Die Gesamtschule Fröndenberg war vor 50 Jahren neben sechs anderen Standorten erste Versuchsschule neuen Typs in NRW. Sechs Schüler aus allen Epochen erzählen. Heute sind sie allesamt Lehrer – an der GSF.

Fröndenberg

, 20.09.2019, 19:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Gesamtschule Fröndenberg feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Zum Schuljahr 1969/1970 begann der Lehrbetrieb als eine von nur sieben Versuchsschulen in Nordrhein-Westfalen.

Das Jubiläum wird am 27. September mit einem großen Schulfest würdig gefeiert. Sicherlich werden nicht wenige Ehemalige den Weg zum Wiesengrund finden, schließlich haben gut sieben von zehn Schülerinnen und Schülern aus Fröndenberg die GSF in den Jahrzehnten besucht.

Noch länger als neun Jahre Schulzeit sind jene sechs Ehemalige geprägt, die als Lehrer und Sozialpädagogen an die Gesamtschule zurückgekommen sind. Es sind sechs ganz unterschiedliche Karrieren aus fünf Jahrzehnten:

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Tanja Bornemann ist seit drei Jahren Schulsozialarbeiterin an der Gesamtschule Fröndenberg. Sie wechselte von der Sodenkampschule an die GSF. © Marcel Drawe

»Ich bin nie wirklich weg gewesen.«
Tanja Bornemann, Schulsozialarbeiterin

Tanja Bornemann, Schulsozialarbeiterin

Nachdem Tanja Bornemann 1993 ihr Abi an der GSF gebaut hatte, brachten sie Praktika während ihres Studiums schon sehr schnell wieder an ihre alte Schule. Schulsozialarbeit interessierte sie schon, als Friedhelm Klemp und Ute Kraft diesen Job an der GSF machten, der durch die Gesamtschulen als Beruf erst etabliert wurde.

Oft geht es um Liebeskummer, zerbrochene Freundschaften, die gekittet werden müssen, auch Gewalt in der Familie. Mit zwei Kollegen hat Tanja Bornemann den Bereich neu aufgestellt, unter anderem das Projekt „Das Schweigen brechen“ zu sexuellem Missbrauch gestartet.

Regeln in Internet-Chats sind noch so ein wichtiges Thema. „Viele Eltern wissen gar nicht, welche Gefahren dort lauern“, weiß Bornemann.

Aber früher war nicht alles besser: In ihrer eigenen Schulzeit hat Tanja Bornemann so manche Schlägerei erlebt – in drei Jahren als Sozialarbeiterin keine einzige.

„Ich hoffe, dass ich hier alt werden kann“, sagt Tanja Bornemann. Ihre eigenen Kinder hat sie auch schon an die GSF geholt.

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Susanne Joachimsmeyer verließ die Gesamtschule Fröndenberg nach der zehnten Klasse und machte zunächst eine Ausbildung. Inzwischen studierte Landespflegerin kehrte sie als Lehrerin für Technik, Biologie und Naturwissenschaften an ihre alte Schule zurück. © Marcel Drawe

»Ich möchte von allen Etappen, die ich auf dieser Bildungsreise erlebt habe, keine einzige missen.«
Susanne Joachimsmeyer, Lehrerin

Susanne Joachimsmeyer, Technik, Biologie, Naturwissenschaften

Ein gutes Beispiel dafür, dass das Abitur nicht der goldene Weg zum Traumberuf ist, liefert Susanne Joachimsmeyer. Die Techniklehrerin verließ die GSF 1993 nach der 10. Klasse und machte zunächst einen Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau, es folgte das Fachabi, die Arbeit als Gesellin. Erst danach studierte die Schul-Seiteneinsteigerin Landespflege und entwickelte Spielplätze und Schulhöfe.

Nachdem sie bereits einige Jahre als Lehrerin an Hauptschulen in Balve und Neuenrade tätig war, schlug der Zufall zu: Eine frühere Schulsekretärin der GSF gab ihr den Tipp für eine freie Stelle in Fröndenberg.

