Fröndenbergs Reiter hadern mit Unterrichtsverbot

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Es gibt corona-sichere Freizeitbetätigungen für große und kleine Fröndenberger quasi vor der Haustür. Aktuell ist Reitunterricht verboten, aber grundsätzlich ist Pferdesport erschwinglich.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 22.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles Glück der Erde liegt in Pandemie-Zeiten offenbar nicht auf dem Rücken der Pferde – beim Fröndenberger Reit- und Fahrverein aktuell jedenfalls nicht für alle. Die Behörden mussten den Reitunterricht verbieten, grundsätzlich bleibt Reitsport aber eine tolle Freizeitbetätigung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Das bleibt auch beim Reit- und Fahrverein „Fritz Sümmermann“ auf dem Hof Plaas-Beisemann an der Hubert-Biernat-Straße so. Hier oben residiert ein Sportverein mit sage und schreibe 700 Mitgliedern: „Wir sind der zweitgrößte Reitverein in Westfalen“, vermeldet die frischgekürte Vorsitzende Andrea Hoestermann.

Enger Draht zu Behörden und Verbänden

Hofbesitzer Heinrich Plaas-Beisemann als Vizepräsident des Pferdesportverbandes Westfalen hält Kontakte zum Landesportbund, zu den zuständigen Ministerien bis in die NRW-Staatskanzlei: „An den Vorschriften ist nichts zu rütteln, es kann natürlich keine Ausnahmen geben. Aber ob das einen Sinn ergibt, in den Vereinen den Reitunterricht und den Amateursport zu stoppen, weiß ich gerade nicht.“

Luftig und weiträumig - hier in der Reithalle des Vereins werden seit Beginn der Pandemie maximal vier Pferde gleichzeitig von fachkundiger Aufsicht kontrolliert bewegt. Das sind weit über 200 Quadratmeter pro Pferd.

Luftig und weiträumig – hier in der Reithalle des Vereins – werden seit Beginn der Pandemie maximal vier Pferde gleichzeitig von fachkundiger Aufsicht kontrolliert bewegt. Das sind weit über 200 Quadratmeter pro Pferd. © Martin Krehl

Bei seinem Verein wird in großen, durchlüfteten Reithallen unterrichtet. Eine Ansteckungsgefahr ist auf dem weiträumigen Gelände nach Ansicht des Vereins nicht gegeben. „Selbst die An- und Abreise erfolgt per Privat-Pkw, anders kommt man gar nicht zu uns“, sagt die stellvertretende Jugendleiterin Marei Blennemann. Sie und Jugendleiterin Madeleine Glahé beobachten, dass Jugendliche, die zum Hof kamen, konsequent eine Maske getragen haben, bis sie auf ihrem Pferd saßen. „Und von da oben sind es sowieso immer 1,50 Meter Abstand bis zum Fußgänger“, sagt Blennemann.

Große Einbußen durch Unterrichtsgebühren

Dem Verein entgehen durch den Wegfall der Unterrichtsgebühren sage und schreibe 9000 Euro im Monat, bei gleichbleibenden Unkosten. Nicht alle Eltern können dem Verein den Beitrag quasi spenden. „Wir können aber Hufschmiede und Tierärzte nicht abbestellen, unsere Pferde setzen wir nicht auf Diät. Die Gebäude und Freiflächen müssen gepflegt werden, unsere angestellten Reitlehrerinnen müssen bezahlt werden und so weiter“, macht sich die Vorsitzende Andrea Höstermann Sorgen.

Marei Blennemann ergänzt: „Dabei hat unser Sport gerade das Image verloren, nur etwas für die Reichen zu sein. Unsere Mitgliedsbeiträge sind nicht höher als beispielsweise für den DLRG." Teuer ist und bleibt indes die Haltung eines eigenen Pferdes, beim Verein gibt es deshalb einige Pflegefreundschaften. Kinder und Jugendliche reiten und pflegen dann eines der Privatpferde mit.

Jugendwartin Madeleine Glahé muss jetzt erfahrene Reitschülerinnen organisieren, die die acht Schulpferde des Vereins bewegen.

Jugendwartin Madeleine Glahé muss jetzt erfahrene Reitschülerinnen organisieren, die die acht Schulpferde des Vereins bewegen. © Martin Krehl

Betrieb herrscht auf den Reitplätzen und in den beiden Hallen trotz des aktuellen Unterrichtsverbots dennoch, weiß Marei Blennemann: „Da greift der Tierschutz, natürlich müssen alle Pferde täglich ausreichend bewegt werden. Bei den acht Schulpferden müssen uns erfahrene Reitschülerinnen helfen, die arbeiten unter Aufsicht mit den Tieren."

Nicht einmal dann kommt es zu engeren Begegnungen zwischen den Menschen. „Wir haben Coachphon in den Reithelmen, da könnten wir auf 300 Metern Entfernung unterrichten“, erklärt Heinrich Plaas-Beisemann.

Rund 80 Reitpferde, die aber nicht alle zum Reit- und Fahrverein gehören, stehen auf dem Hof Plaas-Beisemann. Es gibt mehrere Spring- und Dressurplätze, zwei Reithallen und viel Platz - zum Beispiel um sich coeronabedingt aus dem Wege zu gehen.

Rund 80 Reitpferde, die aber nicht alle zum Reit- und Fahrverein gehören, stehen auf dem Hof Plaas-Beisemann. Es gibt mehrere Spring- und Dressurplätze, zwei Reithallen und viel Platz – zum Beispiel, um sich coronabedingt aus dem Wege zu gehen. © Martin Krehl

Der Vorstand des Fröndenberger Reit- und Fahrvereins geht davon aus, dass die Entscheider in den Behörden von falschen Vorstellungen ausgehen – „bei uns muss niemand aufs Pferd gehoben werden", sagt Marei Blennemann. Aber natürlich werden alle Vorschriften penibel eingehalten.

Voltigiergruppe muss kurz nach Wechsel aufhören

Eine Voltigier-Leistungssportgruppe hatte im Oktober noch zum Fröndenberger Verein gewechselt und musste nach einem Trainingstag aufhören.

Aber es wird hoffentlich bald wieder losgehen: „Wenn es wieder erlaubt ist, kann man sich sehr gern bei uns umschauen.“ 95 Prozent der Jugendlichen sind Mädchen oder junge Frauen, das ist im Reitsport immer noch so.

„Auch Erwachsene finden zu uns, manchmal sind es die Eltern unserer Schülerinnen“, erzählt Marei Blennemann. Einmal hat eine Mama heimlich Reitunterricht genommen und ihre Familie dann sogar mit einem Reiturlaub überrascht.

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