Honsel ist eines der großen Traditionsunternehmen in Fröndenberg. Der Automobilzulieferer festigt nach Investitionen von 9 Millionen Euro seinen Standort. Trotz weltweiter Krisenzeichen ist das Unternehmen optimistisch.

Fröndenberg

, 15.08.2019, 17:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Honsel hat mit dem Neubau für seine Verwaltung 9 Millionen Euro innerhalb der vergangenen drei Jahre an seinem Stammsitz in Fröndenberg investiert.

Der Blick in die Zukunft fällt bei dem Spezialisten für Umformtechnik trotz erster Zeichen für eine Rezession optimistisch aus. Das liegt nicht zuletzt an Innovationen, die aus der eigenen Entwicklungsabteilung stammen.

Honsel investiert in Fröndenberg 9 Millionen Euro und ist weiter auf Wachstumskurs

Richtfest feierte Honsel jetzt für sein Bürogebäude, das um zwei Geschosse aufgestockt worden ist. © Marcel Drawe

Wo gebaut wird, ist Zukunft. Und im Industriegebiet in Westick wurde in den vergangenen Jahren viel gebaut. Der Bauherr hieß meistens: Honsel Umformtechnik.

„Wir sind tatsächlich gut gewachsen“, sagt Tim Siepmann, „und wir sehen auch weiteres Wachstum“, ergänzt der zweite Geschäftsführer neben Thomas Tschorn. Erst 2014 weihte das Unternehmen eine große Logistikhalle ein, letztes Jahr folgte bereits ein weiterer Hallenneubau. „Wir haben damit jetzt ein Hallenschiff frei, um unsere Fertigung auszubauen“, so Siepmann.

Honsel investiert in Fröndenberg 9 Millionen Euro und ist weiter auf Wachstumskurs

Blindnieten oder Blindnietmuttern, Bolzen oder Hülsen – die Endkontrolle im Logistikzentrum ist für eine qualitätvolle Belieferung der Kunden unerlässlich. Geschäftsführer Tim Siepmann ist zuversichtlich, Honsel durch innovative Entwicklungen neue Märkte zu erschließen. © Marcel Drawe

Verbindungselemente sind das Metier von Honsel. Als Spezialist für Blindnietmuttern in unzähligen Variationen hat sich Honsel international einen Namen gemacht. Die kleinen Metallteile werden praktisch immer im Gehäusebau verwendet, wenn in dünnwandige Materialien ein Gewinde befestigt werden soll.

Zur Sache

400 Mitarbeiter in Deutschland, Frankreich, China

  • Mit der Produktion von Töpfen und Pfannen aus Aluminium fing Alfred Honsel 1930 in Westick an. Die damals schon verwendeten Nieten, mit denen die Henkel und Griffe befestigt waren, sind praktisch die Keimzelle für das heute weltweit agierende Unternehmen.
  • Rund 400 Mitarbeiter beschäftigt Honsel heute, allein 230 davon am Stammsitz in Fröndenberg. In Neumünster, wo das Handelsgeschäft abgewickelt wird, sind es noch einmal 70 Beschäftigte, in der chinesischen 6,5-Millionen-Einwohner-Metropole Wuxi circa 80 und im ostfranzösischen Frasne rund 20 Mitarbeiter.
  • Honsel produziert in Fröndenberg jährlich mehr als eine Milliarde Teile.
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Honsel ist zwar als bedeutender Automobilzulieferer bekannt, beliefert praktisch alle großen Marken von VW über Mercedes-Benz, Porsche und BMW bis Peugeot. Aber auch die Industrie mit so bekannten Namen wie Bosch, Miele, Siemens oder der US-Industriegigant Honeywell (Luft- und Raumfahrt, Haustechnik, Klimageräte) und vor allem viele mittelständische Zuliefererbetriebe gehören zum großen Kundenstamm von Honsel.

Honsel investiert in Fröndenberg 9 Millionen Euro und ist weiter auf Wachstumskurs

Neben der Produktion wird auch die Entwicklung von Innovationen am Stammsitz von Honsel Umformtechnik in Fröndenberg vorangetrieben. Geschäftsführer Tim Siepmann sieht die Nähe des Unternehmens zu den Hochschulstandorten im Ruhrgebiet daher als großes Plus. © Marcel Drawe

Ein Rezept bei Honsel, um erfolgreich in die Zukunft zu gehen, ist die Erweiterung der Produktpalette. „Das ermöglicht uns neue Zugänge in den Industriemarkt und macht uns ein wenig unabhängiger vom Automobilmarkt“, erklärt Tim Siepmann.