Die Stelle ist ideal für die staatlich zertifizierte Waldpädagogin: Ihr Landschaftsbauwissen brachte sie beim Aufbau des MINT-Forscherparks mit ein. Erlebnispädagogik sei heute noch viel wichtiger als zu ihrer Schulzeit. „Den Kindern fehlt durch die digitalisierte Welt oftmals die Fantasie“, bedauert Susanne Joachimsmeyer.

Auch wenn sie den Schulalltag heute zu schnelllebig findet und die Pausen-Disko in der Aula vermisst, bekennt sie: „Ich möchte von allen Etappen, die auch auf dieser Bildungsreise erlebt habe, keine einzige missen.“

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Sebastian George kehrte gerade sieben Jahre nach seinem Abitur als Referendar zurück an die Gesamtschule Fröndenberg. Heute ist er als Lehrer für Englisch und Französisch Mitglied des Kollegiums. © Marcel Drawe

»Ich fühle mich schon der Schule verpflichtet.«
Sebastian George, Lehrer

Sebastian George, Englisch und Französisch

„Das war ein Zufall“, betont Sebastian George. Eigentlich werde es ja vermieden, dass man Lehrer an seiner ehemaligen Schule wird. Es kamen aber nur Soest und Fröndenberg als Gesamtschulen in seinem Ausbildungsbezirk in Betracht – und so landete er nur sieben Jahre nach seinem Abitur als Referendar wieder an der GSF. An eine Gesamtschule wollte George auch. „Ich bin schon Überzeugungstäter“, sagt der Lehrer für Englisch und Französisch, meint die große Durchlässigkeit zwischen den Leistungsstufen.

Selbst habe er keine Gymnasialempfehlung gehabt. Sei auch an der GSF erst ab der 8./9. Klasse aufgeblüht. „Ich war in den ersten Schuljahren noch nicht so weit“, gibt Sebastian George zu, „das hätte ich auf dem Gymnasium so nicht geschafft – und das hat mich geprägt.“

Lehrer habe er zuerst gar nicht werden wollen, „habe dann schnell gemerkt, dass ich gut mit Kindern umgehen kann.“ Einen Aha-Effekt erlebte der Fröndenberger, als er seinem ersten Englischlehrer Reinhold Korinth als Kollegen an der GSF begegnete.

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Claudia Scharpenberg hätte als Kind aus Menden 1973 eigentlich gar nicht auf die Gesamtschule Fröndenberg wechseln dürfen. Mit einem Kniff schafften ihre Eltern das dennoch. © Marcel Drawe

»Damals wurden keinen Mendener Schüler aufgenommen – wir mussten ein bisschen schummeln.«
Claudia Scharpenberg, Lehrerin

Claudia Scharpenberg, Hauswirtschaft und Gesellschaftslehre

Das waren noch Zeiten. Claudia Scharpenberg wechselte 1973 in die 5. Klasse der GSF. Da gab es noch die Großraumklassen: drei Lehrer mit 90 Schülern, einen Riesenraum, in dem die Schüler die Trennregale als Verstecke nutzten. „1975 hat man dann gemerkt, dass das nichts taugt“, sagt Claudia Scharpenberg lachend. Lustig ist auch die Geschichte mit ihren „Pseudo-Pfelgeeltern“: Weil damals noch keine Kinder aus Menden an der GSF aufgenommen wurden, dachten sich ihre pfiffigen (leiblichen) Eltern den Kniff mit den Pseudo-Eltern mit Wohnsitz Fröndenberg aus ... verjährt.

Die alten Schulzeiten hat sie in guter Erinnerung, auch wenn früher noch der tägliche Fußmarsch vom Bahnhof zum Unterricht anstand. Was sich im Vergleich zu heute am Schulklima geändert hat? „Ich war eine sehr ängstliche Schülerin, aber ich bin nicht gemobbt worden“, verrät Claudia Scharpenberg vielsagend.

