den Stock zu setzen. So ähnlich wie bei den Kopfweiden. Manchmal gelingt es, es entwickelt sich buschiges Unterholz, manchmal kommt ihm aber auch dankbares Rehwild zuvor und „schält“ die Rinde ab. Dann lässt Lippert das Stämmchen als Totholz stehen, „das ist für viele Insekten immer noch wertvoll“.

Was an Bäumen gefällt werden muss, bleibt in Form von Knüppelhaufen liegen. Nur wenig wandert in einen Kamin. Auch diese kleinen Holzhügel sind wertvoller Lebens- und Rückzugraum.

Die Hecken rundherum sind weitgehend „auf den Stock gesetzt“ und können jetzt wieder neu ausschlagen, also dichter werden. Schlehen sind darunter, Hagebutte, Hartriegel, Weißdorn. Das ist sozusagen nachwachsendes Vogelfutter. Johannes Lippert mag das alleine werkeln, nur beim Sägen und Bäumefällen muss eine zweite Person dabei sein, aus Sicherheitsgründen. Dabei steht Lippert gern Rede und Antwort und kann wundervoll erklären, was in „seiner“ Ökozelle so alles passiert. Den Drahtzaun und die Reste des Eisentores will er noch abbauen, das stört ihn, da braucht er tatkräftige Hilfe.

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