„Ich will“: Schweigen um CDU-Kandidaten für Bürgermeisterwahl gebrochen

dzWahl 2020

Verschlossenheit ist bei Parteien üblich, wenn es um wichtige Fragen wie die Bürgermeisterkandidatur geht. Da macht auch die CDU keine Ausnahme. Nur einer sagt klar: „Ich will Bürgermeister werden.“

Fröndenberg

, 12.09.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Oliver Lauschner übt sich in Zurückhaltung. Es sei vieles denkbar, sagt der CDU-Vorsitzende auf die Frage nach der Bürgermeisterkandidatur. Auch, dass er ins Rennen geht? „Es ist vieles denkbar“, wiederholt er zurückhaltend – und verweist darauf, dass noch ein Jahr Zeit sei bis zur Wahl. Die hat NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in dieser Woche auf den 13. September 2020 terminiert.

CDU-Parteivorstand diskutiert vier Namen

Und natürlich: Wer verschlossen ist, greift auch schonmal auf Halbwahrheiten zurück. Es sei noch nichts konkret, sagt Lauschner. Die ganze Wahrheit ist: Es liegen vier Namen auf dem Tisch; zwei davon allerdings wohl eher aus Verlegenheit. Und schon in Kürze soll im Parteivorstand eine Vorentscheidung fallen, die noch in diesem Jahr von den Mitgliedern formal bestätigt werden soll.

Als Parteichef hat Lauschner Erstzugriffsrecht

Der des Stadtverbandschefs ist einer dieser vier Namen. Klar, es gehört zu den parteipolitischen Gepflogenheiten, dass der Parteichef ein Erstzugriffsrecht hat. Das ist bei der B-Frage im Kleinen genauso wie bei der K-Frage im Großen. Lauschner ist seit anderthalb Jahren CDU-Chef in Fröndenberg und bringt als Beamter bei der Landwirtschaftskammer NRW auch die berufliche Qualifikation mit, die natürlich keineswegs Voraussetzung ist für die Bürgermeisterkandidatur. Politisch ist er allerdings eher unerfahren: „Nur“ als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt, kein Mandat für den Stadtrat – dafür aber seit 2014 Kreistagsmitglied und dort immerhin familienpolitischer Sprecher der CDU, tritt als solcher allerdings kaum in Erscheinung. Wie übrigens die meisten Kreistagsmitglieder unter dem Regiment ihres Fraktionschefs Wilhelm Jasperneite.

„Ich will“: Schweigen um CDU-Kandidaten für Bürgermeisterwahl gebrochen

Olaf Lauschner ist seit Anfang 2018 CDU-Vorsitzender. Zu seinen eigenen Ambitionen zur Bürgermeisterwahl hält er sich bedeckt: „Es ist vieles denkbar.“ © Udo Hennes / Archiv

Wesentlich mehr Erfahrung bringt Gerd Greczka mit. Nicht allein, weil er lange Stadtverbandschef war und seit zwölf Jahren CDU-Fürst im Fröndenberger Stadtrat ist. Er war auch schonmal Bürgermeisterkandidat, verlor 2009 allerdings sang- und klanglos gegen SPD-Mitbewerber Friedrich-Wilhelm Rebbe, der das Amt seitdem innehat. Er soll auch 2014 interessiert gewesen sein, da verlor die CDU aber mit dem damaligen Beigeordneten Jürgen Focke als Gemeinschaftskandidat von Union und FDP gegen SPD-Mann Rebbe.

Greczka wohl eher aus Verlegenheit gehandelt

Greczka darf mit Fug und Recht als politisches Schwergewicht bezeichnet werden; und einen Mann seines Formats lässt man bei so einer wichtigen Frage wie der Bürgermeisterkandidatur natürlich nicht außen vor. Auch das gehört zu den parteipolitischen Gepflogenheiten. Nur: Der diplomierte Sozialarbeiter, der seit 1990 CDU-Mitglied ist, ist eben auch schon 63. Sein Name wird hinter vorgehaltener Hand wohl auch eher aus Verlegenheit in Anerkennung seiner Verdienste gehandelt.

„Ich will“: Schweigen um CDU-Kandidaten für Bürgermeisterwahl gebrochen

Ein Bild aus 2009: Als Bürgermeisterkandidat erhielt Gerd Greczka damals 29,3 Prozent der Stimmen. Greczka ist in Fröndenberg durchaus ein politisches Schwergewicht – aber mit 63 Jahren eben auch schon ein Mann der älteren Generation. © Behrend / Archiv

Gleiches dürfte für Undine Heidenreich gelten, die mit ihrer Wahl zur ersten Stellvertreterin Greczkas in dieser Woche plötzlich auf die Vorderbank gerückt ist; um sich möglicherweise schon für die Bürgermeisterkandidatur in Stellung zu bringen? Sie arbeitet bei der Stadt Iserlohn, ist also verwaltungserfahren. Sie ist seit 2006 Parteimitglied, seit 2013 als Nachrückerin Mitglied des Stadtrates und auch im Parteivorstand aktiv. Allerdings ist auch sie schon 60 Jahre alt.

„Ich bin bereit, Bürgermeister der Stadt Fröndenberg zu werden.“ Oliver Funke (32)

Einer, der mit seinen Ambitionen nicht hinterm Berg hält, ist Oliver Funke. „Ich bin bereit, Bürgermeister der Stadt Fröndenberg zu werden“, sagte der 32-Jährige dieser Redaktion. Sicher, er ist jung, trägt als Partei-Vize beziehungsweise Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion aber ein hohes Maß an Verantwortung, hat den Vorsitz im Sportausschuss inne und ist unter anderem Mitglied des Hauptausschusses. Damit ist dieser Mann, der seit 2004 CDU-Mitglied ist, politisch alles andere als grün hinter den Ohren – und bringt als Verwaltungsfachangestellter noch dazu die berufliche Kenne mit. Er dürfte durchaus Chancen haben; jedenfalls dann, wenn der Parteichef verzichtet.

„Ich will“: Schweigen um CDU-Kandidaten für Bürgermeisterwahl gebrochen

Oliver Funke in seiner Eigenschaft als Sportausschussvorsitzender: Der 32-Jährige Verwaltungsfachangestellte geht offen mit seinen Ambitionen um. © Hennes / Archiv

Dem Vernehmen nach wird der Parteivorstand die Kandidatenfrage in seiner Sitzung Anfang Oktober beraten – wohl mit dem Ziel, sich bestenfalls schon auf einen gemeinsamen Vorschlag festzulegen. Denn schon Ende Oktober, Anfang November sollen die Mitglieder nach Informationen dieser Redaktion den Bürgermeisterkandidaten der CDU nominieren.

„Ich will“: Schweigen um CDU-Kandidaten für Bürgermeisterwahl gebrochen

Dirk Sodenkamp (links), hier als Moderator eines Strategieseminars der Holzwickeder CDU, hat dem Vernehmen nach kein Interesse an der Bürgermeisterkandidatur. © Greis / Archiv

Übrigens: Dabei wird einer wohl keine Rolle spielen, mit dem in Fröndenberg gleichwohl viele rechnen. Dirk Sodenkamp, einst Hoffnungsträger der CDU in Fröndenberg und als solcher 2004 unterlegener CDU-Bürgermeisterkandidat gegen den damaligen Amtsinhaber Egon Krause. Infolge einer Affäre um eine gefälschte Magister-Urkunde trat er 2007 jedoch von allen Ämtern zurück. Inzwischen gilt er als rehabilitiert, ist sachkundiger Bürger, seit 2018 wieder im Partei- und seit dieser Woche auch wieder im Fraktionsvorstand.

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