Pack’ die Badehose ein! Die Hitze treibt die Schwitzenden in diesen Tagen ins Fröndenberger Löhnbad oder ins Bürgerbad Dellwig. Es gab Zeiten, da musste Ostermanns Teich für eine Abkühlung reichen.

Fröndenberg

, 27.07.2019, 16:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer heute in die Schwimmbecken der beiden Freibäder der Stadt springt, ahnt nichts von der langen Geschichte der Badeanstalten in Fröndenberg und Dellwig. Wo heute hochmoderne Freizeiteinrichtungen stehen, tat es vor mehr als Hundert Jahren zum Beispiel auch ein schlichter Schwimmteich.

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Heute Lebende können sich an das erste "Freibad" in Fröndenberg nicht mehr erinnern: Um 1900 bestand die Anlage "Ostermanns Teich" auf dem späteren Gelände der Kartonagenfabrik Casack. © Archiv Martin Unverzagt

Die Historie des Badevergnügens in Fröndenberg begann in der Tat dort, wo heute immer noch das Löhnbad steht: Noch lange vor dem Ersten Weltkrieg, zwischen 1898 und 1908, vermutet der Fröndenberger Martin Unverzagt, erfrischten sich Alte wie Junge in Ostermanns Teich im Wiesengrund.

Auf einer historischen Aufnahme, die Martin Unverzagt aus seiner Sammlung zur Verfügung gestellt hat, sieht man ausschließlich Jungen um die zehn oder zwölf Jahre alt und einige Herren mit Hut an einem Holzsteg stehen.

„Für Ostermanns war es kein Problem, Getränke zur eingezäunten Badewiese zu bringen.“
Li Steinhoff, Chronistin aus Fröndenberg

Wie es zu Fröndenbergs erster „Badeanstalt“ kam, hat Chronistin Li Steinhoff vor vielen Jahren recherchiert. Der Wiesengrund wurde zu Kaisers Zeiten noch Ostermanns Wiesen genannt. Carl Ostermann gehörte auch die Gaststätte an der Westicker Straße, wo später Ising ausschenkte und heute der Kunstverein beheimatet ist. „Für Ostermanns war es kein Problem, von hier aus Getränke zur eingezäunten Badewiese an den Sachsenwald zu bringen“, schreibt Li Steinhoff in einem Beitrag für die Fröndenberger Jahreshefte.

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Auf diesem Foto von 1955 aus dem Löhnbachtal ist noch nicht zu erahnen, dass drei Jahre später das neue Löhnbad eröffnen sollte. Viel früher diente an fast gleicher Stelle Ostermanns Teich für Erfrischung. © Archiv Martin Unverzagt

Ostermanns Wiesen, das war seinerzeit ein sumpfiges Gelände, wo man schlicht das Erdreich ausgehoben, einen Steg und einen Holzturm hineingebaut und eine Blockhütte drangestellt hatte. Vom Turm aus „schockierten“, so Li Steinhofff, die Kinder die Spaziergänger.

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Die Kinder hatten nämlich den Badeteich schnell für sich entdeckt und wussten allerlei Schabernack zu treiben. So erzählt Li Steinhoff auch die Anekdote, wie die Kleinen nach dem Sprung ins Nass im Innern des Holzturms hochklettern konnten und ihre Eltern dabei beobachteten, wie diese besorgt immer noch auf die Stelle des Untertauchens starrten.

Bademode waren auch in Fröndenberg die „Quergestreiften“

Der Sommerspaß in der Bademode der Zeit, den „Quergestreiften“, nahm ein jähes Ende: Willi Casack hatte sein Wollwarengeschäft mit Druckerei am Marktplatz aufgegeben, dort wo heute das Café Melange zu finden ist. Casack baute auf Ostermanns Wiesen dann eine Kartonagenfabrik.Derr Teich versumpfte wieder, Müll und Bauschutt gaben ihm den Rest.

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Das alte Freibad an der Graf-Adolf-Straße in Fröndenberg wurde 1928 eingeweiht, die Ansicht zeigt die Dekorierung für die Eröffnungsfeierlichkeiten. 1957 wurde das Freibad geschlossen; das Löhnbad im Wiesengrund öffnete kurze Zeit später. © Archiv Martin Unverzagt

Viele Jahre später erst bekamen die damalige Gemeinde Fröndenberg und auch Dellwig, damals noch eigenständig im Amt Fröndenberg, erste „reguläre“ Badeanstalten.

So kam es 1928 zur Eröffnung des Freibades an der Graf-Adolf-Straße. Ältere Fröndenberger werden sich noch erinnern, dass eine ganze Generation dort das Schwimmen lernte. Heute erinnert nur noch das Hauptgebäude an das alte Bad. Die Betreiber, das damalige Gemeinde-Wasser- und Elektrizitätswerk, die heutigen Stadtwerke, sind bis heute dort ansässig.

