In der Zeit des Lockdowns durften Hotels wie die „Ruhrbrücke“ – im Bild Kellnerin Kathleen Dramm – auch kein Frühstück servieren. Stattdessen gab es Lunchpakete für die Geschäftsreisenden, die im Gegensatz zu Touristen weiter übernachten durften. © Archiv/Marcus Land
Corona-Pandemie

Im Frühjahr vor Corona – als Gäste 8000 sorgenlose Nächte in Fröndenberg verbrachten

Hotels und Gaststätten haben unter dem Lockdown wegen Corona besonders gelitten. Wie stark gerade die Schließung von Hotelzimmern im Frühjahr ins Kontor schlägt, zeigt das Beispiel Fröndenberg.

Selbst Hotelbesitzer in Fröndenberg müssen etwas lächeln, wenn von „Touristen“ in der Stadt die Rede ist. Zu wenig noch hat die Ruhrstadt in dieser Hinsicht ein eigenes Profil entwickelt. Dennoch sind touristische Gäste ein wichtiges Zubrot für die Beherbergungsbetriebe.

»Viele unternehmen von Fröndenberg aus Sternfahrten mit dem Rad.«

Eicken Schneidersmann, Hotel Ruhrbrücke

Wer in Fröndenberg gewerbsmäßig Zimmer vermietet, empfängt hauptsächlich Handwerker auf Montage, Handelsvertreter oder Messe- und Stadionbesucher mit Ziel Dortmund. Sicherlich auch dank guter Anbindung über Auto- und Eisenbahn.

Mehr als 5000 Gäste im Frühjahr 2019

Ob das Hotel Ruhrbrücke, das Neue Hotel am Park, der Gasthof Hölzer oder das Landhaus Püttmann – sie alle begrüßen aber Saison für Saison auch Touristen, die auf dem Ruhrtalradweg unterwegs sind.

„Viele unternehmen von Fröndenberg aus Sternfahrten“, hat zum Beispiel Eicken Schneidersmann vom Hotel Ruhrbrücke, das unmittelbar am Radweg liegt, beobachtet. Dafür bleiben die Gäste dann gern ein oder auch mal zwei Nächte vor allem an den Wochenenden. Für die Hotelchefinnen eine willkommene Ergänzung zu den werktäglichen Buchungen der Geschäftsreisenden.

Im Frühjahr 2019, exakt zwischen Januar und Mai, zählten allein die Fröndenberger Betriebe mit mehr als zehn Betten genau 8066 Übernachtungen. 5155 Gäste sorgten für diesen – vergleichsweise – regen Betrieb. Sogar 548 Gäste aus dem Ausland waren darunter.

Blickt man auf die Gesamtzahl der Gäste im Jahr 2019 von 11.224 – bei 16.191 Übernachtungen, wird deutlich, dass das Frühjahrsgeschäft praktisch die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Weil kleinere Betriebe wie Ferienhäuser oder Bed and Breakfast statistisch nicht erfasst werden, wird die Gesamtzahl sogar noch etwas höher liegen.

In die in Fröndenberg offenbar starke Frühjahrssaison brach nun der Lockdown ein: Seit dem 17. März waren in NRW touristische Beherbergungen vorläufig ganz untersagt und Übernachtungen aus dienstlichen Gründen an strenge Auflagen geknüpft.

Im Mai erst wieder 368 Reisende

Das verheerende Ergebnis hat Information und Technik NRW jetzt veröffentlicht: Von Januar bis Mai 2020 kamen gerade noch 1777 Gäste in die Stadt – ein einschneidender Rückgang von 65,5 Prozent. Gezählt wurden gerade noch 2553 Übernachtungen in den Hotels – minus 68,3 Prozent.

Die Öffnung der Beherbergungsbetriebe für touristische Gäste seit dem 18. Mai konnte eine Trendwende naturgemäß noch nicht bringen: Nur ein gutes Drittel der Vorjahreszahl wurde erreicht. Erst 386 Reisende buchten im Wonnemonat des Jahres 2020 wieder ein Zimmer an der Ruhr.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
Zur Autorenseite
Marcus Land
Lesen Sie jetzt