Home-Office wird für viele Schüler und Lehrer der Gesamtschule zum Problem

dzDigitales Lernen

Im Home-Office lernen und arbeiten in der zweiten Woche Schüler und Lehrer der Gesamtschule Fröndenberg. Das funktioniert gut, solange man ein Notebook oder Laptop besitzt - das haben aber längst nicht alle Schüler.

Fröndenberg

, 25.03.2020, 11:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom „Digitalpakt Schule“ profitiert auch die Gesamtschule Fröndenberg bei der laufenden Modernisierung des Gebäudes. Im wegen Corona verordneten Home-Office der Schüler und Lehrer kommt es nun aber zum Schwur: Daheim haben gar nicht alle Schülerinnen und Schüler einen tauglichen Rechner.

Klaus de Vries

Klaus de Vries © Udo Hennes

„Es gibt natürlich auch Gebiete in Fröndenberg mit schwachem Internetempfang.“
Schulleiter Klaus de Vries über Probleme beim digitalen Arbeiten zuhause

Schulleiter Klaus de Vries hat Ende der vergangenen Woche eine Online-Umfrage gestartet: Wie kommen die Schüler mit dem Lernen im Kinderzimmer zurecht? Immerhin die Hälfte der rund 1200 Gesamtschüler meldete sich bis Dienstag zurück.

Grundsätzlich laufe es zwar „wunderbar“. „Eines macht mir aber Sorge“, sagt Klaus de Vries: Der technische Zugriff auf die Hausaufgaben, die die Lehrer ihren Schülern seit dem 16. März über das Windows-Programm „Teams“ zukommen lassen, ist mal besser und mal schlechter möglich.

Mehr als 100 Schüler ohne Tablet oder Laptop

Allein unter den bislang 600 Rückmeldungen befinden sich 110 Schülerinnen und Schüler, die den Unterrichtsstoff ausschließlich an ihrem Smartphone empfangen können. „Da ist die Bearbeitung natürlich schwierig“, sagt Klaus de Vries.

Von den übrigen Schulkindern, die an einem Computer oder I-Pad die gestellten Aufgaben lösen und ihren Lehrern ihre Resultate zusenden können, erhalte er ein durchweg positives Feedback.

Darunter befinden sich viele Schüler, die an der GSF in einer sogenannten I-Pad-Klasse angemeldet worden sind: Im Unterricht dieser Klassen wird auch schon ganz regulär digital gebüffelt.

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Mit dem Programm "Teams" können unterschiedliche Ordner für die verschiedenen Fächer eingerichtet werden. Den Abitur-22-Ordner haben die Beratungslehrer der angehenden Abiturienten angelegt.

Mit dem Programm "Teams" können unterschiedliche Ordner für die verschiedenen Fächer eingerichtet werden. Den Abitur-22-Ordner haben die Beratungslehrer der angehenden Abiturienten angelegt. © Freja Schuldt

„Die Arbeit mit Teams läuft super! Wir können direkt auf die Aufgaben zugreifen und im Chat Fragen an unsere Lehrer und Mitschüler stellen.“
Schülerin Freja Schuldt

„Die sind fein raus“, sagt Klaus de Vries - denn die Eltern der I-Pad-Schüler konnten sich die Finanzierung der Endgeräte leisten. Nicht so Eltern, die finanziell vielleicht schwächer gestellt sind.

Die augenblickliche Notsituation, zuhause lernen zu müssen, zeige jetzt eindrücklich, woran es noch fehlt: Das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes sieht „digitales Lernen“ für Bedürftige bisher gar nicht vor.

Politik muss beim Bildungs- und Teilhabepaket nachsteuern

„Da muss Politik unbedingt nachsteuern“, appelliert Klaus de Vries im Sinne fairer Bildungschancen. Es gibt allerdings an der GSF auch eine erfreuliche Tendenz: Von den 160 soeben angemeldeten künftigen Fünftklässlern sind über 100 von ihren Eltern in den I-Pad-Klassen angemeldet worden.

Drei von fünf Eingangsklassen ab dem Schuljahr 2020/21 dürften also voll digitalisiert arbeiten können. Das sei wieder ein Schub für die GSF. „So tragisch es auch für die anderen Schüler ist“, so de Vries.

Sehr gute Erfahrungen haben unterdessen Freja, Tarmi und Lauri Schuldt aus Frömern in den letzten Tagen mit dem Lernen im elterlichen Esszimmer in Frömern gemacht.

Zur SacheBetreuung in den Osterferien

  • Zurzeit muss kein einziger Schüler der Gesamtschule in den Räumlichkeiten der GSF betreut werden.
  • Noch nicht geklärt ist, wie die GSF eine Betreuung in den Osterferien sicherstellen könnte, falls dann Bedarf bestehen sollte. Hierzu soll es noch Gespräche mit dem Schulträger geben.
  • Es müsse dann auch sichergestellt sein, dass ein Hausmeister im Schulgebäude anwesend ist und dass die benötigten Räume gereinigt werden.

„Die Arbeit mit Teams läuft super! Wir können direkt auf die Aufgaben zugreifen und im Chat Fragen an unsere Lehrer und Mitschüler stellen“, schreibt Freja Schuldt an die Redaktion - natürlich per WhatsApp-Nachricht.

Keine Dienstgeräte für Lehrer - Problem beim Datenschutz

Die Lehrer tragen in einem Extra-Feld Abgabefristen ein, „so kann ich mir meinen eigenen Zeitplan erstellen“, erklärt Freja Schuldt. Die Arbeitsergebnisse lädt sie bei Teams hoch - die Lehrer korrigieren danach und erläutern bei Bedarf die Lösung.

Dienstgeräte gibt es nicht. Die Lehrer tun das durchweg an privaten Geräten. Klaus de Vries sieht dadurch auch den Datenschutz gefährdet. Die Landesregierung und die Schulträger stritten sich bis heute darüber, ob Land oder Kommune die Lehrer-Geräte bezahlen müssen.

Bei aller Kritik meisterten alle die Zwangslage aber gut. Es müsse auch kein Schüler Sorge haben, vom digitalen Unterricht abgenabelt zu sein. Klaus de Vries: „Da greifen wir auch zum Telefon.“

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