„Furchtbar ausgebremst“: Parteien setzen im Corona-Wahlkampf auf Facebook, Instagram und Co.

dzKommunalwahlen in Fröndenberg

Zur Kommunalwahl 2020 ist die Bedeutung von Internet und Sozialen Medien so groß wie nie. Das liegt am Wandel der Zeit und an Corona. Auf den persönlichen Kontakt mit ihren Kandidaten müssen Bürger dennoch nicht verzichten.

Fröndenberg

, 07.07.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Es ist ein furchtbares Gefühl, so ausgebremst zu werden“, sagt die SPD-Bürgermeisterkandidatin Sabina Müller. Mit Frank Schröer (Kandidat der Grünen), Heinz Günter Freck (Kandidat für CDU und FDP) sowie Matthias Büscher (Kandidat der Freien Wähler Gemeinschaft) teilt die SPD-Frau ein großes Problem: Das Coronavirus behindert den Wahlkampf.

Der besteht normalerweise aus viel persönlichem Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Ortstermine dürfen in den kommenden Wochen zwar nicht fehlen – insgesamt aber spielt sich der Wahlkampf 2020 auch verstärkt in den Sozialen Medien ab.

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„Eigentlich wollen wir ja den Kontakt mit den Bürgern“, sagt Sabina Müller. Sie ist inzwischen sehr digital unterwegs, nutzt nicht nur Facebook, sondern auch Instagram, bietet eine Bürgersprechstunde am Telefon an. „Mir ist das anfangs schon schwer gefallen“, sagt die Kandidatin der SPD mit Blick auf ihre ersten Schritte in den Sozialen Medien.

Die Familie sollte geschützt werden

Müller möchte ihre Familie schützen – und daher nicht allzu viel aus ihrem privaten Leben preisgeben. Der Nachwuchs in der Partei habe ihr allerdings deutlich gemacht, wie wichtig es sei, auch im Internet präsent zu sein. Nun versucht die SPD-Kandidatin, das richtige Maß zu finden.

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Und damit sind die Sozialdemokraten nicht allein: Schon lange bevor der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler Gemeinschaft offiziell feststand, hatte die FWG begonnen, verstärkt das Internet zu nutzen, um auf ihre politischen Ziele aufmerksam zu machen. So posten sie etwa Bürger- und Fraktionsanträge in die Facebook-Gruppen der Fröndenberger.

Spenden statt kleine Geschenke

Eine Besonderheit des FWG-Wahlkampfs: Die FWG hat seit Beginn der Corona-Krise auf Give Aways verzichtet und das Geld stattdessen in einen Hilfsfond einfließen lassen. Das Geld komme nicht nur ortsansässigen Hilfsorganisationen, sondern auch Menschen zugute, die sich in Notsituationen befinden. Darum, dass die FWG im Netz gut dasteht, kümmert sich an vorderster Front Marvin Büscher, der Sohn von Bürgermeisterkandidaten Matthias Büscher, der auch für einen Sitz im Stadtrat kandidiert.

Der Stadtverband der Grünen ist etwas später dran als die anderen Parteien. Gerade erst wurde bekanntgegeben, dass mit Frank Schröer auch ein Grüner Bürgermeister werden möchte. Keine Schützenfeste, kaum offizielle Anlässe. Schröer weiß, dass er wenig Gelegenheiten und nicht mehr viel Zeit hat, sich in der Stadt bekannt zu machen. Vor allem, weil er nicht aus der Lokalpolitik kommt, beruflich stark eingespannt ist, sei die Aufgabe groß.

Startschuss noch nicht gefallen

Auch die Grünen setzen mit Hilfe des Nachwuchses auf das Internet. Frank Schröers Tochter ist Medieninformatikerin, die entsprechenden Accounts seien bereits eingerichtet. Noch nicht klar ist, wann der Startschuss für die Digital-Kampagne fällt.

Heinz Günter Freck, Bürgermeisterkandidat der CDU, macht keinen Hehl daraus, dass auch er Berührungsängste mit Facebook und Co. hatte: „Der direkte Kontakt mit den Menschen ist mir lieber“, sagt Freck. Früher oder später wäre auch die Lokalpolitik aber ohnehin digitaler geworden. Weil durch Corona andere Plattformen weggebrochen sind, müssten sich die Parteien nun eben schneller mit dem Thema auseinandersetzen.

Ob bei Bürger-Spaziergängen, mit dem Parteistand auf dem Wochenmarkt – oder auch direkt an der Haustür: Die Corona-Lockerungen erlauben es dennoch, dass alle Kandidatinnen und Kandidatinnen auch wieder in den direkten Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern treten können und wollen. Nach den Ferien werde der klassische Wahlkampf starten, wie ihn die Menschen kennen, lässt Freck für die CDU vorausblicken.

Auch junge Wähler begeistern

Weil bei den Kommunalwahlen bereits ab 16 Jahren gewählt wird, gilt es auch die Jugend zu überzeugen. Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule erwartet nach den Ferien eine Podiumsdiskussion mit den Politikern. Und die Evangelische Jugend in Frömern hat die Kandidaten ebenfalls eingeladen, um im Rahmen ihrer Wahlaktion Videoclips zu drehen.

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Das Coronavirus, so Sabina Müllers Eindruck der vergangenen Wochen, stellte den Wahlkampf auch inhaltlich vor Probleme: „Auf einmal hatten die Menschen ganz andere Sorgen als Politik.“

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