Gute Vorsätze für 2020 gelingen schon im Taxi in der Silvesternacht

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In der Silvesternacht ist das Taxi wieder das begehrteste Fortbewegungsmittel. Die Betriebe in Fröndenberg sind wenige Tage vor dem Jahreswechsel teils schon ausgebucht. Doch es gibt Mitfahrchancen.

Fröndenberg

, 29.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in Altendorf ins neue Jahr feiert und in der Silvesternacht noch daheim nach Bentrop kommen muss, hat einen langen Weg vor sich. Ist Alkohol geflossen, bleibt da meist nur ein Taxi – die Betriebe haben daher auch in Fröndenberg zum Jahreswechsel wieder Hochkonjunktur.

»Wir hatten es schon, dass wir um zehn vor Zwölf Fahrgäste abholen sollten.«
Taxiunternehmerin Edeltraud Meyer-Pingel

„Wir sind komplett voll“, heißt es bei Taxi Bärbel schon fünf Tage vor der letzten Nacht des alten Jahres. Für sämtliche Fahrten muss Inhaberin Bärbel Siefert einen Plan ausarbeiten, damit alle bestellten Fahrtwünsche von A nach B und von C nach D unter einen Hut zu bringen sind – eine logistische Herausforderung.

Sieht Bärbel Siefert für Silvester überhaupt noch Chancen, kurzfristig einen warmen Sitzplatz in einem ihrer Wagen zu ergattern? „Nur wenn jemand abspringt, aber das ist selten“, weiß die Taxiunternehmerin am Bahnhof.

Zumindest am Freitag gab es bei Taxi Meyer-Pingel für die Silvesternacht noch freie Plätze in den Fahrzeugen. Edeltraud Meyer-Pingel führt den Betrieb bereits seit 1980, ihre Eltern gründeten das Unternehmen am Thabrauck 1954.

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Gute Vorsätze für 2020 gelingen schon im Taxi in der Silvesternacht

Das Taxameter muss im Pflichtfahrgebiet, also für Fröndenberger Taxis das Kreisgebiet Unna, eingeschaltet werden; darüber hinaus kann der Fahrpreis verhandelt werden. © Stephan Teine

Zur Sache

Ermäßigter Tarif im Frauen-Nachttaxi

  • Einige Städte in Süddeutschland wie zum Beispiel Viernheim, Heidelberg und Mannheim haben das Frauen-Nachttaxi eingeführt.
  • Mädchen ab 14 Jahre und Frauen, die sich nicht in männlicher Begleitung eines mindestens 15-Jährigen befinden, fahren zu einem ermäßigten Taxitarif.
  • Die Stadträte geben einen festen Zuschuss zum Fahrpreis, der nach der Fahrt vom regulären Tarif abgezogen wird.
  • Die Regelung soll für die gefährdeteren Frauen einen sicheren nächtlichen Heimweg gewährleisten.
  • Nach dem Personenbeförderungsgesetz beschließt für kreisangehörige Kommunen der Kreistag die Taxi-Tarife; im Kreis Unna gibt es einen solchen Frauen-Nachttarif nicht.
  • Die Fröndenberger Taxiunternehmerin Edeltraud Meyer-Pingel hält den Frauen-Nachttarif grundsätzlich für eine gute Sache, auch wenn er besonders in Großstädten sinnvoll sei.

In 65 Jahren hat der Taxibetrieb so seine Erfahrungen mit dem Chauffieren von Fahrgästen vom alten ins neue Jahr gemacht.

„Wir hatten es schon, dass wir um zehn vor Zwölf Fahrgäste abholen sollten“, erinnert sich die Inhaberin – ob der Sekt auf jener Silvesterparty sauer aufgestoßen ist, hat sie nie erfahren, fiele aber sicherlich auch unter den Vertrauensschutz ihrer Kunden.

Ihre Fahrer haben naturgemäß eine sehr kurze Partynacht. Ins neue Jahr reinfeiern mit ihren Familien können sie wohl noch knapp. Denn der Dienst beginnt für die meisten erst gegen 0.15 Uhr. „Aber sie müssen mit Wasser anstoßen“, sagt die Chefin.

Ihre sechs Fahrzeuge sind mindestens bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen unterwegs, aber auch Fahrten bis 8 Uhr sind keine Seltenheit. Die Rushhour ist aber zu einer anderen Stunde.

Taxifahrer müssen Silvester mit Wasser anstoßen

„2 Uhr ist eine ganz schlechte Zeit“, sagt Edeltraud Meyer-Pingel schmunzelnd. Wer für diese hochanständige Uhrzeit ein Taxi ordern möchte, hat keine guten Karten, weil sich dann die meisten Partygäste nach ihrem Bett sehnen.

„2 Uhr ist eine ganz schlechte Zeit.“
Edeltraud Meyer-Pingel

Auch bei Meyer-Pingel ist die Regel, dass sich ihre Taxis auf Vorbestellung und nach Anruf in Bewegung setzen. Wer die Bestellung versäumt oder mit dem Anruf an Silvester kein Glück hat, muss dennoch nicht unbedingt zu Fuß gehen.

Sieht man ein besetztes Taxi, lohnt es sich durchaus am Straßenrand zu winken. „Wenn die anderen Fahrgäste einverstanden sind, kann man die Leute einsteigen lassen“, weiß Edeltraud Meyer-Pingel.

Diesen feinen Zug hat sie auch schon erlebt – vielleicht ist eine solche Taxigemeinschaft ja der erste gute Vorsatz für 2020.

Info

Fakten zum Taxifahren

  • Der Taxifahrer ist verpflichtet, unaufgefordert die kürzeste oder kostengünstigste Fahrtstrecke zu wählen, sofern der Kunde nicht die Strecke festlegt.
  • Das Taxameter muss innerhalb des Pflichtfahrgebietes, das für Fröndenberger Unternehmen der Kreis Unna ist, eingeschaltet sein. Soll die Fahrt außerhalb dieses Gebietes führen, ist der feste Tarif, der am Betriebssitz gilt, nicht mehr bindend; Fahrer und Fahrgast können sich vor Fahrtantritt über einen abweichenden Fahrpreis einigen.
  • Innerhalb des Pflichtfahrgebietes besteht eine Beförderungspflicht. Der Taxifahrer darf eine Fahrt also nicht willkürlich ablehnen, zum Beispiel wegen der Person des Kunden, der Länge der Fahrstrecke oder wegen des Ziels.
  • Der Taxifahrer darf die Beförderung ablehnen, wenn die Betriebssicherheit gefährdet ist. Das kann an einer erheblichen Alkoholisierung des Fahrgastes liegen, wenn dieser aggressiv oder bewaffnet ist oder das Fahrzeug verschmutzt, auch ein großer oder nicht angeleinter Hund ist ein Ablehnungsgrund. Ebenso eine offensichtliche Zahlungsunfähigkeit des Fahrgastes.
  • Ein Kunde ist nicht verpflichtet, am Taxistand das erste Taxi der Warteschlange zu wählen, sondern er darf sich das Taxi aus der Warteschlange frei auswählen.
  • Taxis dürfen wenn möglich in zweiter Reihe halten oder parken und Fahrgäste ein- oder aussteigen lassen.

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