Unter Fröndenberger Boden sind Rohstoffe verborgen, an die man nicht auf Anhieb denkt: Eine Exkursion begab sich in die Stollen und Schächte des früheren Erzbergbaus. Die Experten stießen dabei auf eine glänzende Geschichte über Edelsteine und eine düstere aus dem Zweiten Weltkrieg.

von Sebastian Pähler

Fröndenberg

, 06.08.2018, 09:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einen seltenen Einblick in die Bergbaugeschichte der Fröndenberger-Dörfer verschafften sich am Samstag Ortsheimatpfleger und Bergbauexperten. Dass es hier überhaupt eine Bergbaugeschichte gegeben hat, wissen einige Bewohner von Bausenhagen, Warmen und einigen anderen Ortschaften. Können sie sich doch noch an die Zeit erinnern, als die angelegten Stollen noch zugänglich waren.

Für viele kommt die Erkenntnis, es habe in Fröndenberg Erzbergbau gegeben, überraschend

Für viele, die nicht unmittelbar mit den Zugängen ins Erdinnere zu tun hatten, kam diese Erkenntnis allerdings überraschend. „Ich bekam die Anfrage, ob man im Zuge einer geologischen Exkursion den Stollen in Bausenhagen untersuchen könne“, berichtete Achim Ackermann. Das verdutzte den Leiter des Arbeitskreises Kreis Unna des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier. Zwar war noch bekannt, dass es irgendwo einen gegeben haben musste, aber auch, dass der nicht zugänglich war.

Achim Ackermanns Interesse war geweckt

Doch Ackermanns Interesse war geweckt. Daher fragte er sich bei ortskundigen Experten durch und beschloss mit ihnen am Samstag (4. August) besagten und zwei weitere Stollen in der Nähe zu begutachten. Mit Ortsheimatpfleger Fritz Wunderlich, Bergbauingenieur Joachim Huske und einige Interessierten erkundete er schließlich diesen fast vergessenen Teil der Geschichte.

Eine Öffnung in den Stollen so groß, dass ein Pferdefuhrwerk hindurchpasste

Die erste Station lag am Hof Seklünder, an der Bausenhagener Straße. Früher soll soll es hier eine Öffnung gegeben haben, die groß genug war, um mit einem Pferdefuhrwerk hinein zu fahren. Heute ist aber außer einem Abfluss nichts mehr davon übrig. Mehr zu sehen gab es an dem ehemaligen Steinbruch in der Hellkammer in Bausenhagen. Wer aufmerksam einen Blick auf die Steinmauer am Rand des Hügels wirft, kann hier eine Stelle entdecken, wo deutlich ein Zugang mit Steinen verschlossen wurde. Dass der frühere Eingang heute zugemauert ist, hielt die Bergbauforscher nicht auf, denn in einem nahegelegenen Schuppen, einem ehemaligen Backhaus, existiert ein kleiner Zugang in die Unterwelt.

Vorsichtig tasten sich die Experten durch den kurzen Schacht

Vorsichtig mussten sich die Experten durch den kurzen Schacht vortasten, denn in die rund acht Meter lange Kammer kommt man nur durch eine kleine Öffnung, hinter der es erst einmal steil runter geht. Dass hier nicht viel abgebaut wurde, war schnell klar. Schließlich ist die Qualität des Eisenerzes zu schlecht und die Erzschicht zu dünn.

Glanz und Elend des Fröndenberger Erzbergbaus

In Fröndenberg gab es in früherer Zeit rudimentären Erzbergbau, vor allem in Bausenhagen und Warmen. Eine Exkursion unter Leitung von Achim Ackermann, Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier, u. a. mit Fritz Wunderlich und Joachim Huske, begab sich in die alten Stollen und Schächte. © privat

„Als das gemacht wurde, wurde die erste Bahn ins Siegerland fertig. Um 1890 müsste das gewesen sein“, erläuterte Bergbauingenieur Huske. Das Erz von dort hatte einfach eine viel bessere Qualität und war leichter abzubauen, sodass sich die Mühe hier gar nicht lohnte. Möglicherweise sind die Stollen noch eine Weile von Anliegern genutzt worden, aber wahrscheinlich blieb es bei den Erschließungsversuch.

Relevanz erhielt der Stollen noch einmal – im Zweiten Weltkrieg

Relevanz bekam der Stollen in der Hellkammer noch einmal im Zweiten Weltkrieg. Neben der Suche nach Rohstoffen versteckten sich der Überlieferung nach nämlich russische Kriegsgefangene hier, wovon auch der Zugang im Boden des alten Backhauses herrührt.

Die Teilnehmer der Exkursion auf der Spur von Edelsteinen in Erzsuchstollen Warmen

Mit besonderer Spannung untersuchten die Teilnehmer der Exkursion schließlich den Erzsuchstollen in Warmen. Von diesem hieß es nämlich einmal, dort gebe es Edelsteine, da Glimmer die Decke zum Glitzern brachte. Vermutlich wurde hier nach Blei gesucht. Das nahegelegene Kloster Scheda könnte die Suche in Auftrag gegeben haben, dieses hätte für eine so große Grabung nämlich die finanziellen Mittel gehabt.

Glanz und Elend des Fröndenberger Erzbergbaus

In Fröndenberg gab es in früherer Zeit rudimentären Erzbergbau, vor allem in Bausenhagen und Warmen. Eine Exkursion unter Leitung von Achim Ackermann, Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier, u. a. mit Fritz Wunderlich und Joachim Huske, begab sich in die alten Stollen und Schächte. © Sebastian Pähler

Doch schließlich die Enttäuschung: Der Eingang ist mittlerweile verschüttet, und ein Blick durch den schmalen Spalt zeigt, dass der Schacht gut einen Meter tief geflutet ist. Zu einem wirklich nennenswerten Abbau von Erz in der Region ist es also offenbar nie gekommen, dennoch zeigte sich Achim Ackermann nicht enttäuscht. „Das sind interessante Episoden, die zeigen, dass es hier nicht nur Kohle gab, wie alle immer meinen, sondern auch noch etwas anderes“, stellte er fest.

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