Die Fröndenberger Seifenschwestern stellen handgemachte und umweltfreundliche Seife her. Die Produktion für den Frühling hat bereits begonnen. Auch das Veterinäramt schaut regelmäßig vorbei.

Fröndenberg

, 28.02.2020, 13:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein kleines, heimeliges Arbeitszimmer in Fröndenberg. Was auf den Blechen in den Bäcker-Regalwägen liegt, erinnert entfernt an Weihnachtsplätzchen. Allerdings erfüllt ein durchdringender Zitrusgeruch die Werkstatt der Seifenschwestern.

Hier stellen die Freundinnen Katrin Thiede und Silke Hebgen ihre handgemachte Seife her, lassen sie aushärten, verpacken und verschicken sie anschließend. Dort produzieren die Seifenschwestern die unterschiedlichsten Seifenarten. Bei ihnen gibt es Milchseifen, Duschseifen, Salzseifen, Tierfellseifen, Rasierseifen, Handseifen, Putzseifen und Shampooseifen. „Da findet jeder etwas für sich.“

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Herstellung der Seife

  • Seife kann laut Thiede recht schnell und unkompliziert hergestellt werden. Zuerst müssen dafür die Zutaten, vor allem Laugen und Fette, püriert und miteinander vermischt werden.
  • Anschließend werden sie in bestimmte Formen gefüllt und müssen für einen Tag ruhen. „Die sehen zu dem Zeitpunkt aus wie Kartoffelsuppe.“
  • Sobald sie ausgehärtet sind, kann die Seife auf ihre Endform geschnitten und auf Wunsch auch gestempelt werden.
  • Danach müssen die Seifen noch vier bis sechs Wochen liegen, damit sie milder werden, bevor sie schlussendlich verkauft werden können.
Lange Vorbereitungszeit

Mehr als dreißig verschiedene Sorten Seife haben die Seifenschwestern. „In der Weihnachtszeit, wenn wir vorproduzieren, kann es dann schon mal eng werden in unserer Werkstatt“, sagt Thiede grinsend.

Da Seife wochenlang liegen muss, begann für die Seifenschwestern schon im September die Produktion für die Weihnachtsmärkte. „Im Oktober muss alles fertig sein“, sagt Thiede. Mal eben etwas nachproduzieren sei nicht möglich. „Das ist ein Glücksspiel.“

Die Seifenschwestern müssten raten, welche Produkte bei den Kunden gut ankommen. „Dabei erleben wir manchmal eine Überraschung.“ Es sei spannend zu sehen, welche Produkte am Ende beliebt seien und welche nicht. „Natürlich hat man auch immer Sachen dabei, die ein Griff ins Klo sind.“ So zum Beispiel die Pfefferminzseife, von der sich die Seifenschwestern viel versprochen hatten. „Die wollte aber keiner haben.“

Verrückte Produkte wie Filzseifen

„Zitrus geht immer“, sagt Thiede. Auch Klassiker wie Lavendel oder Melissenseifen würden sich großer Beliebtheit erfreuen. Aber auch verrücktere Produkte finden ihren Käufer. Zum Beispiel die Filzseife. „Das ist wie eine Seife im festen Waschlappen.“ Die würde der Haut gleich ein Peeling dazugeben.

Aber auch die Bierseife habe sich als Verkaufsschlager herausgestellt. „Ganz viele haben die als Geschenke für Freunde gekauft“, erzählt Thiede. Oder die Kohleseife: Pechschwarz und mit einem intensiven Geruch nach verbranntem Holz.

Die Seifenschwestern aus Fröndenberg bieten keine 0815-Seifen an. Bei ihnen gibt es auch verrückte Produkte wie die Filzseife oder die Bierseife.

Die Seifenschwestern aus Fröndenberg bieten keine 0815-Seifen an. Bei ihnen gibt es auch verrückte Produkte wie die Filzseife oder die Bierseife. © Lisa Dröttboom

In ihrer Anfangszeit hat die gelernte Konditorin viel herumprobiert. „Ich habe Seife mit Gurke und Banane gemacht“, erzählt sie lachend. „Man kann wirklich unglaublich viel machen.“ Auch eine politische Seife haben sie jüngst hergestellt.

Besuch vom Veterinäramt

Viele Seifen, die sie für Kunden produzieren, lassen sich dabei mit Stempeln individualisieren. „Wir haben Seife in Busform für die VKU hergestellt“, erzählt Thiede. Aber auch viele Ehepaare würden sich Seife mit ihren Initialen wünschen. „Im vergangenen Jahr haben wir viele Anfragen von Imkern erhalten, die sich Seife mit ihrem eigenen Honig gewünscht haben.“

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Die Produktion bringe aber auch noch etwas anderes mit sich. „Es ist auch sehr viel Bürokratie“, sagt Thiede und zieht die Nase kraus. Immerhin müsse jede neue Seife offiziell eingetragen und ausgeflaggt werden. Auch das Veterinäramt schaue regelmäßig zur Kontrolle bei ihnen vorbei. „Die sind auch für Kosmetik zuständig.“

Achten aufs Klima

Zu jeder Seife bekomme man einen Zettel mit den Zutaten. „Aber das versteht ja keiner.“ Deswegen haben die Seifenschwestern auf die Innenseite noch einmal in eigenen Worten aufgeschrieben, was sich in ihren Seifen befindet.

Wichtig ist ihnen dabei: „Wir benutzen kein Palmöl.“

Mit ihren Papiertüten, plastikalternativen Verpackungen und Zutaten achten die Seifenschwestern darauf, umweltfreundlich zu sein. „Bei uns gibt es kein Mikroplastik.“ Das sei nicht nur ihnen, sondern auch ihren Kunden wichtig.

„Am Anfang sind wir für das, was wir machen, belächelt worden. Jetzt nimmt die Nachfrage immer mehr zu.“ Nur regionale Produkte, die könnten sie nicht anbieten. „Das ist gar nicht möglich. Manches wächst hier einfach nicht.“

Produktion für Frühling begonnen

Derzeit beginnt die Produktion für die ersten Frühlingsmärkte. Auch auf dem Bauernmarkt in Fröndenberg werden die Seifenschwestern dabei sein. „Aber nicht auf dem Frühlingsmarkt“, betont Thiede. Auf diesen hätten sie dieses Jahr wegen einer Terminüberschneidung verzichten müssen.

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Für die nächsten Märkte ist auch ein neues Kleid in Arbeit. Bisher waren die Seifenschwestern immer in mittelalterlicher Kleidung unterwegs. „Aber die Kleider sind zu lang. Wir sind zu oft gestolpert.“ Stattdessen soll es nun ein bäuerlicher Stil werden.

Aber wie viel muss man eigentlich für ihre Seife bezahlen? Rund drei Euro sind es für ein Stück, das bei täglicher Pflege und kurzen Haaren durchaus vier Wochen halten kann. „Es ist ein fairer Preis“, sagt Thiede. „Es ist Handarbeit, aber es kann sich jeder leisten.“

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