„Andere Städte könnten sich eine Scheibe abschneiden“, sagt Discgolfer Fabian Purwins. Die Anlage im Hindenburghain lockt auch Peter Hennecke, der schon eine Vereinsgründung im Sinn hat.

Fröndenberg

, 31.08.2018, 10:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Discgolf, „das ist so etwas wie ein Virus – total ansteckend“, sagt Peter Hennecke. Der letztjährige Deutsche Seniorenmeister im Discgolf muss es wissen, steckte er doch auch Bruder Ulrich mit dem Virus an. Doch anders als bei einem Krankheitserreger ist eine möglichst weite Verbreitung durchaus erwünscht. Deshalb denkt Hennecke bereits über eine Vereinsgründung nach, um die noch junge Fröndenberger Anlage als festen Trainingsort zu installieren.

Der ausgebildete Discgolf-Instructor würde gern Übungsstunden anbieten – aber dafür müsste ein Verein gegründet werden

„Nur gelegentliche Aktivitäten an einer Anlage reichen nicht, um Einsteiger an den Sport zu binden“, ist sich der 65-jährige Mendener sicher. Als ausgebildeter Discgolf-Instructor könnte Peter Hennecke auch regelmäßige Übungsstunden anbieten. Doch ohne Absicherung durch einen Verein oder eine Institution wie die Stadtverwaltung wäre das schon allein aus versicherungstechnischen Gründen schwierig. „Im Grunde wären die Bedingungen hier ideal für eine Vereinsgründung“, sagt Hennecke mit Blick auf das Angebot des SC Fröndenberg-Hohenheide, unter dessen Mantel eine Abteilung zu bilden.

Großer Wurf für die Discgolfer

Peter Hennecke will die Fröndenberger Discgolf-Anlage mit mehr Spielern bevölkern und denkt über eine Vereinsgründung nach. © UDO HENNES

Eine ausreichende Anzahl von Gründungsmitgliedern stünde zur Verfügung. Ungefähr 15 bis 20 Discgolfer trainieren bereits regelmäßig auf der Neun-Bahn-Anlage im Hindenburghain. Zudem gibt es auch schon Namen und Logo. Den Namen „Scheibenspechte“ hat Bruder Ulrich Hennecke erfunden, nachdem der geschützte Mittelspecht dem Anliegen der Brüder, in Menden ein Gelände für eine Discgolf-Anlage zu finden, einen Strich durch die Rechnung machte. Die Suche nach Alternativen in Menden läuft. Und deren Ergebnis wollen die Mendener erst abwarten, bevor sie in Fröndenberg eine Vereinsgründung anvisieren.

Die Discgolfer sind ein besonderes Völkchen: „Lauter nette Leute“

Eine Bereicherung wäre es für die Ruhrstadt allemal. „Wir Discgolfer sind nette Leute. Wir sind mit der Natur, das macht uns locker. Uns ist es sogar verboten, Äste abzubrechen“, sagt Ulrich Hennecke. Seit sein Bruder ihn vor dreieinhalb Jahren mit dem Discgolf-Virus infiziert hat, ist der 63-Jährige der feste Trainingspartner. „Und wir sind echte Kampfsäue unter den Discgolfern“, verrät er, dass sie mindestens zweimal in der Woche für mindestens vier bis sechs Stunden mit den flachen Scheiben auf die kettenbesetzten Körbe werfen.

Und das ist schon eine kleine Wissenschaft für sich. In den Caddys, die die beiden älteren Herren mit sich führen – „unsere Discgolf-Rollatoren“, scherzen sie – finden sich jede Menge verschiedene Scheiben. Da gibt es die „Driver“ mit dem flachen, breiten Rand für die weiten Würfe. Dann den „Putter“ mit hohem, schmalen Rand für den stabilen, kurzgezielten Wurf. Die „Midrange“-Scheibe ist hingegen zum Annähern geeignet. Sie ist so eine Art Mittelding zwischen „Driver“ und „Putter“.

