Wenn der Ehemann Risikopatient ist: Fröndenbergerin bittet Spaziergänger um mehr Rücksicht

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Gabriele Blum ist Angehörige eines Risikopatienten. Sie wünscht sie sich von den Fröndenbergern ein wenig mehr Rücksicht bei Spaziergängen, freut sich aber auch über die Hilfsangebote.

Fröndenberg

, 28.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Spaziergang an der frischen Luft tut gerade Leib und Seele gut. Die eigenen vier Wände für eine Weile verlassen, die einem bisweilen wie ein Gefängnis vorkommen. Doch selbst beim Spaziergehen ist die Gefahr da, sich bei Passanten mit dem Coronavirus anzustecken. Und die bringen nicht immer die Rücksicht mit, die sich Gabriele Blum wünscht.

Blums Ehemann hat gerade erst eine Nierentransplantation hinter sich, ist seit Mittwoch wieder in den eigenen vier Wänden. Damit gehört er zu den Menschen, die derzeit als Hoch-Risikopatienten für den Coronavirus gelten. Seine Frau versucht deshalb, sich von jeglichen Gefahrenquellen fernzuhalten. Das ist aber gar nicht so einfach.

Spaziergänger noch nicht sensibilisiert

„Leider ist es vielen Menschen noch immer nicht bewusst, wie groß der notwendige Sicherheitsabstand von knapp zwei Metern ist“, sagt die Fröndenbergerin. Deshalb habe sie zum besseren Verständnis mal einen Zollstock ausgelegt, der zeigt: Um den Sicherheitsabstand zu wahren, müssen Spaziergänger am Rand der Straßen laufen.

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Anfang der Woche hat sie es bei ihren Spaziergängen noch selbst erlebt. „Einzelne Personen gehen in der Mitte des Weges, entgegenkommende Zweiergruppen weichen nicht zur Seite aus oder gehen kurz hintereinander.“ Mit Hund wäre dann schnell schon mal der gesamte Weg versperrt. Dabei hat Gabriele Blum vor allem eine Bitte: „Achtet bitte auf den Sicherheitsabstand.“

Till Duhme aus Westick ist 15 Jahre alt und nutzt seine Freizeit, um sich in der Fröndenberger Taschengeldbörse zu engagieren. Auch für Gabriele Blum war er bereits einkaufen.

Till Duhme aus Westick ist 15 Jahre alt und nutzt seine Freizeit, um sich in der Fröndenberger Taschengeldbörse zu engagieren. Auch für Gabriele Blum war er bereits einkaufen. © Dagmar Hornung

Selbst wenn man selbst nicht zur Risikogruppe gehört, andere tun es. Ihr ist es wichtig, ihren Mann keiner Gefahr auszusetzen. „Deshalb möchte ich die Leute noch einmal dafür sensibilisieren.“ Der Abstand müsse nicht nur in Geschäften eingehalten werden, sondern auch draußen. „Das wird leider oft vergessen.“

Bringservice und hilfsbereite Nachbarn

Seit Mittwoch hat sie das Haus zu seinem Schutz nicht mehr verlassen. Sie ist froh, dass es die Taschengeldbörse und ihre Nachbarn gibt. „Die Menschen sind aufmerksam und hilfsbereit.“

Gabriele Blum bittet ihre Fröndenberger darum, Abstand beim Spaziergang zu wahren. Mit einem Zollstock will sie zeigen, wie viel zwei Meter wirklich sind.

Gabriele Blum bittet ihre Fröndenberger darum, Abstand beim Spaziergang zu wahren. Mit einem Zollstock will sie zeigen, wie viel zwei Meter wirklich sind. © Privat

Sie habe sich im Vorhinein viele Gedanken gemacht und sich organisieren müssen. „Ich musste schauen, welche Geschäfte einen Bringdienst haben.“ Bei anderen habe sie einfach mal nachgefragt. Blumen Schwarzkopf habe ihr in den vergangenen Tagen auch Blumen vorbeigebracht, obwohl sie eigentlich noch keinen Bringservice hatten. „Sie haben es trotzdem getan, als sie von meiner Situation hörten“, sagt sie dankbar.

Rücksicht bei Spaziergängen

Auch wenn es in Fröndenberg noch nicht so viele Geschäfte wie beispielsweise in Unna sind, lässt sich Blum nicht entmutigen. „Manchmal habe ich Geschäfte auch einfach angesprochen und nachgefragt, was sich machen lässt.“ Wenn der Lieferdienst nicht möglich war, hat sie auf das Angebot der Taschengeldbörse zurückgegriffen und unter anderem Jugendliche wie Till Duhme für sich einkaufen lassen.

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Für die kommenden Wochen hofft sie, ihr Haus so wenig wie möglich verlassen zu müssen. Nur hin und wieder ein sorgenfreier Spaziergang, das wünscht sie sich. „Ohne dass ich bei entgegenkommenden Passanten ins Feld springen muss, um den Sicherheitsabstand zu wahren“, sagt sie und appelliert noch einmal an ihre Mitmenschen: „Bitte haltet die zwei Meter ein.“ Dafür könne man sich auch mal mit einem Zollstock bewusst machen, was zwei Meter wirklich bedeuten. „Mir war vorher gar nicht bewusst, wie groß der Abstand wirklich ist.“

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