Himmelslaternen: Fröndenberger Firma nimmt umstrittene Artikel aus dem Sortiment

dzHimmelslaternen

Himmelslaternen haben den Großbrand ausgelöst, der in der Silvesternacht über 30 Affen in Krefeld das Leben kostete. Eine Firma aus Fröndenberg hat die umstrittenen Flugkörper verkauft. Bis jetzt.

Fröndenberg

, 06.01.2020, 14:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Party-Zubehör, Hawaii-Ketten oder Cowboyhüte vertreiben mehrere mit einem Großhandel an der Ardeyer Straße in Verbindung stehende Online-Shops in die gesamte Bundesrepublik.

Auf den ersten Blick ist das Angebot in den Shops, die „Trendmaus“ oder „Rainbow-Shop“ heißen, ein harmloses. Gäbe es da nicht ein Produkt, das in der Silvesternacht für tragische Schlagzeilen sorgte: Himmelslaternen.

Himmelslaternen verursachten einen Großbrand in Krefeld

In Krefeld landeten solche Laternen in einem Affenhaus im Zoo, entfachten einen großen Brand. Dutzende Tiere starben in den Flammen. Auf einen Polizei-Aufruf meldete sich eine Familie, die die Laternen hatte steigen lassen. Die Krefelder wussten nach eigenen Angeben nicht, wie gefährlich die Laternen werden können. Die Familie hatte sie im Internet bestellt.

Himmelslaternen: Fröndenberger Firma nimmt umstrittene Artikel aus dem Sortiment

Einen Cowboy-Hut von den Karl-May-Festspielen brachte einer unserer Redakteure aus dem Urlaub mit. Die Rainbow-GmbH hat auch Himmelslaternen verkauft. © Raulf

Nach einer Suchanfrage bei Ebay landeten überregionale Medien schnell bei den Fröndenberger Unternehmen. Deren Artikel werden deutschlandweit vertrieben; schafften es bis zu den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, wie einer unserer Redakteure im Familienurlaub feststellte. War doch die Adresse aus Fröndenberg in einen dort gekauften Cowboyhut eingeklebt.

Alsino gibt an, das Produkt nicht weiter zu vetreiben

Ein Sprecher der Alsino GmbH & Co. KG in Ardey, auf die der Shop „Trendmaus“ zurückgeht, teilte unserer Redaktion telefonisch mit, dass der „reine Verkauf“ der Laternen zu keinem Zeitpunkt strafbar gewesen sei und ist. Das Unternehmen habe die Produkte inzwischen dennoch aus dem Sortiment genommen.

Die Firma hatte die Laternen unter dem Firmennamen Alsino direkt und auch über den Online-Shop vertrieben. Außerdem ist an der gleichen Adresse (Ardeyer Straße 100) die Rainbow Geschenkartikel Im- & Export GmbH eingetragen, die über rainbow-shop.de ebenfalls Himmelslaternen vertreibt. Beide Unternehmen werden vom selben Geschäftsführer geleitet.

Himmelslaternen: Fröndenberger Firma nimmt umstrittene Artikel aus dem Sortiment

Die Firma Alsino ist eines der mit Sitz an der Ardeyer Straße in Fröndenberg eingetragenen Unternehmen. Die Himmelslaternen sind bei E-Bay inzwischen nicht mehr verfügbar. © (Screenshot) Hornung

Im Rainbow-Shop konnten die Laternen am Montag noch abgerufen werden. In der Artikelbeschreibung distanziert sich der Händler vom Produkt: „Bitte informieren Sie sich über die jeweiligen gesetzlichen Vorschriften in Ihrem Land bezüglich Handel, Nutzung und Sicherheit von Himmelslaternen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch die Produktnutzung entstehen“, heißt es in der Beschreibung.

Keine weiteren Auskünfte über die beiden Firmen

Sowohl über die Struktur der Unternehmen als auch über weitere Hintergründe zum Vertrieb wollte der Alsino-Sprecher am Montag keine Auskunft geben. Zwar könne man das Interesse an der Thematik verstehen, doch habe Alsino in der vergangenen Woche „schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht“. Es gehe nun darum, das Unternehmen zu schützen.

Die Rechtslage bei Himmelslaternen

  • Sogenannte Himmelslaternen, leichte Lampions, verfügen über eine eigene Feuerquelle. So erhitzen sie die Luft im Inneren und steigen in die Höhe. In asiatischen Ländern sind die Himmelslaternen sehr beliebt. Doch auch in Deutschland lassen manche Menschen die Laternen, auf die sie teilweise auch ihre Wünsche schreiben, zu Festen wie Hochzeiten oder auch an Neujahr steigen.
  • In allen Bundesländern ist das Steigenlassen von Himmelslaternen verboten. Nicht aber deren Verkauf. Die Lampions waren bisher in etlichen Online-Shops erhältlich. So etwa auch bei der Warenhauskette Real, die den Verkauf inzwischen eingestellt hat.
  • Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser sieht eine moralische Mitverantwortung bei den Verkäufern der Himmelslaternen, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Es solle nun geprüft werden, warum die umstrittenen Artikel so einfach in den Verkehr gebracht werden können.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sozialer Wohnungsbau
Aldi-Mieter: „Finden nur Wohnung mit Blick auf Mülltonnen und tanzende Ratten“