„Glasfaser wie Wasserleitungen“: Unmut über ungleiche Preise beim Internet

dzGlasfaserausbau in Fröndenberg

Die günstigen Konditionen, die Muenet für Glasfaserkunden in den westlichen Fröndenberger Stadtteilen aufruft, sorgen für Unmut in Gebieten, in denen zum Teil selbst der Bagger bedient werden musste.

Fröndenberg

, 18.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Glasfaserkunden auf der Hohenheide hatten kürzlich ungewöhnliche Post in ihren Briefkästen mit einem sarkastischen Aufruf: Man solle sich bei der Stadt Fröndenberg und beim Breitband-Anbieter „bedanken“, dass man für schnelles Internet mehr Geld bezahlen müsse als die Leute im Fröndenberger Westen.

»Sie zahlen viele hundert Euro mehr, weil Sie der Vorreiter waren! Sie finden es sozial und gerecht?«
Zitat aus dem Flugblatt

Kürzlich war bekannt geworden, dass das Telekommunikationsunternehmen Muenet aus Rosendahl auch Haushalte in den Stadtteilen westlich der Stadtmitte ab Januar 2021 an das Glasfasernetz anschließen wird.

Weil für diese Bereiche das Förderprogramm „Weiße Flecken“ des Bundes griff, wird der Ausbau nun quasi staatlich subventioniert. Muenet kündigte an, auf Basis der Fördermittel auf die einmalige Anschlussgebühr von 99 Euro verzichten und auch den monatlichen Bezugspreis zunächst gering halten zu können.

„Sie zahlen viele hundert Euro mehr, weil Sie der Vorreiter waren! Sie finden es sozial und gerecht?“, heißt es nun auf einer Art Flugblatt. Der Verfasser oder die Verfasserin, die sich namentlich nicht zu erkennen gibt, spielt darauf an, dass auf der Hohenheide und in anderen Ortsteilen Werbeteams gebildet und Klinken geputzt wurden, um die Mindestteilnehmerzahl für den Glasfaserausbau überhaupt zu erreichen - und nun zahle man einen höheren Preis für die Bits und Bytes.

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Der Flyer, der in den Briefkästen auf der Hohenheide landete: Die günstigen Konditionen, die Muenet für Glasfaserkunden in den westlichen Fröndenberger Stadtteilen aufruft, sorgen für Unmut in Gebieten, in denen zum Teil selbst der Bagger bedient werden musste.

Der Flyer, der in den Briefkästen auf der Hohenheide landete: Die günstigen Konditionen, die Muenet für Glasfaserkunden in den westlichen Fröndenberger Stadtteilen aufruft, sorgen für Unmut in Gebieten, in denen zum Teil selbst der Bagger bedient werden musste. © privat

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Ein Hohenheider, der die anonyme Wurfsendung dieser Redaktion übermittelte, findet die Sache zweischneidig: Er sei selbst froh, dass er jetzt schnelles Internet habe. „Das Entscheidende ist aber doch, dass es ungerecht ist“, findet der Muenet-Kunde, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Es habe auf der Hohenheide auch Haushalte gegeben, denen die Kosten für das Breitbandinternet zu hoch waren. „Das müsste man doch wie bei Wasserleitungen handhaben“, sagt er: Die Infrastruktur für die Daseinsvorsorge müsse einfach allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden.

Nicht ganz einverstanden mit dem Ungleichverhältnis ist auch Markus Klein aus Frohnhausen. „Wir haben sogar das Glück gehabt, dass die Leute in Stentrop die Kabel selbst gelegt haben“, weiß der neue Glasfaserkunde. „Sonst wären wir das gallische Dorf geblieben.“

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»Wir haben sogar das Glück gehabt, dass die Leute in Stentrop die Kabel selbst gelegt haben.«
Markus Klein, Frohnhausen

Die Frohnhausener Nachbarn zeigten sich daher auch solidarisch mit den Haushalten in Stentrop und zahlten in deren „Buddel-Kasse“ ein: 100 Euro geben alle Kunden aus Frohnhausen und auch aus Neimen dazu.

In den östlichen Dörfern hätten sich alle bemüht, dass Glasfaser bis in den letzten Winkel verlegt wird. Jetzt gebe es ein Förderprogramm leider nur für die anderen. „Wir legen das auf die anderen Dörfer um – das hätte ich mir gewünscht“, sagt Markus Klein.

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