Die GWA möchte im Fröndenberger Norden eine der größten Solaranlagen im Bundesland installieren. © picture-alliance/ dpa
Klimawandel

Im Fröndenberger Norden soll eine Solaranlage so groß wie 20 Fußballfelder entstehen

Die GWA hat große Pläne und möchte einen Schritt in Richtung Klimawende unternehmen. Sie möchte im Fröndenberger Norden eine der größten Solaranlagen NRWs bauen.

In einer Zeit, in der Corona den Klimaschutz mehr oder weniger in den Schatten zurückgedrängt hat, möchte die Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft des Kreises Unna (GWA) ein Zeichen setzen. Sie möchte das Gelände der stillgelegten Zentralenergie Fröndenberg-Ostbüren nutzen, um eine Photovoltaikanlage zu errichten. Die könnte zu einer der größten in ganz Nordrhein-Westfalen werden.

Die Signalwirkung, die mit diesem Vorhaben einhergeht, ist auch der Stadt nicht verborgen geblieben. Der Rat begrüßt die Pläne der GWA einstimmig als wichtigen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien im Rahmen von Klimaschutz und Energiewende.

Genug Strom für 3600 Haushalte

Fröndenberg hat sich im September 2019 der Eindämmung der Klimakrise angenommen. Seitdem ist „noch nicht genug passiert“, sagt Bernd Molitor vom Verein Renergie. „Da passiert alles sehr schleppend, auch weil Corona eine Menge verdrängt hat.“ Umso mehr begrüßt der Verein nun die Bemühungen von GWA.

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Das Ende der Zentraldeponie

  • Die Zentraldeponie Fröndenberg-Ostbüren wurde zwischen Mitte der 1970er Jahre bis 1997 von der AGR – Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhrgebiet mbH betrieben.
  • Die Anzeige der Stilllegung der Deponie erfolgte am 24.06.1997 bei der Bezirksregierung Arnsberg. Die endgültige Stilllegung sowie die Überführung der Deponie in die Nachsorgephase erfolgte durch einen Antrag der AGR von Ende 2015.
  • Die Rechte gingen an den Kreis Unna über, der die GWA 2016 auf Antrag der Bezirksregierung zum Genehmigungs- und Betreiberinhaber erklärte.
  • Der Kreis Unna und die GWA haben es sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende mitzugestalten, früh Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen und den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.

Eine Fläche von 14 Hektar möchte die GWA für die neue Photovoltaikanlage nutzen. Die könnte eine elektrische Leistung von bis zu 16,5 Megawatt produzieren und jährlich mehr als 14,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Umgerechnet entspricht das dem Strombedarf von rund 3600 3-Personen-Haushalten.

„Das könnte die größte, zumindest aber eine der größten Anlagen werden, die derzeit in NRW stehen“, schätzt Molitor. Entsprechend groß sei auch die Signalwirkung, die mit dem Bau einhergehe. Immerhin sei NRW noch eines der am schlechtesten aufgestellten Bundesländer.

Netz in Fröndenberg muss besser ausgebaut werden

Molitor erinnert daran, dass die Energiewende nicht die alleinige Angelegenheit der Länder sei, sondern auch die der Kommunen. Grundsätzlich stehe Fröndenberg in seinen Bemühungen im Vergleich zu anderen Kommunen nicht schlechter da. „Dennoch gibt es in Fröndenberg noch immer weiße Flecken, wo Solaranlagen nicht angeschlossen werden können, weil das Netz nicht gut genug ausgebaut ist. Das gefällt uns natürlich nicht so gut.“

Der Verein versuche immer wieder, seinen Finger in diese Wunde zu legen, um den Fortschritt voranzutreiben. Dass es gerade aufgrund von Fröndenbergs weitläufiger Fläche schwieriger sei als in kompakten Städten, sei ein Stück weit nachvollziehbar, dennoch: „Wir wollen erneut fragen, wann diese Ertüchtigung des Netzes stattfindet, damit irgendwann jeder Bürger eine Anlage anschließen kann, wenn er das auch möchte.“

Einen Stolperstein bringt der Antrag mit

Grundsätzlich seien Solaranlagen in Fröndenberg zu begrüßen, da sie auf den Dächern keine Flächen versiegeln und das Netz dezentral entlasten können. „Weil der Strom da erzeugt wird, wo er gebraucht wird.“ Schwierig wird es erst dann, wenn eben dort zu viel Strom produziert wird und das Netz überlastet werden könnte. Mitunter deshalb müssten die Stadtwerke auch hin und wieder ein Veto einlegen, wie Molitor erklärt.

Durch die Zunahme der Elektroautos „stelle sich aber eine andere Frage der Netzbelastung“. Wenn zehn Autos in einem Wohngebiet angeschlossen werden, könnte das Netz vielleicht nicht genügend Strom produzieren. „Da wäre es dann gut, Photovoltaikanlagen zu haben.“

Eine große Solaranlage auf dem ehemaligen Gelände der Zentraldeponie könnte der Stadt also helfen, einen großen Schritt in Richtung erneuerbarer Energie und Klimawende zu tun. Nur ein kleiner Stolperstein bleibt: Der Antrag der GWA steht im Widerspruch zum Flächennutzungsplan. Der sah vor, dass ehemalige Deponiegelände als Fläche für Wald und Landwirtschaft auszuweisen. In diesem Zuge muss nun die Bezirksregierung Arnsberg klären, ob der wirksame Flächennutzungsplan angepasst werden muss.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede
Jahrgang 1995, aufgewachsen am Rande Mendens mit mehr Feldern als Häusern drumherum. Zum Studieren nach Köln gezogen, 2016 aber aus Sehnsucht ins Sauerland zurückgekehrt. Hat in der Grundschule ihre Liebe ans Schreiben verloren und ist stets auf der Suche nach spannenden Geschichten.
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Lisa Dröttboom
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