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Für seine Zeit sehr modern mutet das alte Freibad an der Graf-Adolf-Straße an. Auf dieser Aufnahme um das Jahr 1930 ist im Hintergrund der Turm der Marienkirche zu erkennen. © Stadtarchiv Fröndenberg

Die Badeanstalt gab es nur knapp 30 Jahre, nach ihrer Schließung 1957 eröffnete im Jahr darauf am 6. Juni 1958 das Löhnbad. Immerhin gut zwei Jahre war an dem modernen Freibad im Löhnbachtal gebaut worden. Das Bad war für seine Zeit derart gut ausgestattet, dass schon im Sommer 1958 die Westdeutschen Meisterschaften im Schwimmen und Springen vom SV 1951 Fröndenberg hier ausgerichtet werden konnten.

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Nicht nur beim Besucherandrang, sondern auch in sportlicher Hinsicht erlebte das Löhnbad in seinen Anfangsjahren große Zeiten: Im Sommer 1958 richtete der Schwimmverein Fröndenberg hier die Westdeutschen Meisterschaften aus. © Archiv Martin Unverzagt

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Schon im zweiten Jahr seines Bestehens war das Löhnbad im Wiesengrund, wie auf diesem Foto von 1959 zu sehen ist, im Sommer ein Magnet für die Massen. © Archiv Martin Unverzagt

Als im Wiesengrund das neue Schwimmbecken fertiggestellt war, badete man in der Nachbargemeinde Dellwig weiter im zwischen 1930 und 1932 in Eigenleistung entstandenen Freibad. In den 1920er Jahren hatten die meisten Dellwiger Kinder das Schwimmen noch in der Ruhr gelernt. Der Bereich um die Kuhbrücke war bis dahin Naherholungsraum und Erlebnisbad zugleich.

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Historie der Badeanstalten und Freibäder in Fröndenberg

Das Luftbad reichte den Fröndenberger zu Kaisers Zeiten nicht mehr. Mit Ostermanns Teich beginnt um 1900 die lange Historie der Badeanstalten und Freibäder in Fröndenberg und Dellwig.
27.07.2019
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Heute Lebende können sich an das erste "Freibad" in Fröndenberg nicht mehr erinnern: Um 1900 bestand die Anlage "Ostermanns Teich" auf dem späteren Gelände der Kartonagenfabrik Casack.© Archiv Martin Unverzagt
Die Gaststätte Carl Ostermann belieferte die Badefreudigen in Ostermanns Teich im Löhnbachtal praktischer Weise mit Getränken. Das noch sehr primitive Badevergnügen dauert von 1898 bis 1908.© Archiv Martin Unverzagt
Das alte Freibad an der Graf-Adolf-Straße in Fröndenberg wurde 1928 eingeweiht, die Ansicht zeigt die Dekorierung für die Eröffnungsfeierlichkeiten. 1957 wurde das Freibad geschlossen; das Löhnbad im Wiesengrund öffnete.© Archiv Martin Unverzagt
Das alte Freibad an der Graf-Adolf-Straße wurde 1957 geschlossen; vermutlich war Platzbedarf der Stadtwerke der Grund. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1955.© Stadtarchiv Fröndenberg
Diese Ansicht zeigt das erste Freibad in Dellwig in den 1930er-Jahren. In Eigenarbeit hatten Mitglieder des TuS Jahn das Schwimmbecken zwischen 1930 und 1932 ausgehoben.© Archiv Martin Unverzagt
Badevergnügen im Jahr 1932: In dem damals noch neuen ersten Freibad in Dellwig posieren Kinder und Erwachsenen für den Fotografen. Das alte Dellwiger Freibad existierte von 1930 bis 1963.© Archiv Martin Unverzagt
Freibaden als Ereignis: Auf dieser Aufnahme aus den 1930er-Jahren stellen sich bald sämtliche Badenden in Dellwig dem Fotografen für ein Erinnerungsbild. Das erste Dellwiger Freibad war in Eigenarbeit von 1930 bis 1932 errichtet worden.© Stadtarchiv Fröndenberg
Ein großer Tag in Dellwig: Nach gut zweijähriger Arbeit wird 1932 das erste Freibad in der damals noch selbstständigen Gemeinde im Amt Fröndenberg eröffnet.© Archiv Martin Unverzagt
Das alte Dellwiger Freibad war gleich neben dem kurz zuvor eröffneten Sportplatz angelegt worden.© Archiv Martin Unverzagt
Natürlich avancierte das Freibad Dellwig auch schnell zum Ansichtskartenmotiv . . .© Archiv Martin Unverzagt
Für seine Zeit sehr modern mutet das alte Freibad an der Graf-Adolf-Straße an. Auf dieser Aufnahme um das Jahr 1930 ist im Hintergrund der Turm der Marienkirche zu erkennen.© Stadtarchiv Fröndenberg
Auf diesem Foto von 1955 aus dem Löhnbachtal ist noch nicht zu erahnen, dass drei Jahre später das neue Löhnbad eröffnen sollte.© Archiv Martin Unverzagt
Nicht nur beim Besucherandrang, sondern auch in sportlicher Hinsicht erlebte das Löhnbad in seinen Anfangsjahren große Zeiten: Im Sommer 1958 richtete der Schwimmverein Fröndenberg hier die Westdeutschen Meisterschaften aus.© Archiv Martin Unverzagt
Schon im zweiten Jahr seines Bestehens war das Löhnbad im Wiesengrund, wie auf diesem Foto von 1959 zu sehen ist, im Sommer ein Magnet für die Massen.© Archiv Martin Unverzagt
Eröffnung 1958: Das neu gebaute Löhnbad im Wiesengrund erwartet seine ersten Badegäste.© Archiv Martin Unverzagt
Luftaufnahme vom Löhnbad im Jahr 1959.© Archiv Martin Unverzagt
. . . und im selben Jahr aus einer anderen Perspektive.© Archiv Martin Unverzagt
Stillleben im Löhnbad, ca. 1961.© Archiv Martin Unverzagt
. . . und im Jahr 1963, wo es trubeliger zugeht im Löhnbad.© Archiv Martin Unverzagt
Der Sommer 1976 war heiß - eine Abkühlung im Löhnbad war damals schon eine gute Entscheidung.© Archiv Martin Unverzagt