Auch beim Discgolf gibt es so etwas wie ein Hole-in-one, dort heißt es aber Ass

„So richtig weit kommen wir Senioren aber nicht mehr“, sagt Ulrich Hennecke. 70 bis 80 Meter, meint er. „Die Jungen schaffen es doppelt so weit“, schwärmt er und greift zum roten Driver. Der Linkshänder holt aus und schleudert die Scheibe aus dem Stand in Richtung Sonnenuhr. Tatsächlich: Der Driver fliegt und fliegt und fliegt, trudelt und kommt weit hinten im Park erst zum Liegen. Dort würde jetzt beim echten Spiel eine kleine Scheibe hingelegt, um die Stelle zu markieren. Wie beim Golf nähern sich die Spieler so Zug um Zug dem Ziel.

Großer Wurf für die Discgolfer

Ulrich Hennecke wurde vor dreieinhalb Jahren von seinem Bruder Peter mit dem Discgolf-Virus angesteckt und ist seither fester Trainingspartner. © UDO HENNES

Es gibt auch so etwas wie ein Hole-in-one. Beim Discgolf heißt das Ass. Und das ist auf der Fröndenberger Anlage einfacher zu werfen als auf anderen. Denn: „Hier gibt es nur relativ kurze Bahnen. Die eignen sich nicht nur gut für Einsteiger, sondern auch für die Profis, um das Annähern zu trainieren“, sagt Peter Hennecke. Als die Stadt die Anlage schuf, hat sie also fast alles richtig gemacht. Fast. Denn was laut Henneckes eindeutig fehlt, sind feste Abwurfstellen. Zum einen wegen der Rutschgefahr, zum anderen, weil Discgolfer ähnlich wie Diskuswerfer nicht übertreten dürfen. „Wir machen es momentan so, dass wir alte Feuerwehrschläuche mit Nägeln im Boden verankern. Die dienen dann als Abwurflinie“, schmunzelt Peter Hennecke über die einstige Idee eines Feuerwehrmannes, der in Henneckes Lünener Verein trainiert.

Zwei Dinge stören die Discgolfer im Hindenburghain dann doch: Vandalismus und Hundekot

Und dann gibt es noch zwei Dinge, die stören, aber nicht nur in Fröndenberg: Vandalismus und Hundekot. „Es ist schon vorgekommen, dass der Kot mit einer Scheibe im Korb landete, weil wir das nicht bemerkt hatten, dass die Scheibe vorher im Hundehaufen gelandet war“, erinnert sich Hennecke schaudernd. Das mit dem Vandalismus, meint er, „das lässt nach, wenn man dranbleibt und die Beschädigungen immer wieder behebt.‘

Wer nun meint, Discgolf sei nur etwas für Herren im gesetzteren Alter, der irrt. Den Beweis treten jede Woche die jungen Spieler der „Enterchainer“, einer Abteilung des TV Deichlinghofen, auf der Anlage im Hindenburghain an. Ihre Begeisterung für die Sportart ist so groß, dass sie sogar manchmal mit dem Fahrrad den weiten Weg auf sich nehmen. „Wir haben in Hemer keine eigene Anlage und die hier ist die nächste in der Umgebung“, berichtet Fabian Purwins von der großen Freude, als vor knapp einem Jahr die Anlage in Fröndenberg eröffnet wurde. „Städte wie Hemer könnten sich eine Scheibe abschneiden von Fröndenberg“, sagt er. Deshalb werden die Hemeraner, die mit ihren Mitgliedern zwischen 24 und 32 Jahren zu den jüngsten organisierten Discgolfern gehören, im Mai 2019 auch die nächste Westfalentour in Fröndenberg ausrichten. „Die eignet sich wunderbar auch für Einsteiger“, sagt Julian Leichert. Wer sich für die Sportart interessiert, kann sich bei ihm melden: Tel. (01578) 0415923.
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