Seit Wochenbeginn dürfen auch Hausärzte den Impfstoff gegen das Coronavirus impfen. © dpa
Impfen

Großer Andrang beim Hausarzt: „Jeder Patient fragt nach, wann er dran ist“

Der Fröndenberger Hausarzt Dr. Huth startete am Mittwoch mit den ersten Impfungen. Er hat klare Forderungen, damit das Impfen in Fröndenberg Fortschritte macht.

Nach dem Osterwochenende beginnt mit dem Impfen in den Hausarztpraxen eine neue Ära im Kampf gegen das Coronavirus. Auch in Fröndenberg haben einige Hausärzte schon losgelegt. Ein Hausarzt stellt dabei klare Forderungen, um den Prozess zu beschleunigen.

30 Impfungen pro Woche

Dr. Thomas Huth hat seine Praxis im Fröndenberger Westen. Er ist „schon mittendrin in der Impfkampagne“, wie er es formuliert. Dienstag hat sein Praxisteam die ersten Patienten angerufen, am Mittwochmittag konnten dann die ersten geimpft werden. Die Nachfrage ist allerdings höher als die gelieferten Impfdosen.

30 Patienten kann Dr. Huth pro Woche mit dem Impfstoff versorgen. „Leider nur 30“, sagt er und hofft, dass die Hausärzte in spätestens zwei Wochen auch größere Mengen der Impfstoffe bekommen. Die aktuelle Menge bezeichnet er als „einfach lächerlich“. „Das haben wir in zwei Stunden geimpft.“

Nachfrage ist groß

Die Nachfrage ist dafür umso größer: „Jeder Patient, der zu uns in die Praxis kommt, fragt nach, wann er dran ist.“ Die meisten müssen vertröstet werden. Denn das Praxisteam muss sich an die Priorisierungslisten halten – und die hält beim Blick in die Akten noch einige Überraschungen bereit: „Ich war selbst erstaunt, wie viele über 90-Jährige noch nicht geimpft sind.“

Die sind als erste an der Reihe. „Die sind alle froh, dass sie endlich dran sind und nicht ins Impfzentrum fahren müssen.“ Nächste Woche sollen dann die über 70-Jährigen und chronisch Kranken folgen.

Dr. Caroline Lohmann, Internistin und Kardiologin, arbeitet jetzt in der Praxis von Dr. Huth in der neuen Mitte in Ardey. Dazu gratulierten nun nicht nur Praxis-Kollege Dr. Thomas Huth, sondern auch Matthias Fischer, Geschäftsführer, sowie Alexander Krawczyk, Prokurist der
Dr. Caroline Lohmann, Internistin und Kardiologin, arbeitet jetzt in der Praxis von Dr. Huth in der neuen Mitte in Ardey. Dazu gratulierten nun nicht nur Praxis-Kollege Dr. Thomas Huth, sondern auch Matthias Fischer, Geschäftsführer, sowie Alexander Krawczyk, Prokurist der UKBS. © Udo Hennes © Udo Hennes

Vor Ort gibt es dann oft noch einige Fragen zu klären. Unter anderem bei der Frage nach dem Impfstoff. „Es fragen viele wegen Astrazeneca.“ Dabei hat Dr. Huth die Erfahrung gemacht, dass vor allem den älteren Patienten der Impfstoff eigentlich egal ist. „Die jüngeren, die über 60-Jährigen, sind skeptischer.“ Die sorgen sich auch eher wegen möglicher Nebenwirkungen.

Astrazeneca zeige zum Beispiel durchaus mehr Nebenwirkungen als Biontech, wie er aus seiner Unterstützung beim Impfen in den Fröndenberger Schulen oder in Unna berichten kann. Da habe er im Nachhinein von vielen Patienten gehört, dass sie mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder anderen Symptomen zu kämpfen hatten.

Mehr Impfdosen gefordert

Anrufen, vorbereiten, aufklären, impfen – das alles läuft bei den Hausärzten neben dem normalen Betrieb. Trotzdem ist Dr. Huth froh, dass das Impfen in den Hausarztpraxen endlich anläuft. Der Aufwand sei überschaubar, auch wenn alles bürokratisch festgehalten werden müsse. „Es ist nicht so großer Aufwand wie in den Impfzentren“, trotz Aufklärung, Einwilligungserklärung, etc. „Wir kennen ja auch die Anamnese unserer Patienten.“

Jetzt gehe es für ihn darum, größere Dosen zu bekommen. „Dann können wir zügig impfen und dafür den Mittwochnachmittag, die Mittage, die Freitage oder auch das Wochenende nutzen.“ Circa zehn Impfungen schafft er pro Stunde. „Das wären 30 bis 40 pro Tag, nicht pro Woche. Wir sind bereit zu impfen, was das Zeug hält.“

Er fordert, dass hier nach Möglichkeiten gesucht werden muss, den Prozess zu steigern. „Wir haben noch Kapazitäten frei und die Stimmung ist gut.“ Ärzte wie Arzthelfer wären bereit, ihr Möglichstes zu tun, um beim Impfen zu helfen. „Jetzt können wir unserer Rolle als Hausärzte gerecht werden und Patienten wie Ärzte sind froh, dass sie in vertrauter Umgebung impfen können. Das hätte man alles schon viel eher machen können.“

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede
Jahrgang 1995, aufgewachsen am Rande Mendens mit mehr Feldern als Häusern drumherum. Zum Studieren nach Köln gezogen, 2016 aber aus Sehnsucht ins Sauerland zurückgekehrt. Hat in der Grundschule ihre Liebe ans Schreiben verloren und ist stets auf der Suche nach spannenden Geschichten.
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Lisa Dröttboom
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