Holzpellets als Alternative zu Gas und Öl: Das sind die Vor- und Nachteile

dzKlimafreundlich heizen

Nach einer Beschwerde des Fröndenbergers Siegfried Grüning wird im Kreis über klimafreundliches Heizen gesprochen. Ein Unnaer schwört auf Holzpellets und hat Grüning zur Besichtigung seines Ofens eingeladen.

Fröndenberg

, 19.11.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der November präsentiert sich in diesen Tagen von seiner ungemütlichen Seite. Es ist nasskalt, die Heizungen laufen auf Hochtouren. Nicht jeder hat in Fröndenberg die Möglichkeit, so zu heizen, wie er möchte. Siegfried Grüning etwa, muss wie berichtet seine 30 Jahre alte Ölheizung austauschen. Er möchte nun auf Gas wechseln. Der Umwelt zu Liebe. Doch entsprechende Leitungen fehlen. Und für die Stadtwerke ist es zu teuer, das Gasnetz bis zu Grünings Haus in der Schlotstraße zu erweitern.

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Doch warum vom einen zum anderen fossilen Brennstoff wechseln, wenn es doch viel umweltfreundlichere und sogar günstigere Alternativen gibt? Diese Frage stellte sich ein Nabu-Mitglied aus Unna, als das Schicksal des Fröndenbergers öffentlich wurde. Der Unnaer heizt mit Holzpellets.

Pellets bestehen aus Sägemehl, Hobelspänen oder Restholz aus dem Wald

Er ist davon überzeugt, dass seine Methode zu heizen auch etwas für Siegfried Grüning ist – und hat dem Fröndenberger angeboten, seine Heizungsanlage zu besichtigen. Holzpellets sind etwa drei Zentimeter lange und sechs Millimeter dicke Stäbe aus gepressten Holzresten wie Sägemehl, Hobelspänen oder Restholz aus dem Wald.

Holzpellets als Alternative zu Gas und Öl: Das sind die Vor- und Nachteile

Eine neue Ölheizung kommt Siegfried Grüning nicht ins Haus. Der Fröndenberg ist zwar für weitere Alternativen offen, am liebsten hätte er jedoch weiterhin eine Gasheizung. © Marcel Drawe

Vor zwei Jahren ist der Unnaer auf die umweltfreundliche Technik umgestiegen. „Ganz bewusst“, sagt er. Sein Name soll nicht in der Zeitung stehen. Dennoch möchte er Menschen, wie Siegfried Grüning von den Vorzügen einer Pellet-Heizung berichten.

Dem Nabu-Mitglied ging es darum, die Ökobilanz der eigenen Immobilie, eines Mehrfamilienhauses, zu verbessern. Zum einen für die Umwelt, zum anderen aber auch, um den Wert des Hauses zu steigern, es für spätere Mieter attraktiver zu machen. Denn der Energieausweis, den der Hausbesitzer bei Neuvermietungen vorlegen muss, verbessere sich nun aus dem roten in den grünen Bereich. Auch weil der Unnaer zusätzlich mit Solarthermie Wasser erwärmt.

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Dort, wo früher der Öltank stand, können jetzt 7500 Kilo Pellets lagern. Angeliefert werden sie einmal im Jahr mit dem Lkw – über einen 30 Meter langen Schlauch. In etwa so, wie noch vor zwei Jahren das Heizöl geliefert wurde. Ihren Weg in den Ofen finden die Pellets vollautomatisch.

Es dauert einige Jahre, bis sich der Holzpelletkessel wirtschaftlich rechnet

Das Nabu-Mitglied rechnet damit, dass sich die Anschaffung seiner Pellet-Heizung in acht bis neun Jahren rechnet. Die Anlage ist zwar teurer als eine Gas- oder Ölheizung. Die Pellets sind aber wesentlich günstiger als fossile Brennstoffe. Der Unnaer zahlt weniger Mehrwertsteuer und mit der bevorstehenden CO2-Bepreisung wird er auch nichts zu tun haben. Denn das CO2, das beim Verbrennen der Pellets entsteht, haben die Bäume, von denen das Holz stammt, zuvor gebunden. Außerdem werden umweltfreundliche Heizsysteme, je nachdem wie innovativ sie sind, unterschiedlich stark bezuschusst.

Holzpellets als Alternative zu Gas und Öl: Das sind die Vor- und Nachteile

Aktuell leidet der Wald überall unter Veränderungen des Klimas. Das Holz findet kaum Abnehmer. Zu Pellets verarbeitet könnte nicht mehr anderweitig verwertbares Holz zumindest umweltfreundliche verheizt werden. © picture alliance/dpa

Holzpellets würden im übrigen ausschließlich aus Holzabfällen hergestellt, die forstwirtschaftlich nicht weiter verwertet werden können. Keiner brauche sich also sorgen, dass der deutsche Wald verheizt werde. Inzwischen gebe es sogar schon Heizungen, die nebenbei Strom produzieren.

Der Weg zur Pellet-Heizung

  • Wer mit Holzpellets heizen möchte, sollte sich zunächst gut informieren.
  • Zur Installation einer Pellet-Heizung sollten interessierte einen guten Handwerksbetrieb suchen. Der sollte sich auch mit Fördermöglichkeiten auskennen und hinter der neuen Technik stehen. In Unna und Umgebung gibt es noch nicht viele Betriebe, die für den Einbau von Pellet-Heizungen geschult sind.

Auch die Verbraucherzentrale spricht sich positiv zum Holzpelletkessel aus. Der vollautomatische Betrieb sei ähnlich komfortabel wie bei einem Öl- oder Gas-Heizkessel. Nur die Asche müsse wenige Male im Jahr entsorgt werden. Und die Kontrolle durch den Schornsteinfeger sei aufwendiger als bei einem herkömmlichen Kessel. Außerdem wird für die Pellets ein trockener Lagerraum benötigt.

Bei der Verbrennung ist der Wassergehalt im Pellet niedriger als im Stückholz, das in Kamin oder Kachelofen verfeuert wird. Bedeutet: Weniger Asche und weniger Schadstoffe. Einzig die Preisentwicklung und Verfügbarkeit von Holz als langsam nachwachsender Rohstoff ist auf lange Sicht ungewiss.

So geht es für Siegfried Grüning weiter

  • Nachdem Siegfried Grüning von der fehlenden Gasleitung in seiner Straße berichtet hat, meldeten sich vier Anwohner bei ihm, die auch auf einen Gasanschluss warten.
  • Der Fröndenberger weiß, dass alle Nachbarn, die in seiner Straße leben, Ölheizungen haben. Grüning hofft aus diesem Grund, dass die Stadtwerke erneut über eine Gasleitung nachdenken. Allein weil die Öltanks an der Schlotstraße alle in nur rund 300 Meter Luftlinie entfern vom Hammer Wasserwerk liegen.
  • Grüning würde sich wünschen, dass sich die Politik in seiner Angelegenheit einsetzt. Er kann immer noch nicht verstehen, dass die Stadtwerke, die mit den Gemeindewerken Wickede fusionieren wollen und schon an große Projekte denken, keine Mittel für seine Gasleitung haben.
  • Alternativen, wie einem Holzpelletkessel, steht er aufgeschlossen gegenüber. Ein Mitarbeiter eines Flüssiggas-Anbieters habe ebenfalls bei ihm vor der Tür gestanden. Eine Ölheizung wird dem Fröndenberger also mit Sicherheit nicht mehr ins Haus kommen.
  • Am liebsten wäre es Siegfried Grüning aber nach wie vor, wenn die Schlotstraße ans Gasnetz angeschlossen wird.
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