Mit den Touristen kommt auch der Müll auf abgelegene Urlaubsinseln wie die Malediven – und wird dort zum Problem. Ein Fröndenberger Unternehmen bietet Lösungen an.

Fröndenberg

, 02.10.2019, 12:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Vor zehn Jahren wurden wir noch belächelt“, sagt Sabine Rother. Vergangene Woche auf einer Fachmesse in Nürnberg wurde der Stand des in Fröndenberg ansässigen Unternehmens FSP im Gegensatz dazu überrannt. Unter dem Markennamen Biobiene entwickeln Sabine Rother und Marcel Suffrian ökologische Verpackungen.

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Die Unternehmer haben schon vor Jahren erkannt, was inzwischen auch bei vielen Verbrauchern angekommen ist: In der Verpackungs- und Paketbranche lässt sich einiges an Plastik sparen.

Umweltbewegung spielt Produktentwicklern in die Karten

Die Umweltbewegung der vergangenen Monate spielte den Entwicklern ökologischer Versandverpackungen enorm in die Karten. Immer wieder ist im Zuge der Klimaproteste nicht nur die Erderwärmung Thema, sondern auch der Plastikmüll, den der Mensch überall auf dem Planeten hinterlässt.

German Innovation Award für Thermoboxen aus Fröndenberg

Die Malediven-Insel Thilafushi war einst eine türkisblaue Lagune im Indischen Ozean, bis die Regierung in den 90er Jahren beschloss, dort einen Großteil des Mülls des Landes abzuladen. © dpa

Plastik belastet vor allem die Meere. Und am Plastik im Meer ist nicht zuletzt der Tourismus schuld. Wer auf paradiesischen einsamen Inseln, in Entwicklungs- oder Schwellenländern Urlaub macht, erwartet zumindest in den Luxusresorts alle kulinarischen Annehmlichkeiten der Ersten Welt. Lebensmittel werden importiert. Verpackt in Plastik, gekühlt in Styropor. Mülltrennung und -entsorgung funktionieren in vielen tropischen Ländern allerdings nicht so gut wie andernorts.

Sogar Fisch wird ironischerweise importiert

Die Malediven-Insel Thilafushi wird als größte Müllinsel der Welt gehandelt. Vor allem landen dort Abfallprodukte, die ohne Tourismus kaum auf den Inseln benötigt würden. Sogar Fisch werde ironischerweise auf die Malediven importiert, erklären die Unternehmer aus Fröndenberg. Denn die Unterwasserwelt vor Ort ist ein Touristenmagnet, Überfischung wird vermieden.

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Und an diesem Problem setzt ein Produkt des Fröndenberger Unternehmens an, das mit dem German Innovation Award in den Kategorien Logistics & Infrastructure sowie Design Thinking ausgezeichnet wurde: Sabine Rother und Marcel Suffrian haben eine zu 100 Prozent plastikfreie Verpackung mit Naturfasern als Dämmung entwickelt.

Das Produkt ist in Kooperation mit dem Lebensmittellieferanten AirSeafoods für Six Senses Hotels entwickelt worden, um eine umweltfreundliche Alternative zu bekannten Isolier-Verpackungen aus Styropor zu schaffen.

German Innovation Award für Thermoboxen aus Fröndenberg

Sabine Rother und Marcel Suffrian erhalten für ihre ökologischen Verpackungen nicht zum ersten Mal einen Preis. © Lutz Sternstein

Der positive Nebeneffekt: Die Thermobox kann nach dem Auspacken zerlegt werden. Die Naturfaserdämmung aus Hanf, Jute oder Holz bietet ökologisch sinnvolle Weiterverwendungsmöglichkeiten. Entweder als Wasserspeicher im Gartenbau oder als Wärmedämmung im Hausbau. Das Material wird von der Hotelkette verwendet oder an Einheimische weitergegeben.

Die Thermobox ist auf den Europaletten- und Luftfrachtversand abgestimmt. Seit Oktober 2018 wird sie für den Versand gekühlter Lebensmittel auf die Malediven eingesetzt.

Vorangegangen ist eine aufwendige Entwicklungszeit: Denn je nach Witterung sind die zum Teil tiefgekühlten Lebensmittel noch 24 Stunden mit traditionellen kleinen Booten der Einheimischen unterwegs. Die Verpackung muss also über einen sehr langen Zeitraum isolieren.

Plastikfreie Luxus-Insel – Fröndenberger Unternehmen arbeitet mit

German Innovation Award

  • Der German Innovation Award zeichnet branchenübergreifend Produkte und Lösungen aus, die sich durch einen Mehrwert von bisherigen Lösungen unterscheiden.
  • Das Motto: Innovationen, die Zukunft gestalten und das Leben verbessern, gibt es in allen Branchen. Manchmal sehe man sie auf den ersten Blick – oftmals aber auch nicht.
  • Das will der German Innovation Award ändern. Er macht großartige Leistungen für ein breites Publikum sichtbar und trägt so auch zum Erfolg der Produkte bei.
  • 2019 wurden neben Branchenriesen wie HYUNDAI eben auch Produkte wie die Thermobox der Marke Biobiene aus Fröndenberg ausgezeichnet.
Und nach der Themobox geht es weiter: Die Luxus-Insel Laamu Six Senses habe es sich zum Ziel gesetzt bis 2022 komplett plastikfrei zu sein, erklärt Sabine Rother, Namensgeberin der Marke Biobiene.

„Wir arbeiten mit daran, indem wir unter anderem kompostierbare Bio-Müllbeutel, Müllbeutel aus Papier, Sichthüllen und Prospekthüllen aus transluzentem Papier, damit auch das Büro plastikfreier wird, dorthin liefern“, so die Unternehmerin.

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