Generationengerechtigkeit bedeutet mehr als auskömmlicher Lebensabend

dzVortrag im Schmallenbach-Haus

Ein heißes Eisen fasst der Förderverein des Schmallenbach-Hauses an: „Generationengerechtigkeit“ lautet der Titel seines Jahresvortrags 2019. Darin wird es nicht nur um sichere Renten gehen.

Fröndenberg

, 28.12.2018, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Kinder kriegen die Leute immer.“ – Dieser legendäre Satz wird dem ebenso legendären Bundeskanzler Konrad Adenauer zugeschrieben. Mit dieser Annahme in den 1950er-Jahren, die sich spätestens seit dem Pillenknick als falsch herausgestellt hat, konnte das deutsche Umlagesystem der Rentenversicherung gut begründet werden: Die arbeitenden Jungen zahlen genügend Rentenbeiträge ein, um der älteren Generation einen auskömmlichen Lebensabend zu bescheren. Und sobald die Jüngeren in den Ruhestand gehen, haben sie selbst für ausreichend Nachwuchs gesorgt, die ihre eigenen Altersbezüge sicherstellen. „Die Rente ist sicher“, sagte noch in den 1980er-Jahren der damalige Sozialminister Norbert Blüm. Die Sicherheit der Rente ist sicherlich eine Definitionsfrage. Jedenfalls verlief die demografische Entwicklung anders als erwartet. Mittlerweile müssen zwei Beitragszahler einen Rentner finanzieren, das System stößt an seine Grenzen. Der Rentenbeitrag stieg, Renten werden versteuert, private und staatlich geförderte Zusatzversicherungen werden dringend empfohlen.

Ein elementares Thema der deutschen Gesellschaft

Unter dem Titel „Generationengerechtigkeit“ fasst die Referentin Anna Braam ein elementares Thema der deutschen Gesellschaft an. Braam, die sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Generationengerechtigkeit befasst, beschränkt ihren Blick dabei nicht auf das Thema Rente. Die Alterung der Bevölkerung und die gesellschaftliche Entwicklung berechtigten dazu, die Gerechtigkeitsfrage umfassender zu stellen: Denn nicht nur auf einen auskömmlichen Lebensabend meldet die heute berufstätige Generation einen Anspruch an, auch solide Grundlagen für unsere Umwelt, für Familie und Arbeitsmarkt, für unser Wirtschaftssystem insgesamt sollen auch in 30, 60 und 90 Jahren noch erhalten sein.

Vortragsveranstaltung

„Generationengerechtigkeit“

Anna Braam hält ihr Referat am Donnerstag, 31. Januar, um 19.30 Uhr im Schmallenbach-Haus, Hirschberg 5, in Fröndenberg. Parkplätze sind direkt am Haus vorhanden; weitere Parkmöglichkeiten gibt es im nah gelegenen Jägertal. Im Anschluss an den Vortrag ist ein kleiner Umtrunk vorgesehen.

Helga Velmer, die neue Vorsitzende des Fördervereins Schmallenbach-Haus, freut sich, dass ihr Vorgänger sich auch diesmal um die Auswahl eines Themas, das auf breites Interesse stoßen soll, gekümmert hat. „Wir haben Herrn Friese gebeten, auch weiterhin für die sehr gut angenommenen Vorträge zu sorgen. Durch seinen persönlichen Einsatz ist somit Kontinuität gegeben“, sagt Helga Velmer. Hans-Günter Friese hofft, dass das Thema „mindestens zum Nachdenken anregen“ wird, denn: „Das Thema ist höchst aktuell und aus meiner Sicht überfällig. Haben wir nicht alle die Verantwortung, auch an die Zukunft unserer Kinder zu denken und entsprechend zu handeln?“ Heute entschieden weitgehend allein die 50- bis 70-Jährigen über die Zukunft unserer Kinder und Enkel. „Ist das immer richtig?“, fragt der frühere langjährige Vorsitzende der Bundesapothekerkammer.

Referentin promoviert zum Thema „Nachhaltigkeit demokratischen Entscheidens“

Referentin Anna Braam, Jahrgang 1988, vertrete eben jene jüngere Generation und werde aus ihrer Forschungsarbeit an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg heraus Antworten auf hochaktuelle Fragen geben können. Braam, die auch Sprecherin und Vorstandsvorsitzende der parteipolitisch unabhängigen Stiftung für die rechte zukünftiger Generationen mit Sitz in Stuttgart ist, promoviert derzeit im Bereich „Nachhaltigkeit demokratischen Entscheidens“. 2016 gründete Anna Braam das Jugendforum „Next Generation“. Sie engagiert sich unter anderem in der UN-Klimapolitik und im Sozialen Netzwerk für Nachhaltigen Konsum der Bundesregierung. Hans-Günter Friese erwartet angesichts des „jeden von uns betreffenden Themas“ ein volles Haus. Die Brisanz des Themas Generationengerechtigkeit hat nämlich sicherlich nicht abgenommen, auch wenn die Leute mittlerweile wieder mehr Kinder kriegen.

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