Der Wochenmarkt in Fröndenberg wird seit gut 25 Jahren auf dem Marktplatz abgehalten. Wegen seiner Umgestaltung weichen die Händler 2020 auf den Bruayplatz aus. Sein historischer Standort ist aber ein weiterer Platz.

von Jochen von Nathusius

Fröndenberg

, 03.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Fröndenberger Marktplatz wird 2020 umgestaltet. Standort des Wochenmarktes ist er seit kaum einer Generation. Ausweichen wird während der Umbauarbeiten auf den Bruayplatz. Dabei gibt es noch einen historischen Standort.

Der Himmelmannplatz war nie eine Postanschrift

Den Himmelmannplatz im Fröndenberger Stadtzentrum kennen fast alle, aber wo ist er eigentlich? Im Stadtplan ist er nicht (mehr) zu finden.

Seit etwa 1910/18 hieß er Wilhelmplatz, 1933 wurde er umbenannt in Wilhelm-Himmelmann-Platz und heute wird der Platz umrahmt von Gebäuden, die „Im Stift“ liegen.

Historischer Standort des Fröndenberger Wochenmarktes hat eine lange Geschichte

Lange war das Stift in Fröndenberg durch Hausgärten geprägt. Auch im Bereich des späteren Wilhelm-Himmelmann-Platzes gab es neben den Wirtschaftsgebäuden des Stifts und Fachwerkwohnhäusern zahlreiche Gemüsegärten, wie hier auf einer Ansichtskarte aus der Zeit vor 1914 zu sehen ist. © Stadtarchiv Fröndenberg

Das war übrigens schon immer so, denn nie trug ein Haus rund um den Platz die Anschrift Himmelmannplatz – nur der Platz selber trug den Namen.

Das ist historisch auch richtig, da in diesem Areal einst die Wirtschaftsgebäude des adligen Damenstiftes standen und man sich hier eben „Im Stift“ bewegte.

Zwischen dem Platz und dem Kirchplatz steht am Hang ein ehemaliges repräsentatives Damenstiftshaus, wahrscheinlich im Kern aus dem 18. Jh., das Ende des 19. Jh. zum Wohnhaus der Fabrikantenfamilie Himmelmann umgebaut wurde.

Fabrikant Wilhelm Himmelmann wohnte in Villa oberhalb des Platzes

Der Fabrikant hieß mit Vornamen Wilhelm und so nannten die Fröndenberger den unterhalb gelegenen Platz eben Wilhelmplatz, ebenso die heutige Karl-Wildschütz-Straße Karlstraße, weil die Mehrzahl der Häuser hier dem Gastwirt Karl Wildschütz gehörten.

Historischer Standort des Fröndenberger Wochenmarktes hat eine lange Geschichte

Der Blick nach Süden auf dieser Ansicht, die vor dem Ersten Weltkrieg aufgenommen worden ist, gibt den Blick auf den Himmelmannplatz mit dem Garten der Fabrikantenfamilie Himmelmann frei. © Stadtarchiv Fröndenberg

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Und die heutige Friedrich-Bering-Straße hieß Friedrichstraße, weil Friedrich Bering als Vorsitzender des Bauvereins hier den Bau von Mietshäusern förderte.

Erst 1933 wurden die „Vornamen“ durch die „Nachnamen“ ergänzt.

Zwar gibt es auch Vermutungen, dass die Namen Karl, Wilhelm und Friedrich Verwendung fanden wegen des Bezuges zu deutschen Königen und Kaisern gleichen Namens, aber dafür gibt es keinerlei Beweise. Akten über den „Urbestand“ der Innenstadtstraßen und ihre Benennung liegen erst ab den 1920er Jahren vor.

Name Wilhelm-Himmelmann-Platz verschwand in der Versenkung

Im Zuge der Innenstadtsanierung ab den frühen 1990er Jahren und dem Abriss der Firmengebäude entstand die Notwendigkeit neuer Straßennamen in der neuen Stadtmitte und die Städtepartnerschaften in die Niederlande und nach Frankreich sollten im Bewusstsein der Bürger fest verankert werden.

So entstanden die Straßennamen Winschotener Straße und Bruayplatz.