Ihre Rückkehr als Lehrerin an die GSF war ihrer großer Traum, 2009 wechselte sie von einem Berufskolleg in Hattingen nach Fröndenberg, „weil das doch meine Schule ist.“

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Christopher Meisel kehrte nach einem Intermezzo als Polizeibeamter vor elf Jahren als Sozialpädagoge zurück an die Gesamtschule Fröndenberg. © Marcel Drawe

»Die Stadt Fröndenberg hat uns tolle räumliche Voraussetzungen geschaffen.«
Christopher Meisel, Sonderpädagoge

Christopher Meisel, Sonderpädagoge

Ein gelernter Polizeibeamter, der Sonderpädagoge an einer Gesamtschule ist? Ja, das geht. Christopher Meisel beweist, dass man auch mit 24, „als Spätberufener“ noch umschulen kann. Bis dahin ist Meisel, der 1989 Abi an der GSF machte, in Bochum-Langendreer Streife gefahren.

An der ehemaligen Sodenkampschule begann Christopher Meisel seine Pädagogenlaufbahn, wechselte mit deren Auflösung an seine alte Schule. „Die Schule war mir immer ein Herzensanliegen“, bekennt Meisel.

Als Koordinator für das gemeinsame Lernen – 90 Inklusionsschüler gibt es aktuell an der GSF – erarbeitete er sein mehrfach zertifiziertes Inklusionskonzept.

Die Frage, ob die gehandicapten Schüler die stärkeren Mitschüler beim Lernen ausbremsen, hält Christopher Meisel für erlaubt. Seiner Erfahrung nach profitierten in einer guten gemischten Klasse sämtliche Schüler.

Differenzierungsräume ermöglichten, auch leistungsstärkere Schüler zeitweise auszugliedern, „wenn sie besonderes Futter brauchen“.

50 Jahre Gesamtschule Fröndenberg: Wie aus sechs Schülern sechs Lehrer an der GSF wurden

Frauke Friederichs unterrichtet an der Gesamtschule Fröndenberg ein seltenes Fach: Japanisch. © Marcel Drawe

»Ich kann nicht 60 Minuten eine Klasse frontal unterrichten.«
Frauke Friederichs, Lehrerin

Frauke Friederichs, Arbeitslehre/Wirtschaft, Japanisch-AG

„Studiert bloß nicht auf Lehramt – ihr bekommt eh keine Stelle“, hörte Frauke Friederichs nach ihrem Abi 1987 an der GSF gut gemeinte Ratschläge. Lehrerschwemme.

Die Zeiten ändern sich. Bereits 2010, als die Fröndenbergerin an die Gesamtschule zurückkehrte, waren Pädagogen schon wieder Mangelware. Friederichs holte eine Seiteneinsteigerausbildung nach, nachdem sie als Betriebswirtschaftlerin und Japanologin zuvor als Literaturübersetzerin gearbeitet hatte. Eigentlich hatte sie an der GSF nur eine Japanisch-AG aufbauen wollen.

Neben ihrem Hauptfach Arbeitslehre hat sich Japanisch aber als Renner erwiesen. Gut 15 Schüler machen regelmäßig mit. Die interessieren sich natürlich vor allem für japanische Popkultur wie Mangas, Animes (Zeichentrickfilme) und Cosplay (sich wie die Figuren in Mangas und Animes kostümieren).

„Aber auch für die Sprache“, freut sich Frauke Friederichs. Und auch das „alte Japan“ kommt bei den Schülern an: traditionelle Teezeremonien oder japanisch zu kochen.

Die Gesamtschule Fröndenberg lädt anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens am Freitag, 27. September, zu einem großen Schulfest ein. Die Feierlichkeiten starten um 11 Uhr mit einigen Grußworten. Die Ergebnisse der gemeinsamen Projektwoche aller Fröndenberger Schulen werden präsentiert. Der Schulhof wird zu einem Ort für zahlreiche Mitmachaktionen. Es kann u.a. das DFB-Fußballabzeichen absolviert werden. Eine Schülerband, Tanzgruppen, ein DJ, das Varieté der GSF, ein überregional bekannter Kabarettist und viele andere Akteure stehen auf der Bühne. Gegrilltes, ein Büfett in der Mensa sowie Kaffee und Kuchen in der Teestube fehlen ebenfalls nicht.
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