Grüne Bebauungspläne tun dem Fröndenberger Öko-Konto gut

dzAusgleichsflächen

Mit den Grundstückspreisen steigen auch die Kosten für den Ausgleich versiegelter Flächen. Dabei können grüne Gärten bei der Kompensation mehr helfen als Steingärten. Noch ist Fröndenbergs Öko-Konto aber positiv.

Fröndenberg

, 19.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Im Gegenzug zu jedem Neubaugebiet in der Stadt muss an anderer Stelle eine ökologische Zone geschaffen werden. Der Grunderwerb für diese Ausgleichsflächen wird aber immer schwieriger. Grund: Die Flächen, die auf dem Markt sind, werden weniger, und die Preise steigen.

Grüne Bebauungspläne tun dem Fröndenberger Öko-Konto gut

In Stentrop ist im Zuge des Ausgleichsflächenmanagements vor einigen Jahren diese artenreiche Wiese angelegt worden. © Kreis Unna

Eingriffe durch Flächenversiegelung müssen ausgeglichen werden

Das System ist einleuchtend: Wird in die Natur eingegriffen, soll an anderer Stelle der Verlust an Flora und Fauna aufgefangen werden. Das kann in unmittelbarer Nähe des Baugebietes geschehen oder sogar über die Stadtgrenzen hinaus, wenn sich sonst keine geeigneten Flächen finden lassen. Ein anschauliches Beispiel, wo Baugebiet und Ausgleichsfläche sogar benachbart sind, findet sich in Langschede: Hinter dem neuen Wohngebiet am Haferkamp ist eine artenreiche Rinderweide angelegt worden.

»Der ökolgische Schaden kann mal größer, mal kleiner sein.«
Peter Driesch, Fachbereichsleiter Natur und Umwelt beim Kreis

Die bisher geschaffenen Ausgleichsflächen liegen in den fünf Stadtteilen Dellwig, Strickherdicke, Langschede, Stentrop und Bentrop. Unter den ökologisch aufgewerteten Arealen befinden sich zum Beispiel Krautraine als Pufferflächen zu landwirtschaftlichen Äckern wie in Bentrop, auch Feldhecken und Baumreihen oder Kleingewässer wie im Ruhrtal bis hin zu Ackerland, das in artenreiches Grünland umgewandelt wird.

Grüne Bebauungspläne tun dem Fröndenberger Öko-Konto gut

2015 zog der Kreis Unna nach zehn Jahren Ausgleichsflächenmanagement in Fröndenberg bereits eine positive Bilanz. „Wir haben die Flächen nicht nur ökologisch aufgewertet, es sieht auch noch schön aus“, sagte damals Ludwig Holzbeck, früherer Fachbereichsleiter Natur und Umwelt. Den „Kleinen Fuchs“ hatte er auf der Wiese in Stentrop erspäht. © Kreis Unna

Flächen werden auf dem Öko-Konto der Stadt verbucht

Die Flächen werden auf dem Öko-Konto der Stadt verbucht. Es gibt auch eine eigene Währung: die sogenannten Biotopwertpunkte. Daher wird zunächst jeder Eingriff in die Natur begutachtet und die betroffenen Flächen auf einer Skala von 0 bis 1 in 0,1er-Schritten bewertet. „Der ökologische Schaden kann mal größer, mal kleiner sein“, erläutert Peter Driesch, Leiter des Fachbereichs Natur und Umwelt beim Kreis Unna.

Grüne Bebauungspläne tun dem Fröndenberger Öko-Konto gut

Dieses Foto zeigt ein als Ausgleich angelegtes Kleingewässer im Ruhrtal. © Kreis Unna

Moorgebiete oder Bachauen erhalten als besonders wertvolle Flächen den höchsten Wert, versiegelte Flächen werden mit 0 bewertet, dazwischen liegen zum Beispiel Ackerflächen mit 0,3 Punkten und Wald mit 0,7 Punkten. Die Eingriffe sind kompensiert, wenn die an anderer Stelle ökologisch aufgewerteten Flächen dieselbe Summe von Punkten erreichen.

Fröndenberg hat ein grünes Guthaben auf dem Kontauszug

Wie kann es dann dazu kommen, dass Fröndenberg ein Plus auf seinem Öko-Konto hat? Das liegt daran, dass die Stadt noch gar nicht anstehende Ausgleichsmaßnahmen vorgezogen hat und in Ostbüren, Bausenhagen sowie Warmen/Frohnhausen drei größere Flächen aufgeforstet wurden. Der Gegenwert an Biotopwertpunkten ist auf dem Öko-Konto verbucht worden. Peter Driesch brachte dem Umweltausschuss jetzt den aktuellen Kontoauszug mit: umgerechnet rund zwei Hektar Ausgleichsfläche besitzt die Stadt aktuell als Guthaben. Das kann sie abbuchen, wenn größere oder kleinere Eingriffe in die Natur, natürlich auch durch die Stadt selbst, anstehen.

Grüne Bebauungspläne tun dem Fröndenberger Öko-Konto gut

Entlang der L 673 bei Bentrop hat der Kreis Unna als Ausgleichsfläche diese Baumreihe angelegt. © Kreis Unna

Neue Ausgleichsflächen zu finden, wird nicht leichter. „Es wird nicht sehr viel verkauft“, sagt Peter Driesch. Das liege auch an Immobilienspekulanten. Auch wenn man in Fröndenberg bislang immer noch fündig geworden sei. Weil bei jedem Bebauungsplan die Eingriffe in die Natur bilanziert werden, spielt auch das Grün vor und hinter dem Eigenheim eine Rolle. „Auch Hausgärten haben einen bestimmten Wert“, so Peter Driesch. Je grüner der Garten umso ökologisch wertvoller ist er und umso weniger Ausgleichsflächen müssen erworben werden. Es sei daher nicht unsinnig, sich Gedanken über den Ausschluss von Steingärten in künftigen Bebauungsplänen zu machen.

Ausgleichsmaßnahmen

Ein Biotopwertpunkt ist 20 Euro wert

  • Der Gegenwert für einen Biotopwertpunkt liegt bei rund 20 Euro. Ausgehend von dem Standardfall, dass Ackerfläche in ein Feuchtgebiet umgewandelt wird, ergibt sich folgende Rechnung: 1 Quadratmeter Ackerfläche wird mit 0,4 Punkten bzw. 8 Euro bewertet.
  • Sind im Baugebiet selbst schon Grünflächen vorgesehen, werden die Eingriffe in die Natur dadurch selbst schon teilweise kompensiert. In der Regel zahlen die Investoren das Ersatzgeld für die Ausgleichsmaßnahmen, die auf Flächen außerhalb der Baugebiet noch erforderlich sind.
  • Die Stadt Fröndenberg hat die Aufgabe, Ausgleichsflächen zu erwerben und aufzuwerten, im Jahr 2005 vertraglich an den Kreis Unna abgegeben.
  • Seitdem haben die Ökologen beim Kreis rund 12 Hektar Flächen als Ausgleich für zehn Bebauungsplanverfahren in der Stadt ökologisch wertvoller gemacht.

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