Nurdan Civ ist Inhaberin von „Haarstudio Doris“, das ihre Vorgängerin Dorata Gebauer lange im Stift geführt hat. Elf Wochen wird sie Ende Februar wegen des Lockdowns geschlossen haben – entsprechend voll ist bereits der Terminplan für März. © Udo Hennes
Warten auf Überbrückungshilfe 3

„Ich kann nicht mehr“: Fröndenbergerin steckt 15.000 Euro Erspartes in ihren Friseursalon

Friseursalons sind seit dem 16. Dezember geschlossen. Die laufenden Kosten aus bald zehn Wochen gehen bei Nurdan Civ an die Substanz. Nun fürchtet sie, dass sie auf die Überbrückungshilfe 3 noch lange warten muss.

Die Überbrückungshilfe 3 kann erst seit wenigen Tagen von selbstständigen Gewerbetreibenden und Unternehmen beantragt werden. Nurdan Civ aus Fröndenberg betreibt zwei Friseursalons, muss laufende Kosten seit mehr als zwei Monaten selber stemmen.

»Ich weiß nicht, was ich bekomme.«

Nurdan Civ

Da ist die Miete für ihre beiden Salons in Fröndenberg und in Wickede. Alle Nebenkosten wie Strom, Telefon und Versicherungen laufen weiter. Weil an den letzten Öffnungstagen vor dem Lockdown im Dezember noch fleißig Kunden bedient worden waren, schlägt die Steuer kräftig zu.

Weil ihre Angestellten zum 15. Dezember gearbeitet haben, erzählt Nurdan Civ, hat sie auch noch volle Löhne ausbezahlt; von der Arbeitsagentur für fünf Kräfte aber insgesamt nur rund 1100 Euro zurückbekommen.

Es geht an die Substanz: Nurdan Civ hat bald 15.000 Euro in ihre beiden Salons in Fröndenberg und Wickede gesteckt, ohne seit Mitte Dezember auch nur einen Cent verdient zu haben. © Udo Hennes © Udo Hennes

Seit zehn Wochen muss sie trotz Kurzarbeit als Arbeitgeberin auch einen Teil der Sozialversicherung ihrer Beschäftigten übernehmen. Im Januar ist dann die Nachzahlung für Strom und Gas fällig gewesen, zählt die Geschäftsfrau weiter auf, für das Geschäftsauto zudem die Jahresversicherung.

Für weitere Forderungen um Aufschub gebeten

Auf gut 15.000 Euro kommt sie, die sie bereits aus ihrem Privatvermögen in den seit Wochen brach liegenden Betrieb gesteckt hat, ohne in der Zeit einen einzigen Cent verdient zu haben. Weitere Forderungen seien noch offen, für die sie um Aufschub bitten musste. „Ich kann nicht mehr“, sagt sie.

Auf die versprochenen Überbrückungshilfe 3 des Staates hätten alle händeringend gewartet. Jetzt endlich könne man Antragsformulare ausfüllen. Ein Steuerberater kümmert sich, was ohnehin verlangt wird. Aber Nurdan Civ gibt mit Blick auf das bürokratische Papier auch zu: „Bei den Anträgen verstehe ich nur Bahnhof.“

»Bei den Anträgen verstehe ich nur Bahnhof.«

Nurdan Civ

Quoten von 40 über 70 bis zu 90 Prozent von erstattungsfähigen Kosten solle es wohl geben. Ihre Ungewissheit ist groß. „Ich weiß nicht, was ich bekomme.“

Natürlich freue sie sich, ihren Friseursalon schon am 1. März wieder öffnen zu dürfen, anders als viele andere Geschäfte. „Es sind ja nicht nur wir – mir tun alle leid“, sagt sie mitfühlend. Ende gut, alles gut aber zumindest für die Friseure?

Ansturm auf Friseure wird nachlassen

Nicht ganz. Es werde zwar in den ersten Wochen einen Ansturm geben; der aber wohl auch stark nachlassen könnte, befürchtet Civ. „Die Leute haben keine Anlässe, zum Friseur zu kommen“, schaut sie auf all die ausfallenden Festivitäten.

Wird Ostern groß gefeiert werden können? Nurdan Civ weiß es nicht. Sie ist sich nach der bisher schlechten Erfahrung aber fast sicher, dass sie noch lange auf die Auszahlung der Überbrückungshilfe wird warten müssen: „Das kann Mai werden.“

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
Zur Autorenseite
Marcus Land
Lesen Sie jetzt