Eine Fröndenbergerin machte sich beim Kauf einer Gleitsichtbrille in Menden strafbar. © picture alliance / dpa
Pfändungskonto

Fröndenbergerin fehlt bei Kauf einer Gleitsichtbrille der Durchblick

Nur Bares ist Wahres dürfte sich ein Optiker in Menden heute sagen. Der Verkauf einer Gleitsichtbrille an eine Fröndenbergerin stellte sich zunächst wie ein routinemäßiges Geschäft dar. Weit gefehlt.

Eine neue Gleitsichtbrille musste her. Also suchte eine Frau aus Fröndenberg Anfang 2020 ein Optikergeschäft in Menden auf. Die Wahl war getroffen und es ging an die Zahlung von insgesamt 347 Euro.

»Man darf kein Geld ausgeben, das man praktisch noch nicht hat.«

Richter am Amtsgericht Menden

Die 48-Jährige gab an, die Brille per Lastschrift bezahlen zu wollen. Die von ihr genutzte Bankkarte gehörte allerdings zu einem Konto, dass gar nicht durchgehend gedeckt war. Ein Umstand, der der Fröndenbergerin durchaus bewusst war.

Vortäuschen der Zahlungsfähigkeit ist Betrug

Tatsächlich gelang es dem Optiker nicht, den Kaufpreis für die Brille von dem Konto einzuziehen. Im strafrechtlichen Sinne stellt das Vortäuschen ihrer Zahlungsfähigkeit einen Betrug dar. Und so fand sich die Frau im Amtsgericht Menden auf der Anklagebank wieder.

Dort zeigte sie keinerlei Einsicht, dass sie sich strafbar gemacht hatte. Sie führte aus, wie schwierig es sei, mit Hartz-IV zu leben. Sie habe ein sogenanntes P-Konto (Pfändungskonto) was sie immer leer räume, sobald sie Geld bekäme.

Dummerweise bekäme sie immer erst um den 16. herum ihr Geld. Der Optiker hätte aber mehrmals versucht, am 1. des Monats abzubuchen und damit zu einem Zeitpunkt, als das Konto nicht mehr gedeckt war.

Die Angeklagte versuchte, alles als Missverständnis hinzustellen. Sie habe gedacht, ihre Tochter hätte die Brille für sie bezahlt. Der Richter ließ sich davon jedoch nicht beirren. Schließlich hätte die Fröndenbergerin bereits bei der Entgegennahme der Brille genau gewusst, dass das Konto selten gedeckt ist.

Dadurch sei der Betrug vollendet. Dass die 48-Jährige den gesamten Betrag mittlerweile gezahlt hat, ändere auch nichts daran. Am Ende verurteilte der Richter die Frau zu 1000 Euro Geldstrafe. Eine spürbare Strafe für die Hartz-IV-Empfängerin.

Wein mit ausgebliebenem Weihnachtsgeld „bezahlt“

Für die 48-Jährige aber nicht das erste Urteil wegen Betruges. 2017 war sie verurteilt worden, weil sie Wein bestellt hatte, in der Hoffnung, ihr Mann würde Weihnachtsgeld bekommen.

»Ich seh‘ das einfach nicht so.«

Angeklagte aus Fröndenberg

Doch die Zahlung war ausgeblieben und damit konnte auch die Weinrechnung nicht beglichen werden. Richter und Vertreter der Staatsanwaltschaft sahen in beiden Fällen die gleiche Vorgehensweise: Über Geld verfügen, das lediglich in Aussicht gestellt wird.

Eine Vorgehensweise, die sich die Fröndenbergerin dringend abgewöhnen sollte. „Man darf kein Geld ausgeben, das man praktisch noch nicht hat“, brachte es der Vorsitzende auf den Punkt. Bis zum Schluss hielt sich die Frau für unschuldig. Sie soll einen Betrug begangen haben? „Ich seh‘ das einfach nicht so.“

Über die Autorin

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.