Fröndenbergs Dorfläden und die Corona-Pandemie: Für die einen Wohl, für die anderen Wehe

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Coronavirus, Lockdown und Homeoffice: Die Pandemie könnte sich kaum unterschiedlicher auswirken als auf Fröndenbergs Dorfläden – für die einen ist es ein Glücksfall, für die anderen das Gegenteil.

Fröndenberg

, 20.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schließen im Lockdown mussten sie alle nicht, weder im März noch im November. Doch die Inhaber von Fröndenbergs Stadtteillädchen und Kiosken stellen neben dem Glücks- auch den Garageneffekt fest.

»Das Toilettenpapier habe ich vom Lkw abgeladen und direkt verkauft.«
Vitalij Golovacev, Mühlenberg-Kiosk

Viel weniger bemerkbar gemacht als bei seinen Kollegen hat sich die Virus-Pandemie im Mühlenberg-Kiosk von Vitalij Golovacev. Neben seinen Stammkunden habe er einige wenige neue Kunden hinzugewonnen, erzählt er.

Dass Kunden, die im Homeoffice arbeiten oder für Menschen in Quarantäne schnelle Besorgungen machen, aber neuerdings seinen Laden mitten im Wohnviertel bestürmen würden, kann er auch nicht sagen.

Toilettenpapier schaffte es nicht in den Laden

Eine Ausnahme gab es dann doch, bereits in der ersten Welle der Pandemie. Da hatte Golovacev einmal Pech und plötzlich doch ein leeres Regal und musste Toilettenpapier nachordern. „Das habe ich vom Lkw abgeladen und direkt verkauft, das kam gar nicht bis in den Laden“, erinnert er sich.

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Im Mühlenberg-Kiosk schiebt Mitarbeiterin Michele Stol einen Wagen mit Toilettenpapier zu den Regalen. Einen Engpass gab es aber nur einmal während der ersten Corona-Welle.

Im Mühlenberg-Kiosk schiebt Mitarbeiterin Michele Stol einen Wagen mit Toilettenpapier zu den Regalen. Einen Engpass gab es aber nur einmal während der ersten Corona-Welle. © Marcel Drawe

Von „Glück“ spricht dagegen Matthias Woldt. Der Inhaber des Hohenheider Lädchens meint damit nicht nur, dass er das dringend benötigte Klopapier oder auch das begehrte Mehl stets ausreichend vorhalten konnte.

Glückliche Entscheidung für einen Lebensmittelladen

Woldt sieht sich in dieser Pandemiezeit ganz allgemein im Glück, auch wegen einer glücklichen Entscheidung, wenn er bedenke, dass er statt eines Ladens für Lebensmittel, Zeitschriften und regionale Produkte vor einigen Jahren ja auch ein Modegeschäft hätte eröffnen können.

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Matthias Woldt gehört das Hohenheider Lädchen - er ist froh, die Pandemiezeit bislang auch wegen einer glücklichen Entscheidung gut überstanden zu haben.

Matthias Woldt gehört das Hohenheider Lädchen - er ist froh, die Pandemiezeit bislang auch wegen einer glücklichen Entscheidung gut überstanden zu haben. © Archiv/Udo Hennes

»Es kommen Leute, die sonst nie gekommen sind.«
Matthias Woldt, Hohenheider Lädchen

Dann wäre er von Schließungsanordnungen durch die Behörden heftiger betroffen gewesen. Doch weil er eine Art Grundversorger auf der Hohenheide ist, musste er seit März kein einziges Mal das Lädchen komplett zu machen. Seitdem begrüßt er in dem kleinen Ladenlokal „Leute, die sonst nie gekommen sind“.

Homeoffice-Kunden decken sich ein für den Tag

Menschen, die im Homeoffice arbeiten und sich kurz vor Woldts Mittagspause noch mit dem Nötigsten für den Arbeitstag daheim eindecken. Dass die Leute mittlerweile gern mal ihr Auto stehen lassen, um bei ihm um die Ecke regionale Produkte einzukaufen, bemerkt er zwar seit längerer Zeit.

Der Zuwachs an Kunden in diesem Jahr, das weiß Matthias Woldt auch aus den vielen Corona-Pläuschchen im Geschäft, hängt aber besonders mit den vielen Heimarbeitern zusammen.

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»Ich lebe hier vom fahrenden Volk und davon ist ein Großteil weggefallen.«
Carsten Kaminski, Kiosk B233

Was des einen Wohl, ist des anderen Wehe. Carsten Kaminski steht in seinem Kiosk an der B233 in Strickherdicke und wartet auf Kunden. Die kommen auch, aber seltener – oder häufiger mit weniger gewinnträchtigen Bedürfnissen.

„Ich lebe hier vom fahrenden Volk und davon ist ein Großteil weggefallen“, erzählt Kaminski. Die Autos der Homeoffice-Kunden bleiben in der Garage. Zehn Prozent weniger Umsatz, 30 Prozent weniger Gewinn – diese deprimierende Rechnung habe er seit März aufmachen müssen.

Novemberhilfe hilft Carsten Kaminski nicht

Dass der Gewinn stärker als der Umsatz zurückgehe, liege daran, dass der Zigarettenkauf stark zugenommen habe – die Gewinnmarge für ihn ist bei dieser hoch besteuerten Ware aber sehr klein.

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Die Soforthilfe im Frühjahr sei eine gute Sache gewesen, weil sie ihm über einen Liquiditätsengpass bei seinen weiterlaufenden Betriebskosten hinweggeholfen habe. Von der Novemberhilfe im „Lockdown light“ habe er jedoch gar nichts.

Zwar muss er seinen Kiosk nicht schließen, weil auch er dort Waren des täglichen Bedarfs verkauft. Weil Kunden, auch aus Kontaktscheu wegen Corona, seltener zu ihm kommen, nehme er aber trotzdem weniger ein.

Für die Hilfe müsse er indes einen Umsatzrückgang von 60 Prozent im Vergleich zum November 2019 nachweisen, was er wiederum auch nicht könne. Seine derzeitige Situation könne man daher auf die Formel bringen: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

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