Die Neuentwicklung von Gewindeeinsätzen für den Leichtbau, der heute schon zu den Schlüsseltechnologien zählt, ist so ein Beispiel – und ist den Ingenieuren und Technikern ebenfalls am Standort Fröndenberg gelungen.

Natürlich reagiere man damit auch auf die internationalen politischen Entwicklungen, die sich derzeit überschlagen, vom Brexit bis zum Handelskrieg zwischen den USA und China.

»Wir planen weiterhin Wachstum, auch wenn wir zwischendurch ein Jahr auf die Bremse treten.«
Tim Siepmann, kaufmännischer Geschäftsführer von Honsel

Zwar breche der chinesische Markt, der größte Pkw-Markt der Welt, zurzeit am stärksten ein. Doch hier sei Honsel auch nur zu einem „überschaubaren Anteil“ engagiert. „Wir empfinden es nicht so drastisch, wie es in der Zeitung steht“, macht Siepmann auch klar, dass man es mit den eigenen Innovationen auch ein Stück weit selbst in der Hand hat, sich als Unternehmen krisenfest aufzustellen.

Daher werde nicht nur in Fröndenberg, sondern auch am Standort Neumünster investiert, wo 70 Mitarbeiter das Handelsgeschäft abwickeln.

Honsel investiert in Fröndenberg 9 Millionen Euro und ist weiter auf Wachstumskurs

Was Honsel Umformtechnik als Rohmaterial geliefert erhält, wird in Fröndenberg zu unzähligen Kleinteilen, die im Gehäuse- und Apparatebau eingesetzt werden weiterverarbeitet. © Marcel Drawe

Trotzdem hat der Stammsitz Fröndenberg naturgemäß den dicksten Batzen abbekommen. In ziemlicher Geschwindigkeit sind in gerade acht Wochen zwei Geschosse für die kaufmännische Verwaltung auf einen Flachbau aufgesattelt worden. „Wir haben von außen über Gerüste aufgestockt, ohne den Betrieb zum Erliegen zu bringen“, erläutert Architekt Sebastian Gawron. Die Statik sei eine Herausforderung gewesen, denn das Eigengewicht der neuen Obergeschosse durfte nicht zu groß sein.

Der neue gläserne Aufzug als Symbol: es geht nach oben

Was die Statik des gesamten Unternehmens angeht, sieht Tim Siepmann Honsel Umformtechnik auf dem richtigen Kurs. Obwohl man derzeit beileibe keinen Rückenwind aus der Weltwirtschaft spüre, glaube man fest an den Markt, den man bedient.

Daran trage im Übrigen nicht zuletzt Fröndenberg als idealer Standort bei. Nicht nur die kurzen Wege der eigenen Zulieferer aus der stahlverarbeitenden und Drahtindustrie nach Fröndenberg kommen Honsel zugute, sondern auch das Ruhrgebiet als Fachkräftepool.

Honsel investiert in Fröndenberg 9 Millionen Euro und ist weiter auf Wachstumskurs

Ob Hülsen, Bolzen, Coils oder Blindnieten – Kaltumformung aus Draht ist bei Honsel die komplizierte Technik der Wahl, die man beherrscht. © Borys Sarad

„Wir haben aus dem Ruhrgebiet einen positiveren Zulauf als aus dem Sauerland“, sagt der Sauerländer Siepmann, der täglich über die Ruhr aus Menden ins Werk fährt. Daran erkenne man die gute Bildungsstruktur des Ruhrgebiets mit seinen vielen Hochschulen, von denen die künftigen Techniker und Ingenieure kommen.

Auch in die eigene Ausbildung investiere man viel, 17 Auszubildende sind bei Honsel unter Vertrag. Das Personal ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgestockt worden, 230 Beschäftigte arbeiten mittlerweile in Fröndenberg.

In schon weiteren acht Wochen soll nun der Erweiterungsbau fertig sein. Dann wird auch ein schicker gläserner Aufzug vor dem Verwaltungsgebäude stehen. Der scheint bei Honsel stets nach oben zu fahren.

„Wir planen weiterhin Wachstum“, kündigt Tim Siepmann an und bleibt als Kaufmann Realist: „Auch wenn wir zwischendurch ein Jahr auf die Bremse treten.“

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