Zuzutrauen ist ihm noch Einiges: Rentner Helmut Holve (84) ist heute noch unendlich dankbar für die Hilfsaktion vor fünf Jahren für den Grabstein auf der Ruhestätte seiner Ehefrau Christel.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 11.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aufgeben gibt es nicht. Helmut Holve will sich dem Alter so gar nicht beugen. Der 84-Jährige lebt schon viele Jahre im Haus Hubertia, aber keineswegs zurückgezogen und vereinsamt.

Holve wurde bekannt, weil er vor fünf Jahren mit Hilfe vieler wohlmeinender Fröndenberger einen Grabstein auf die Ruhestätte seiner geliebten Ehefrau bekommen hatte.

»Ich werde das niemals vergessen, wie mir vor fünf Jahren so viele Menschen geholfen habe, dafür bin ich unendlich dankbar.«
Helmut Holve

Holve hatte seinerzeit sogar adelige Hilfe: Der adoptierte Show-Prinz Alexander von Anhalt hatte von dem Sozialhilfeempfänger Helmut Holve und seinem Kampf um den Grabstein für seine an einer schweren Krebserkrankung gestorbenen Christel erfahren.

Fast hätte das Paar noch die Diamantene Hochzeit feiern können. Der Prinz mit Wohnsitz in Hollywood und Zweit-Domizil in seiner Geburtsstadt Dorsten jedenfalls sicherte damals zu, alle Rechnungen für die Herrichtung des Grabes und die Aufstellung des Grabsteins zu begleichen.

Tatsächlich aber war es wohl mehr der Unterstützung etlicher Fröndenberger und Mendener Mitbürger, die sich auf Facebook abgesprochen hatten, und dem Einlenken der Stadtverwaltung zu verdanken, dass es trotz des sogenannten Armenbegräbnisses noch zur Aufstellung des Grabsteines kam.

Für Helmut Holve ist es mehr als tröstlich, nun zu wissen, dass er selbst einmal auf derselben Grabstelle seine letzte Ruhe finden wird wie seine Christel.

Kampflust und Ideenreichtum sind immer noch da

„Ich werde das niemals vergessen, wie mir vor fünf Jahren so viele Menschen geholfen habe, dafür bin ich unendlich dankbar.“ Helmut Holve hat seither aber keinen Deut von seiner Kampflust und seinem Ideenreichtum eingebüßt.

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Hollywood-Prinz half ihm bei Kampf für Grabstein: Helmut Holve ist weiter voller Lebensmut

Alexander Prinz von Anhalt und seine Lebensgefährtin Justine Hermannsa samt Chihuahuarüde Prinz Louis: Bevor das Paar vor fünf Jahren Helmut Holve in Fröndenberg erreichte, musste es notgedrungen auf dem Pendlerparkplatz an der A2 in Kamen pausieren. Ihr Porsche Cayenne hatte einen Defekt. © Stefan Milk

In seinem bis in den letzten Winkel mit Erinnerungsstücken an sein wahrlich erfülltes Leben vollgestopften Zimmer im Altenheim Haus Hubertia schmiedet er immer weiter Pläne, tüftelt an Ideen und versucht Kontakt mit alten Freunden zu halten.

Der gelernte Hoch- und Tiefdrucker hat zwei Söhne mit seiner leider zu früh verstorbenen Frau Christel. Holve arbeitete u.a. bei Ford in Köln und hatte einige Jahre eine vielbesuchte Kneipe in Soest. Vor allem aber gehörte Holves Liebe der Taubenzucht.

Im Haus Hubertia will Helmut Holve einen Taubenschlag eröffnen

Die Rennpferde des kleinen Mannes aus Holves Schlag waren sehr erfolgreich. Pokale und Medaillen füllen fast einen ganzen Kleiderschrank, aus dem der Rentner eine voll funktionsfähige alte Zeitnahme-Apparatur hervorkramt.

Ein sicher sehr gefragtes Museumsstück, das ihn aber an glorreiche Zeiten erinnert und deshalb ebensoviel wert ist wie die goldigste Medaille und der größte Pokal im Schrank.

Holve hat im Badezimmer sogar schon einen Transportkäfig für Tauben gelagert, ihm seien zwei Hochzeitstäubchen versprochen worden. Mit denen will er am Haus Hubertia einen neuen Taubenschlag eröffnen. „Ich habe ja 70 Jahre Erfahrung damit, wer hat das schon?“

Zuzutrauen ist dem Mann noch einiges. „Ich gebe mich nicht auf“, flüstert Holve – seine Stimmbänder sind nach einer schweren Krebs-Erkrankung gelähmt geblieben. Was er an Lautstärke nicht einbringen kann, das macht er durch Agilität und Rastlosigkeit wieder wett. Die personifizierte Lebenslust! Man kann sich seinem Elan kaum entziehen.

»Ich werfe doch mein Leben nicht auf den Müll.«
Helmut Holve

Sehr gern teilt er alle seine Schätze mit Besuchern – das kann abendfüllend werden. Original-Fotos von der damaligen NS-Organisation Todt, einer paramilitärischen Baubrigade, aus der Zeit der Möhnekatastrophe hat Holve zu bieten – nur ein Beispiel...

Zeitungsartikel über die Taubenzucht, Fotos aus Kanada von seinen Freunden, Familienbilder, eine ansehnliche Sammlung von Schlager-Schallplatten – nichts wird weggeschmissen. „Ich werfe doch mein Leben nicht auf den Müll“, sagt Helmut Holve.

Zum 85. Geburstag soll eine Kiste Wein ausgepackt werden

Und jetzt zur Malerei gefunden? „Nein, das liegt mir im Blut, schon in der Schule habe ich gern gemalt.“ Heute bannt er Szenen aus seinem geliebten Soest auf selbstverspannte Leinwände. Aber auch eine Stadtansicht von Unna und den Fröndenberger Stiftskeller.

Es sind wundervoll-naive Malereien, alles immer schön gerahmt und aufgehängt. Ein Prachtbild steht noch auf der Staffelei, die Burg Altena wartet noch auf den letzten Firnis. „Ich werde noch einiges malen,“, verspricht Holve, „wenn ich Zeit habe...".

Helmut Holve freut sich unbändig auf seinen 85. Geburtstag. Unterm Wohnzimmertisch steht schon eine Kiste mit Wein, aber nur lieblicher. „Da gebe ich dann mal richtig einen aus.“

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