Lehrer Reichenbach wollte aber die Jugend ertüchtigen und regte den Bau einer Frei-Badeanstalt an, wie der Förderverein des heutigen Bügerbades Dellwig in einer informativen Chronik berichtet.

Mitglieder des TuS Jahn Dellwig errichteten zwischen 1930 und 1932 in Eigenarbeit das Schwimmbecken hinter dem einige Jahre zuvor gebauten Sportplatz. Wer heutige topmoderne Bäder kennt, wird bei den damaligen Verhältnissen in Dellwig ein wenig schaudern: Eine Baracke diente als Damen-Umkleidekabine. Überliefert ist, dass listige Jungs Löcher in die Hölzer bohrten, um einen Blick auf Frauen und Mädchen zu werfen.

Fröndenbergs Freibäder: Von Ostermanns Schwimmteich bis zur Badeanstalt Dellwig von 1932

Diese Ansicht zeigt das erste Freibad in Dellwig in den 1930er-Jahren. In Eigenarbeit hatten Mitglieder des TuS Jahn das Schwimmbecken zwischen 1930 und 1932 ausgehoben. © Archiv Martin Unverzagt

Die Herren mussten sich dagegen im Freien entkleiden. Es gab zwar eine Toilette, aber keine Duschen. 1963 stellte man den Badebetrieb schließlich ein, weil die hygienischen Vorschriften nicht mehr eingehalten werden konnten.

Man könnte auch sagen, früher badete man viel natürlicher. Denn das erste Dellwiger Freibad speiste sich aus Wasser des Dellwiger Baches. Damit gelangte nicht nur Schlamm, sondern auch allerlei Getier ins Wasser . . .

Zur Sache

Bewegte Geschichte des Bürgerbades Dellwig

  • Nach der Grundsteinlegung 1974 wurde das neue Freibad in Dellwig 1975 eröffnet, bei deren Einweihung der damalige Bürgermeister Droste symbolisch den Hausschlüssel an den Stadtdirektor Heinz Rebbert übergab.
  • Der Bau wurde gefördert von Land und Bund mit 315.000 D-Mark, als Gesamtkosten wurden damals etwa 1,1 Mio D-Mark in der Presse mitgeteilt.
  • Im Februar 2011 wurde von Seiten des Aufsichtsrates der Stadtwerke Fröndenberg beschlossen, das Freibad in Dellwig zur Saison 2011 nicht weiter zu betreiben.
  • Nach Bekanntgabe der Schließungsabsicht bildeten sich sofort Bürgerproteste in den westlichen Stadtteilen.
  • Am 22. Mai 2011 gründete sich der Förderverein Freibad Dellwig e. V. mit dem Ziel, ein Bürgerbad zu betreiben. Bereits in der Gründungsversammlung traten 141 Menschen dem Förderverein bei.
  • Auf Grund des öffentlichen Druckes erklärte sich die Stadt bereit, das Bad finanziell für zunächst einmal zwei Jahre zu bezuschussen, wobei der Badbetrieb nur durch immensen ehrenamtlichen Einsatz möglich wurde.
  • Am 2. Juni 2012 wurde das das Bürgerbad Dellwig wieder eröffnet. Bis heute wird es durch Ehrenamtliche getragen bei einem Zuschuss durch die Stadt Fröndenberg.

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