Erste Kontaktaufnahme mit der neuen Technik unter den Augen von Sebastian Reinke: Die Pflegerinnen Jessica Bieses und Manola Fabian (r.) vom Haus Löhnbachtal in Fröndenberg zeigen sich sehr interessiert an der Pflegebrille 2.0. © Peter Benedickt
Haus Löhnbachtal Fröndenberg

Hightech im Seniorenheim: Eine Brille nimmt Druck von Pflegekräften

Der Druck auf Pflegekräfte ist enorm. Um sie zu unterstützen, sind intelligente Lösungen gefragt. Das Team im Haus Löhnbachtal bringt nun seine Erfahrung in eine innovative Entwicklung ein.

Das Fröndenberger Seniorenzentrum ist deutschlandweit eines von fünf Einrichtungen, die das Forschungsprojekt „Pflegebrille 2.0“ unterstützen und helfen, das Konzept weiterzuentwickeln.

Vor rund zwei Jahren bekam die Technische Universität Clausthal den Forschungsauftrag. Im Mittelpunkt steht die Unterstützung der professionellen Arbeit der Pflegeteams.

Der Leistungsdruck hat hier enorm zugenommen. Das Personal muss immer mehr Aufgaben bewältigen, während gleichzeitig der Stress ansteigt und die Zeit pro Patient geringer wird. Da sind nicht vollständige Dokumentationen oder Probleme in der Qualitätssicherung fast programmiert.

Über einen QR-Code einloggen

Deshalb steht Sebastian Reinke, wissenschaftlicher Mitarbeiter aus Clausthal, im Schulungsraum des neuapostolischen Hauses vor einer Gruppe Pflegekräfte. Er gibt Einweisungen in die Funktionsweise der Brillen.

Zwei Modelle, Hersteller „Vuzix“ und „Epson“, führt er vor. „In einem Workflow sind die Daten jedes Patienten hinterlegt, seine Medikamentendosierungen, wie Tropfen oder Tabletten anschlagen, wie sich der Gesundheitszustand verändert“, erläutert der Experte am vergangenen Freitag (11. Juni).

Mit QR-Code eingeloggt

Die Pflegebrille 2.0 funktioniert wie ein Datenspeicher. Die Trägerin oder der Träger loggt sich über einen QR-Code ein und vor dem Betreten eines Zimmers wird ein weiterer davor angebrachter Code gescannt.

Die nötigen Handgriffe müssen gelernt werden. Sebastian Reinke gibt Nina Franke erste Einführungen.
Die nötigen Handgriffe müssen gelernt werden. Sebastian Reinke gibt Nina Franke erste Einführungen. © Peter Benedickt © Peter Benedickt

Damit ist der Pflegende zugeordnet. Nun können die kompletten Angaben aufgerufen werden, neudeutsch: Augmented Reality (erweiterte Realitätswahrnehmung). Großer Vorteil: die Hände bleiben frei.

Gesteuert wird mit Kopfbewegungen. Es ist sogar möglich, Fotos einzuspeisen und aufzurufen, um etwa den Heilungsprozess einer Wunde zu vergleichen.

Akzeptanz und Marktfähigkeit

Nun sollen die Brillen in der Praxis erprobt und verbessert werden. „Wir werden jeden Einsatz dokumentieren und etwaige Lücken aufdecken und schließen“, setzt Pflegedienstleister Stefan Mohr auf gewonnene Erkenntnisse.

Pflegedienstleiter Stefan Mohr ist überzeugt, hier ein hilfreiches Mittel zur Qualitätssteigerung zu haben.
Pflegedienstleiter Stefan Mohr ist überzeugt, hier ein hilfreiches Mittel zur Qualitätssteigerung zu haben. © Peter Benedickt © Peter Benedickt

Inhalte gemeinsam zu erstellen und technisch umzusetzen ist das Ziel. Dafür bleiben die beiden Exponate im Haus Löhnbachtal bis Ende des Jahres im Einsatz. Schnittstellen zu gängiger Dokumentations- und Pflegemanagementsoftware sollen im laufenden Prozess aus den Erkenntnissen der Praxis entwickelt, die Akzeptanz und Marktfähigkeit verbessert werden.

Am Ende steht die Hoffnung, die Pflegebrille 2.0 in allen Formen der ambulanten und stationären Pflege einzusetzen. Die Pflegekräfte im Haus Löhnbachtal zeigten sich schon mal angetan.

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