Dennis Köchling ist Verfahrenstechnologe und in seinem Bereich der beste Azubi in NRW. Das Fröndenberger Unternehmen Schmöle ist stolz auf ihn. Studienabbrecher seien gefragte Mitarbeiter.

Fröndenberg

, 18.12.2018, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach seiner Ferienarbeit bei Schmöle hatte Dennis Köchling als Schüler durchaus Interesse, später einmal einen technisch-handwerklichen Beruf zu lernen. Doch ernsthaft dachte der inzwischen 28-Jährige, der in Balve aufgewachsen ist, damals nicht darüber nach. Schließlich geht man nach dem Abitur studieren. Das machen alle. Das sei ja ganz selbstverständlich.

Handwerk und Technik suchen gute Auszubildende

So tickte der junge Balver Abiturient, als er sich damals für Geschichte und Theologie auf Lehramt einschrieb. Und so denken weiter viele Schülerinnen und Schüler, während Unternehmen aus den Bereichen Handwerk und Technik händeringend nach guten Auszubildenden suchen.

Das beobachtet Prokurist Udo Klee, der beim Fröndenberger Unternehmen Schmöle unter anderem die Auszubildenden betreut. Und Studien wie die des deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem vergangenen Jahr machen deutlich: Fast jeder Dritte bricht sein Studium wieder ab. Besonders hoch ist die Abbrecherquote nach Ergebnissen der Einrichtung bei den Bachelorstudiengängen in den Geisteswissenschaften.

„Rückblickend war es das Beste, was ich machen konnte, definitiv die beste Entscheidung.“

Auch Dennis Köchling entscheidet sich für den Abbruch

„Rückblickend war es das Beste, was ich machen konnte, definitiv die beste Entscheidung“, sagt Abbrecher Dennis Köchling. Das Studium war ihm „deutlich zu theoretisch“, fern ab des beruflichen Alltags. Bei Schmöle ging es direkt in die Werkhallen und an die Maschinen. Inzwischen ist Dennis Köchling als Verfahrensmechaniker für Nichteisenmetallumformung (heute heißt es Verfahrenstechnologe), der beste Auszubildende in ganz NRW.

„Ich bin mir sicher, Herr Köchling wäre auch ein guter Lehrer geworden, aber wir sind froh, dass er hier ist“, sagt Prokurist Udo Klee, während er durch die Werkhallen des Schmöle-Standorts an der Westicker Straße führt. Hier ist es hell, laut, die schweren Maschinen sind in Bewegung, die Luft riecht förmlich nach Arbeit. Eine ganz andere Atmosphäre als der Vorlesungssaal; man ist direkt mitten dort, wo etwas passiert.

Handwerk und Technik nehmen Studienabbrecher mit Kusshand

Während seiner Ausbildung bei Schmöle hat Dennis Köchling gelernt, die technischen Vorgänge großer, komplexer Machinen zu steuern und zu überwachen. © UDO HENNES

Rohre bekommen mit verschiedenen Verfahren Rippen

Das Unternehmen stellt an der Westicker Straße mit verschiedenen Verfahren Rippenrohre aus Edelstahl her. Entweder werden die Rippen gewalzt, oder regelrecht aufgewickelt. Durch die Rippen vergrößere sich die Oberfläche der Rohre, das habe Auswirkungen auf den Wärmeaustausch, erklärt Köchling. Udo Klee könnte sich vorstellen, dass der 28-Jährige irgendwann in andere Unternehmensbereiche wechselt. „Bei Schmöle können sich die Mitarbeiter weiterentwickeln“, sagt er. Aber zunächst braucht Klee den Berufseinsteiger genau dort, wo er jetzt ist.

Schmöle bildet Industriekaufleute und Verfahrenstechnologen aus. Rund acht Azubis kann das Unternehmen beschäftigen. „Noch gelingt es uns, gute Auszubildende zu finden“, sagt Klee. Aber in der Tat interessierten sich für den technischen Bereich immer weniger junge Menschen. Zum einen gebe es weniger Bewerber aufgrund des demografischen Wandels. Junge Leute würden seltener in der Region. Zum anderen gehe der Trend zum Studium oder zu Verwaltungs- und kaufmännischen Ausbildungsberufen.

„Wir konzentrieren uns auf eine Aufgabe – mit unzähligen Möglichkeiten“, wirbt das Fröndenberger Unternehmen: Schmöle entwickelt und produziert Rippenrohre und Wärmetauscherkomponenten. An drei Standorten in Westick, Menden und Ardey mit einer Gesamtfläche von 19.000 Quadratmetern mit 178 Mitarbeitern produziert das Unternehmen - und macht so etwa 35 Millionen Euro Umsatz. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1853 zurück.

Die Auszubildenden durchlaufen bei Schmöle alle Fertigungsbereiche, lernen dreieinhalb Jahre lang. Im Betrieb und an einer Berufsschule in Iserlohn. „Herr Köchling hätte nur ein Jahr gebraucht“, scherzt Udo Klee.

Studienabbrecher werden in der Regel gute Auszubildende

Sein junger Mitarbeiter sei einfach eine „coole Socke“ und „menschlich gut“. Deshalb richtet Köchling einen Appell an alle Studienabbrecher. „Sich nach der Schulzeit erst einmal ausprobieren ist keine Schande“. Studienabbrecher werden bei Betrieben wie Schmöle gerne gesehen, denn sie sind reifer und zielstrebiger als die zum Teil sehr jungen Azubis, die direkt aus der Schule kommen.

„Die haben oft einfach keinen Respekt vor dem Ausbildungsberuf“, sagt Köchling selbst. Bei vielen Mitschülern an der Berufsschule habe er das beobachtet. „Bei mir würden die alle rausfliegen“, fügt er hinzu. Das mache deutlich, so Prokurist Udo Klee, dass der Ausbildung, den technischen und handwerklichen Berufen wieder mehr Respekt entgegengebracht werden müsse.

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