Gkdar Ismail floh im Jahr 2015 aus Syrien - nun beweist er Talent als Dachdecker-Lehrling

Dachdeckerausbildung

Keine Maschinen, keine Sicherheitsvorkehrungen keine Gerüste - die Arbeitsbedingungen in Syrien waren alles andere als sicher. In Deutschland ist das anders. Gkdar Ismail weiß das am besten.

25.10.2018, 09:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gkdar Ismail floh im Jahr 2015 aus Syrien - nun beweist er Talent als Dachdecker-Lehrling

Dachdeckermeister Martin Meckelholt ist stolz auf die Arbeit seines Auszubildenden Gkdar Ismail. © Marcel Drawe

Als er im September 2015 nach Deutschland kam, musste sich Gkdar Ismail, der in seiner Heimat fünf Jahre lang als Zimmermann gearbeitet hat, 15 Monate lang in Geduld üben und die Füße still halten. Sieben Monate lang wartete er auf seine Aufenthaltsbestätigung, acht Monate lang lernte er daraufhin in einem Sprachkurs Deutsch. Erst dann durfte er wieder anpacken - und dafür war es auch höchste Zeit. Dass der Lehrling nur darauf gewartet hat, sein Können und seine Motivation unter Beweis zu stellen, bemerkt Dachdeckermeister Martin Meckelholt schnell. Nach einem Praktikum, das Ismails Flüchtlingsbetreuerin organisierte, bot Meckelholt eine einjährige Einstiegsqualifikation an. Ismail habe gut Deutsch gesprochen, sich schnell in das Team integriert und „er steht nicht rum, sondern sucht sich Arbeit“, sagt Meckelholt. Er sei fachlich begabt und zeige bei Wind und Wetter, dass er Lust hat. „Und die Hitze in diesem Sommer ist er gewohnt“, so Meckelholt über seinen neuen Lehrling. Nach dem ersten Jahr war für beide klar, dass Ismail bleiben will und wird.

Intensive Förderung der Auszubildenden

Zunächst stand die Überlegung im Raum, Ismail direkt im zweiten Lehrjahr weitermachen zu lassen und die Einstiegsqualifikation anzurechnen. Doch die Auszubildendenschule in Unna riet dazu, das erste Jahr noch einmal zu wiederholen. Nicht die fachlichen, sondern die sprachlichen Kenntnisse waren der Grund dazu. „Fachlich mache ich mir da gar keine Sorgen“, sagt Meckelholt mit Blick auf die Prüfungen. Um seinen Nachwuchsgesellen zu fördern, werde er ihn zusätzlich zum Unterricht zu Lehrgängen schicken. „Geflüchtete haben viel Mist und Schlimmes erlebt. Da hilft es nicht nur, Taler in die Hand zu drücken. Man muss sich um sie kümmern.“ Und das tut Meckelholt nicht nur in Sachen Arbeit und Ausbildung, sondern auch darüber hinaus. Das Team sei für ihn wie eine Familie.

Sicherheitsvorschriften auf der Baustelle gehen vor

In Syrien habe es keine Gerüste gegeben und auch keine Autos, mit denen die Arbeiter gemeinsam zur Baustelle fahren, erinnert sich Ismail an seine Zeit als Zimmermann. Fünf Jahre lang arbeitete er hart mit den einfachsten Werkzeugen. „Akkuschrauber oder Schrauben gab es nicht. Wir hatten nur Nägel und Hammer“, erzählt der 23-Jährige. Und als Zimmermann arbeitete er ausschließlich mit Holz. Das ist als Dachdecker anders. Ismail hat tagtäglich mit Fassaden und Dächern aus unterschiedlichen Materialien zu tun - und in unterschiedlicher Höhe. Damit habe er kein Problem, erzählt der Syrer. Er hoffe, dass er seine Prüfungen nicht nur besteht, sondern nach der Ausbildung auch alle Techniken beherrscht. Meckelholt hat keine Zweifel daran, dass Ismail dank Motivation, Talent und Aufmerksamkeit einmal ein fähiger Geselle sein wird. „Er passt gut auf. Er lernt mit den Augen.“

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