Heimatpfleger machen Namen von Gefallenen des Ersten Weltkriegs ausfindig

Kirchspiel Frömern

In Schlachten des Ersten Weltkriegs starben sie oft wenige Monate vor der deutschen Kapitulation: Im Kirchspiel Frömern sind bisher unbekannte Namen gefallener Dorfbewohner aufgetaucht.

Fröndenberg

, 27.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heimatpfleger machen Namen von Gefallenen des Ersten Weltkriegs ausfindig

Die Ortsheimatpfleger Alfred Leider (l.) und Gerd Höneise wollen gemeinsam mit Annemarie Schlautmann, Presbyterin aus Kessebüren, an die Gefallenen des Kirchspiels Frömern erinnern. © Land

Die Kapitulation des Deutschen Kaiserreiches und die Revolution in Deutschland liegen am 11. November ein ganzes Jahrhundert zurück. Als Ortsheimatpfleger fragte sich Alfred Leider, in welchem Maß sein Heimatdorf Frömern von den schicksalhaften Ereignissen betroffen war. Vieler Gefallenen, die namentlich bekannt sind, wird seit jeher im Kirchspiel Frömern gedacht - ob im Turmraum der Johanneskirche, am Ehrenmal in Ostbüren oder auch in einer Ortschronik in Kessebüren. „Für mich war es ein Anliegen herauszufinden, ob es da noch weitere Namen gibt, die wir nicht kennen“, beschreibt Alfred Leider das Projekt, an dem er zwei Jahre arbeitete. Und in das er seinen Kollegen Gerd Höneise, den Ortsheimatpfleger von Ostbüren, mit einbezog. „Wir haben uns auf die Gefallenen, die in Lazaretten oder durch sonstige Kriegseinwirkungen gestorben sind, konzentriert“, erklärt Alfred Leider.

Der Blutzoll, den Ostbüren entrichtet, ist höher als im Deutschen Reich

Zu Kriegsbeginn am 1. August 1914 besteht das Kirchspiel aus drei kleinen Dörfern: Frömern hat 460 Einwohner, Ostbüren 445 und Kessebüren zählt gerade 250 Seelen. Mit insgesamt 243 eingezogenen Soldaten leistet auch die Landbevölkerung ihre vaterländische Pflicht - und entrichtet zum Teil höheren Blutzoll als das Reich als Ganzes, das rund 15 Prozent Tote bei 13,25 Millionen Kriegsteilnehmern zu beklagen hat. Ostbüren erreicht mit 21 Prozent gefallener Soldaten eine traurige Quote. Diese Fakten sind neue Erkenntnisse, die den Recherchen der beiden Heimathistoriker zu verdanken sind.

Recherchen im Internet fördern bisher unbekannte Namen zu Tage

Im Internet durchforsteten sie ellenlange Verlustlisten. „Wir haben dort überraschender Weise Namen aus dem Kirchspiel gefunden, die wir noch nicht kannten“, erzählt Alfred Leider. Bis in die letzten Kriegstage mussten demnach 109 Männer aus Frömern, 89 aus Ostbüren und 55 aus Kessebüren an die Front. „Die Zahlen müssen nicht restlos vollständig sein“, weiß Alfred Leider. Dazu reicht die Quellenlage nicht aus.

Heimatpfleger machen Namen von Gefallenen des Ersten Weltkriegs ausfindig

Alfred Leider (l.), hier mit seinem Kollegen Gerd Höneise, organisiert in der Johanneskirche eine kleine Ausstellung mit Dokumenten der gefallenen Soldaten sowie Todesnazeigen aus dem Hellweger Anzeiger. © Land

Dennoch: Die gefundenen Angaben, Soldbücher und Militärpässe ermöglichten es Leider und Höneise sogar, sehr detaillierte Datenblätter über die „Kriegskarrieren“ der am Anfang zwar sicherlich häufig begeistert einrückenden, aber nach fünf Jahren Krieg tief zermürbten, versehrten oder gar gefallenen Männer aus dem Kirchspiel anzufertigen.

In ihrer Feldpost mussten die Soldaten über das Kriegsgeschehen schweigen

Feldpost an die Familie lag zwar immer schon in größeren Mengen vor, da die Soldaten bald im Zwei-Wochen-Rhythmus an die Heimat schrieben. So wünschten sich die oft sehr jungen Männer frische Kleidung oder Päckchen mit Kuchen und Schinken. „Schreibt bald“, so Gerd Höneise, sei oft auf den Postkarten zu lesen: „Sie wollten die Verbindung zu ihrem Zuhause halten.“ Über das Kriegsgeschehen aber liest man in der Post so gut wie nichts: Der Briefverkehr wurde von der Reichswehr zensiert. Ihre hartnäckige Suche hat sich für die Heimatpfleger auch in dieser Hinsicht ausgezahlt: „Man kann mit den Angaben nun teilweise nachvollziehen, wo die Soldaten im Krieg überall gewesen sind“, fügt Gerd Höneise hinzu, der wie Alfred Leider auch Nachfahren, die noch im Kirchspiel leben, befragte und in alten Familiendokumenten recherchierte. Nach 100 Jahren ist die Erinnerung an die gefallenen Groß- und Urgroßväter bei ihren Nachfahren im Kirchspiel - allein in Frömern leben noch zwölf von 16 betroffenen Familien - verblasst. „Durch die Befragung ist Interesse geweckt worden“, freut sich Gerd Höneise. Darauf haben die beiden Ortsheimatpfleger gehofft.

Gedenkgottesdienst genau 100 Jahre nach dem Waffenstillstand

Denn ihre Entdeckungen wollen sie noch mit einer Ehrung und einer Mahnung verbinden: Bei einem Gottesdienst am Sonntag, 11. November, in der Johanneskirche, sollen die recherchierten Namen verlesen und die gefallenen Männer so genau 100 Jahre später geehrt werden. Alfred Leider mahnt: „Durch einen Krieg verlieren alle - auch die sogenannten Gewinner.“

Jetzt lesen

  • In der Johanneskirche zu Frömern wird am Sonntag, 11. November, im Rahmen des Gottesdienstes der Gefallenen des Ersten Weltkrieges gedacht.
  • Pfarrer Philipp Reis: „Es soll uns die Sinne schärfen dafür, dass ein Krieg in Zukunft nie wieder geschehen darf.“
  • Alfred Leider hat eine kleine Ausstellung organisiert: In einer Vitrine und an Stellwänden werden historische Dokumente wie Militärpässe, Soldbücher oder auch Todesanzeigen gezeigt.
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