Freck wird’s – aber FDP bremste CDU bei Kandidatenkür aus

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Diesen Moment wollte sich CDU-Chef Olaf Lauschner nicht nehmen lassen: eine Pressekonferenz mit allem Brimborium. Um zu lüften, was längst nicht mehr geheim war. Freck soll Bürgermeister werden.

Fröndenberg

, 13.11.2019, 18:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Olaf Lauschner unterlief gleich zu Beginn der Pressekonferenz ein Freudscher Versprecher. Man wolle heute „unseren Bürgermeister offiziell vorstellen“, sagte der CDU-Stadtverbandschef am Mittwochabend im Beisein der Partei- und Fraktionsspitzen von Union und FDP. Die Entscheidung, ob der gemeinsame Kandidat es tatsächlich wird, fällt freilich erst am 13. September 2020. Auf den Tag genau zehn Monate vor dem Wahltermin wollten die beiden Parteien erstmal ihren Kandidaten dafür vorstellen.

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Lauschner und Konsorten brachen also ihr beharrliches Schweigen und verkündeten, was nach der Recherche dieser Redaktion längst klar war: Heinz Günter Freck, Beigeordneter der Stadt Fröndenberg, ist designierter Bürgermeisterkandidat von CDU und FDP. Bei letzterer haben kürzlich bereits die Mitglieder über die Personalie abgestimmt, die Union will im Laufe des Dezembers das offizielle Votum der Parteibasis einholen.

CDU hat Freck im Mai auf mögliche Kandidatur angesprochen

Bei der CDU waren Parteichef Olaf Lauschner und Fraktionschef Gerd Greczka die treibenden Kräfte, wie sie nun sagten. Demnach haben sie den 58-Jährigen bereits kurz nach dessen Wiederwahl als Beigeordneter im Mai angesprochen, sich nach Frecks Ja-Wort die Legitimation vom geschäftsführenden Vorstand für Gespräche mit anderen Parteien geholt. Beide dementierten am Mittwoch, dass sie bereits vor dem Vorstandsbeschluss auf Partnersuche gegangen seien – zuletzt war aus informierten Kreisen Gegenteiliges zu hören. Zumindest räumte das CDU-Führungsduo ein, dass es von Anfang an ein breites Parteienbündnis im Kopf gehabt hätte.

Freck wird’s – aber FDP bremste CDU bei Kandidatenkür aus

Heinz-Günter Freck mit Ehefrau Claudia und umringt von den Partei- und Fraktionsspitzen von CDU und FDP: Olaf Lauschner (links), Dr. Elmar Jobs (2.v.l.), Gerd Greczka (2.v.r.) und Andreas Wette (rechts). © Alexander Heine

Das sei denn auch der Grund für die Verzögerungen bezüglich der Bekanntgabe der Personalie gewesen, die zunächst für September, dann für Oktober geplant war. Man wollte wenigstens die FDP mit am Tisch sitzen haben. Und die brauchte eben ihre Zeit für den Entscheidungsprozess.

Im Sommer auf die anderen Parteien zugegangen

Die ersten, konkreten Gespräche über Freck als möglichen Gemeinschaftskandidaten habe es bereits im Sommer gegeben, sagte FDP-Parteichef Dr. Elmar Jobs, ob des konkreten Personalvorschlags vonseiten der CDU „durchaus überrascht gewesen“ zu sein. Freck sei aber genau der richtige Mann. Warum die CDU Fröndenberg über ihren Facebook-Account einen Bericht unserer Zeitung über die designierte Kandidatur Frecks zunächst bestätigte, den Eintrag nach wenigen Stunden aber wieder löschte – dazu hüllten sich Lauschner und Greczka im Unwissen. Sie wüssten auch nicht, wer dafür verantwortlich gewesen sei.

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Freck, der nach eigenen Angaben seit über 35 Jahren Mitglied der CDU ist, versteht sich unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit als überparteilicher Kandidat. Er sei „aus Überzeugung“ eingetreten, habe aber abgesehen von einem kurzen Engagement zu Beginn seiner Mitgliedschaft nie ein Amt innegehabt, geschweige denn eine Parteikarriere angestrebt. Er ist durch und durch verwaltungserfahren: fast 40 Jahre im öffentlichen Dienst, davon über 20 Jahre in leitender Funktion – und seit über acht Jahren als Beigeordneter an der Spitze der Stadt Fröndenberg.

Freck will auch als Bürgermeister nicht nach Fröndenberg ziehen

Gegen den jetzigen Bürgermeister und seinen Chef wäre er nicht angetreten, resümierte Freck „tolle gemeinsame Jahre“ mit Friedrich-Wilhelm Rebbe (SPD). Selbst als der angekündigt habe, nicht erneut antreten zu wollen, habe er nicht über eine eigene Kandidatur nachgedacht. Erst die CDU-Oberen hätten ihn von der Idee überzeugt, so der Werler, der seinen Wohnort übrigens auch als Bürgermeister nicht nach Fröndenberg verlegen würde. „Der Wohnort kann nicht das Kriterium für einen guten Bürgermeister sein, ich möchte aus der Arbeit heraus ein guter Bürgermeister sein.“

Freck wird’s – aber FDP bremste CDU bei Kandidatenkür aus

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Claudia wohnt Heinz-Günter Freck in Werl – und das würde wohl auch nach einer erfolgreichen Bürgermeisterwahl so bleiben. © Alexander Heine

„Ich sehe meine Rolle als anpackender und anschiebender Moderator.“
Heinz-Günter Freck

Freck nimmt für sich in Anspruch, sich nicht von parteipolitischen Präferenzen leiten zu lassen. Er wolle Sachentscheidungen in den Vordergrund stellen und verstehe sich „als anpackender und anschiebender Moderator“. Politik und Verwaltung hätten in Fröndenberg viele Themen und Projekte auf den Weg gebracht, hätten aber auch noch viel vor sich. Die bevorstehende Innenstadtsanierung, den Feuerwehrbedarfsplan mit seinen Konseqeunzen für die Struktur der Gerätehäuser und die Schulsanierung nannte Freck als Beispiele. Dazu Breitbandausbau und Digitalisierung und aktive Ansiedlungspolitik etwa mit Blick auf das Schürenfeld. „Und ich will weiterhin die Finanzen im Blick behalten“, so der Beigeordnete, der als Kämmerer gleichzeitig auch Herr der Zahlen in Fröndenberg ist.

FDP von Frecks Überparteilichkeit überzeugt

Die Parteispitzen von CDU und FDP sind zuversichtlich, mit Freck als Kandidaten die Bürgermeisterwahl gewinnen zu können. Er erfülle den Anspruch der CDU, so Olaf Lauschner: Er sei nah an den Menschen, habe Fachkenntnisse und Führungsqualitäten, sei Ideengeber, Repräsentant, Integrationsfigur und Moderator. „Seine einstimmige Wiederwahl als Beigeordneter durch den Rat spricht eindeutig für ihn“, so der CDU-Parteichef. Für die FDP sagte Jobs: „Wir sind überzeugt, dass wir einen sachlichen Kopf an der Spitze dieser Stadt brauchen. Herr Freck kennt diese Stadt gut, ist kein Kandidat aus dem Off und überzeugt grundsätzlich mit Überparteilichkeit.“

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