Tücken des Glasfaserausbaus: Muenet gerät beim nächsten Projekt unter Zeitdruck

dzBreitbandversorgung

Der Glasfaserausbau schreitet in den Fröndenberger Dörfern voran. Das nächste geplante Projekt der Firma Muenet könnte dagegen an fehlender Wirtschaftlichkeit oder an einer Straßensanierung scheitern.

Fröndenberg, Warmen

, 03.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Glasfaser bringt das Telekommunikationsunternehmen Muenet derzeit in Ostbüren und in Frömern unter die Erde, auch für die Hohenheide sind die Verträge bereits geschlossen. Ein weiteres Projekt droht zu scheitern.

In Warmen gibt es ebenfalls großes Interesse an sicherem und schnellem Internet. Im Ortsteil an der Ruhr hat sich vor Wochen bereits ein Team gegründet, das bei den Nachbarn für den Ausbau wirbt und auch die nötige Nachfragebündelung in die Hand nehmen will.

Patrick Nettels

Patrick Nettels © Archiv/Heine

»Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Projekt nicht wirtschaftlich, wir arbeiten aber daran, dass es wirtschaftlich wird.«
Patrick Nettels, Geschäftsführer Muenet

Dort wartet man seit geraumer Zeit dringend auf ein Zeichen der Firma Muenet, ob und wann es in Warmen mit dem Breitbandausbau losgehen wird, wie Christof Pulter aus dem Projektteam berichtet.

Glasfaser muss zeitgleich mit Straßenbau verlegt werden

Denn der Faktor Zeit spielt beim Glasfaserausbau in Warmen eine nicht unwesentliche Rolle: Voraussichtlich ab September wird der Landesbetrieb Straßenbau NRW die Landstraße in Warmen sanieren. Und eben dort würde auch ein Teil der Glasfaserleitungen verlaufen.

Patrick Nettels, Geschäftsführer von Muenet, kann allerdings die Signale immer noch nicht auf Grün stellen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Projekt nicht wirtschaftlich“, so Nettels im Gespräch mit dieser Redaktion, „wir arbeiten aber daran, dass es wirtschaftlich wird“.

Der größte Kostenpunkt bei einem Glasfaserprojekt sind die Tiefbauarbeiten. Bislang sei ihm, so Nettels, noch kein Angebot eines Subunternehmens vorgelegt worden, mit dem er einen für die künftigen Glasfaserkunden akzeptablen Preis gestalten könnte.

Tiefbaukosten in Warmen wegen Siedlungsstruktur höher

Es gibt einen plausiblen Grund für die in Warmen deutlich höher liegenden Tiefbaukosten. Denn anders als in Bausenhagen, Frömern, Ostbüren oder auf der Hohenheide ist das Ruhrtaldorf viel stärker zersiedelt.

In dem räumlich zwischen Neimen/Frohnhausen und Bentrop recht langgezogenen Stadtteil liegen die Haushalte, die angeschlossen werden müssten, weit auseinander. Es müsste relativ viel Erdvolumen bewegt werden bei einer Kundenzahl, die vermutlich nur halb so groß wie etwa in Frömern sein wird:

Warmen hat 855 Einwohner, Frömern 1650.

Zur Sache

Mitverlegung der Leerrohre durch Stadt ist fraglich

  • Experten sehen eine Mitverlegung von Leerrohren durch die Stadt Fröndenberg im Zuge der Sanierung der L 673 (Landstraße) in Warmen skeptisch.
  • Die SPD-Fraktion hatte beantragt, dass die Stadt Glasfaserleerrohre auf eigene Kosten verlegen lassen solle, sobald der Landesbetrieb Straßenbau NRW die Landstraße saniert.
  • Tatsächlich gibt es im Telekommunikationsgesetz eine Vorschrift, die die Mitverlegung bei Straßenbauarbeiten regelt.
  • In Paragraf 77i Absatz 3 heißt es, dass Straßeneigentümer „zumutbaren Anträgen“ einer Mitverlegung von Leerrohren stattzugeben haben.
  • Anträge sind laut Gesetz „insbesondere zumutbar, sofern dadurch keine zusätzlichen Kosten für die ursprünglich geplanten Bauarbeiten verursacht werden“.
  • Da aber die L 673 überwiegend eine neue Oberfläche erhalten soll, Glasfaser aber in tieferen Schichten unter der Erde verlegt wird, könnte eine Mitverlegung in Warmen nach Ansicht von Fachleuten an den Mehrkosten hierfür scheitern.

Daneben drängt aber eben auch die Zeit. „Im Juni muss der Auftrag vergeben sein“, weiß Patrick Nettels. Die L 673 soll nämlich ab September auf einem 1,2 Kilometer Teilstück vom Ortseingang aus Richtung Bentrop bis in die Ortsmitte saniert werden.

Muenet müsste seine Glasfaserleitungen auf dem ohnehin geöffneten Straßenabschnitt unter die Erde bringen. „Danach dürfen wir nicht mehr in die Straße rein“, so Nettels. Der Straßenbaulastträger könne für fünf Jahre im Anschluss an eine Straßensanierung die Erlaubnis für erneute Tiefbauarbeiten verwehren.

Nachfragebündelung müsste im Sommer abgeschlossen sein

Sollte Muenet im Juni ein wirtschaftlich machbares Angebot erhalten, müsste danach noch die Nachfragebündelung in Warmen stattfinden. Diese Abfrage unter den Haushalten möchte Patrick Nettels nicht ohne ein belastbares Angebot in Gang setzen.

Bei der Nachfragebündelung müsste eine bestimmte Quote der Haushalte erreicht werden, die ans Glasfasernetz angeschlossen werden wollen. Letztlich ist der Ausbau vollends wirtschaftlich, wenn eine Mindestzahl von Kunden mitmacht.

In Ostbüren mit seinen rund 850 Einwohnern hatte Muenet eine Quote von 200 Haushalten ausgerufen, in Bausenhagen mit rund 500 Einwohnern waren es 100. Coronabedingt muss Warmen vermutlich auch ganz ohne Informationsveranstaltung auskommen.

Die Hoffnung hat Patrick Nettels aber noch längst nicht aufgegeben. „Das Projekt ist noch nicht tot.“

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