Kochen und backen – zuhause und für andere, das ist Helga Werths Leidenschaft geblieben. Noch mit 84 Jahren gibt sie Kurse und lädt Leute zum Mitkochen ein: „Es bereichert doch mein Leben!“

von Martin Krehl

Altendorf

, 24.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fit wie ein Turnschuh – „ja, turnen gehe ich auch, einmal die Woche“, lacht Helga Werth, wenn sie auf ihre offensichtlich nicht altersentsprechende Fitness angesprochen wird. Ein Geheimnis ist es nicht: „Ich bin 84 Jahre alt.“ Man ist versucht, es in Zweifel zu ziehen, noch dazu wenn man hört, was diese Frau noch so alles leistet. „Ich kann doch gar nicht anders, es befriedigt mich.“

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Da ist aktuell der Offene Mittagstisch, den sie mit einigen Mitstreitern seit zwei Jahren im Bürgerzentrum am Mühlenberg anbietet. Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich 18 älteren Herrschaften, kochen gemeinsam und essen anschließend alles auf.

„Da bin ich ja nicht die Älteste“, meint Helga Werth. Die älteste Teilnehmerin dieser eingeschworenen Runde ist 94 Jahre alt. Um 10 Uhr beginnt die Schnibbelei, um 15 Uhr wird das Bürgerzentrum wieder picobello verlassen. „Nach dem Nachtisch gibt es aber noch ein bisschen Gymnastik.“

Für Helga Werth sind diese und noch ein paar weitere Aufgaben eine Bereicherung ihres Lebens: „Ich kann das nur empfehlen, wenn man fit bleiben will, vor allem im Kopf – machen Sie etwas für Andere!" Die Anerkennung und Bestätigung nehme sie beiläufig mit, schwerer wiegt für sie der Aspekt des Helfens.

Aus Schlesien geflüchtet

Helga Werth war Einzelkind, damals in Schlesien. Die Familie musste flüchten, ein Teil landete in Thüringen, ein anderer Teil in Westfalen. Bei einem Besuch im Westfälischen lernte sie den jungen Schmied Wilfried Werth in Altendorf kennen. Wegen der Zonengrenze waren nur Besuche erlaubt, 1959 heiratete das Paar, zog nach viel Papierkrieg und Behördengängen dann doch in Altendorf in Wilfrieds Elternhaus zusammen. „So wie ich damals müssen sich heute die Kriegsflüchtlinge bei uns fühlen“, erinnert sie sich.

Helga Werth engagiert sich ehrenamtlich am Herd

Helga Werth war auch am Generationenprojekt „Fröndenberger Topfgeschichten“, beteiligt. © Borys sarad

Heute hat das Paar eine barrierefreie, gemütliche Puppenstube im Erdgeschoß, drüber und drumherum wohnt die Familie. Zwei Söhne haben die Eheleute Werth. Wilfried Werth, der sein Arbeitsleben lang hart gearbeitet hat, sitzt seit Jahren im Rollstuhl. Dass dessen Pflege noch einmal eine Herausforderung ist, verschweigt Helga Werth fast. Da helfe ja die ganze Familie mit.

Ganz alleine Rieseneinkauf erledigen

Somit bleibt ihr Zeit für den Offenen Mittagstisch. Den Rieseneinkauf für die 18-köpfige Gesellschaft leistet sie übrigens ganz alleine mit ihrem Auto. Und obwohl das Bürgerzentrum nur eine Teeküche hat, werden dort mehrgängige Menüs gekocht. Auf etlichen Kochplatten. Alle Zutaten kommen auf Teewägelchen, jeder Mitkochende hat seinen Arbeitsplatz. Dafür sorgt Helga Werth.

Vorweg die Ajva-Hack-Suppe, dann das Putenkrüstchen-Hokkaido-Gratin, den Lachstatar in Dillsoße und das Pfirsich-Maracuja-Dessert. Oder eine Goldene Linsensuppe und Partyschnitzel überbacken mit Rösti gefällig? Gern genommen werden auch gratinierte Speckfischstäbchen, frittierter Bierspargel, Obazter und ein Käsekuchen mit Erdbeeren.

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Jedes Gericht hat seine Rezeptur, die wird kopiert, aufgeklebt und den Teilnehmern in einem gebundenen Menue-Vorschlag überreicht. Macht alles Helga Werth, der als Hauswirtschaftsmeisterin im Ruhestand viele Dinge leichter fallen als anderen.

In Stentrop viele Jahre ausgebildet

Sie war lange in der Ausbildung tätig, in Stentrop hat sie viele Generationen von Küchenkräften angelernt, war u.a. Ernährungslehrerin bei der Diakonie und hat unzählige Kochkurse auch für Volkshochschulen gegeben. Aus der Stentroper Zeit hält sie noch viele Kontakte.

Die Diamantene Hochzeit in diesem Sommer mit ihrem Wilfried ist groß in Altendorf gefeiert worden, mit Kapelle, Festzelt und Buffet. Organisiert hat Helga Werth das meiste selbst, als Diamant-Braut hat sie ausnahmsweise nicht gekocht. Aber eingekauft.

„Ich war Einzelkind, also kommt bei mir als Erstes die Familie", Helga Werth rät zu strengem Zeitmanagement und akribischer Planung. Sie könne zwar viele Dinge auf einmal erledigen, aber der vorhersehbare Ablauf eines Ereignisses mache es leichter.

Unlängst hat sie mit einigen Mitstreiterinnen das famose Kochbuch „Fröndenberger Topfgeschichten“ herausgegeben, das Hausmannskost-Rezepte enthält. Ach, so – autogenes Training macht sie auch. Ja, dann...

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