Historischer Standort des Fröndenberger Wochenmarktes hat eine lange Geschichte

Der Wilhelm-Himmelmann-Platz war nicht nur über Jahrzehnte Standort des Wochenmarktes, sondern auch Aufstellungspunkt zahlreicher Festumzüge, wie hier 1963 des Bürgerschützenvereins Fröndenberg, Ort für Platzkonzerte und Kundgebungen. © Stadtarchiv Fröndenberg

Der Name Wilhelm-Himmelmann-Platz verschwand offiziell in der Versenkung.

Als ehemaliger Standort des wahrscheinlich nach dem Ersten Weltkrieg begründeten Wochenmarkts, als Parkplatz und nicht zuletzt als Aufstellungspunkt zahlreicher Festumzüge, Platzkonzerte, Kundgebungen usw. blieb er aber bis heute namentlich in Erinnerung.

Schützen, Turner, Gewerkschaftler am 1. Mai und Posaunenchöre; ihre Auftritte auf dem Himmelmannplatz sind fotografisch gut überliefert.

Historischer Standort des Fröndenberger Wochenmarktes hat eine lange Geschichte

Nicht jeder Neubürger kennt sich perfekt in der Ruhrstadt aus. Einer, der fast alle Ecken kennt, ist Stadtarchivar Jochen von Nathusius (l.), hier bei einem historischen Stadtrundgang auf dem Himmelmannplatz. © Marcel Drawe

Anwohner gaben ihre Gemüsegärten auf und schufen damit „Platz“

Derartige Versammlungen waren aber erst möglich, nachdem die Anwohner ihre dortigen Gemüsegärten aufgaben, Zäune und Hecken entfernt und der Platz planiert wurde. Das war keinesfalls vor 1905 der Fall, wie Ansichtskarten belegen.

Früher standen hier neben den Wirtschaftsgebäuden des Stifts zahlreiche Fachwerkwohnhäuser, in denen auch gewerbetreibende Fröndenberger ihrem Handwerk nachgingen. Das zuletzt abgerissene Gebäude war das Haus von Uhrmachermeister Grünewald. Dort halten jetzt die Busse.

Historischer Standort des Fröndenberger Wochenmarktes hat eine lange Geschichte

Wahrscheinlich nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich der Wochenmarkt auf dem Wilhelm-Himmelmann-Platz. Belege aus dieser Zeit gibt es im Stadtarchiv Fröndenberg nicht. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1964. © Stadtarchiv Fröndenberg

Wer auf den heutigen Platz einbiegt, fährt über das Grundstück des 1959 abgebrochenen Hauses der jüdischen Familie Neufeld, das heißt, der Platz wurde in den frühen 1960er Jahren nach Westen nochmals vergrößert.

Im südlichen Bereich noch im Kern erhalten sind Gebäude aus den 1960er Jahren der ehemaligen Tütenfabrik Schmidt. Neben dem Gebäude, in dem heute die Polizeiwache untergebracht ist, stand auf der heutigen kleinen Wiesenfläche ebenfalls ein Fachwerkhaus mit der ersten Poststelle Fröndenbergs.

Östliche Seite mit Leesemann-Villa ist älteste erhaltene Bebauung

Bis heute erhalten ist die östliche Seite des Platzes mit seiner Bebauung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen dem ehemaligen Schuhhaus Ruberg im Norden bis zur Leesemann-Villa im Süden, im Kern übrigens das älteste Hotel in Fröndenberg.

Historischer Standort des Fröndenberger Wochenmarktes hat eine lange Geschichte

Das Haus der Familie Neufeld am Himmelmannplatz wurde 1959 abgerissen. Am 13. Dezember 1938 hatte die Familie es an die Gemeinde verkauft. © Stadtarchiv

Vor dem Neubau der Familie Ruberg stand an etwa gleicher Stelle gegenüber der Steintreppe die Flachsbrecherei des Stifts.

Die in der Nordwestecke des Platzes beginnende westliche Fortsetzung der Durchgangsstraße Alleestraße-Im Stift, die Unionstraße, gibt es in dieser Form erst ab den 1990er Jahren. Bekanntlich rollte der Durchgangsverkehr zuvor mehrheitlich über den Marktplatz.

Unser Gastautor Jochen von Nathusius ist Leiter des Archivs der Stadt Fröndenberg. Seine Diplomarbeit an der Fachhochschule Potsdam hat von Nathusius über die Geschichte der Fröndenberger Straßennamen verfasst.
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