Kindertagespflege „Wacklige Dackel“: Die namensgebenden Vierbeiner freuen sich ebenso wie Heiner Redeker, Jens und Lea Einzel und das Kreistagsmitglied Susanne Melchert (v.li.) über die zahllosen Spenden, die die Einrichtung des Spielzimmers erst ermöglichten. © Peter Benedickt
Folgen des Hochwassers

Hilfe der Dorfgemeinschaft holt Tagesmutter aus der Existenznot

Gleich zwei Mal sorgte das Hochwasser am 4. Juli beim Ehepaar Einzel für Entsetzen. Nicht nur, dass ihr Haus auf Monate unbewohnbar ist, auch als Tagesmutter konnte Lea Einzel nicht mehr arbeiten.

Nach der Qualifikation zur Kinderpflegeperson startete Lea Einzel 2017 in Menden-Lendringsen als Tagesmutter: „Erst mit einem Zögling, schnell waren es fünf.“ Sie betreut Nachwuchs von zehn Monaten bis drei Jahre. Nicht nur aus Menden wurde diese Möglichkeit genutzt, der Einzugsbereich reichte bis Iserlohn.

Vor zwei Jahren folgte der Umzug nach „Oberneimen“. „Wir haben Haus und Außenanlage im Neimener Weg 8 entsprechend den Bedürfnissen unserer kleinen Gäste umgebaut“, erklärt Jens Einzel. Es entstand ein familiäres Umfeld, in dem sich alle während der Betreuung von 7 bis 16 Uhr wohlfühlten.

Lea Einzels Vorstellung von ihrer Traumbeschäftigung nahm Konturen an. Dann kam das Unwetter und zerstörte in wenigen Stunden alle Zukunftspläne. „Schon am Mittag schoss das Wasser durch unser Haus und nahm einiges von der Einrichtung mit“, erinnert sich das Ehepaar. „Kaum floss es ab und ließ Gestank und Schlamm zurück, folgte die zweite Welle.“

Es war deprimierend, doch es gab Lichtblicke: Die Dorfgemeinschaft. Unbekannte Menschen packten an und halfen. „Bis dahin kannte ich Susanne Melchert nicht, habe sie erst bemerkt, als sie mit dem Besen in der Hand im Wohnzimmer stand“, so Jens Einzel. „Ihre Unterstützung war überwältigend. Sie kam als Fremde, ging als Freundin.“

Sogar über eine komplette Küche als Spende konnten sich Susanne Melchert, Heiner Redeker sowie Lea und Jens Einzel (v.li.) freuen. © Peter Benedickt © Peter Benedickt

Organisationstalent Susanne Melchert

Die CDU-Kreistagsabgeordnete zeigte Organisationstalent, klapperte die Nachbarn ab, ließ ihre Verbindungen spielen: „Was fehlt, was wird benötigt?“

Das Ehepaar Einzel war besonders betroffen, denn neben dem unbewohnbaren Haus, eine Rückkehr ist erst im November möglich, gab es keine Räume mehr zur Betreuung. „Wenn ich nicht arbeite, ist schnell die Erlaubnis des Jugendamtes weg“, war die Tagesmutter verzweifelt. Eine Unterkunft fand das Paar bei einer Tante in Königsborn, doch was geschieht mit ihrem Beruf?

Auch hier wusste Susanne Melchert Rat: „Ich telefonierte mit dem Gemeindereferenten der katholischen Kirche, Heiner Redeker.“ Der half: „Es gab zwei Möglichkeiten, darunter das alte Pfarrhaus in Warmen.“ Der Kirchenvorstand stimmte in kürzester Zeit dem Anliegen zu.

Persönliche Kontakte sorgen für Spenden

Bei der Besichtigung verliebte sich Lea Einzel in das Gebäude an der Landstraße 15: „Bestens geeignet für mich.“ Die Räume wurden von freiwilligen Unterstützern renoviert, so dass sie den Auflagen des Jugendamtes entsprachen.

Noch fehlte die Einrichtung. Wieder griff Susanne Melchert ein: „Aufrufe in sozialen Medien brachten Erfolge, Mundpropaganda und persönliche Kontakte ebenfalls.“ Betten, Regale, Spielzeug, eine komplette Küche wurden gespendet.

„Uns ist eine Last vom Herzen genommen“, erklärt das Ehepaar mit Tränen in den Augen. „Die Hilfsbereitschaft ist großartig, wir sind so dankbar.“

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