Noch im Ruhestand schenkt die ehemalige Pflegedienstleiterin des Schmallenbach-Hauses Sterbenden Zeit. Erika Wette sagt, sie tue da nicht viel: "Ich bin dann nur da, das macht mich zufrieden!"

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 29.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Heute sind so viele Menschen allein. Die Fröndenbergerin Erika Wette ist das nicht. Sie hat ihre Familie, ihren Bekanntenkreis, sie blickt auf ein erfülltes Arbeitsleben zurück. Aber nie vergisst sie, sich um Menschen zu kümmern, die allein sind. Und sei es an ihrem Sterbebett.

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Die ehemalige Pflegedienstleiterin des Schmallenbach-Hauses ist heute ehrenamtliche Sterbebegleiterin: „Ich habe die Angst vor dem Tod verloren“, sagt sie und lacht dabei. So oft hat sie Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet und dabei unendlich viele Erfahrungen gemacht – und ein Stück auch sich selbst neu kennengelernt.

Einige haben erst im Sterben ihren Frieden gefunden

“Einige, bei denen ich bis zuletzt gesessen habe, haben noch schwer gekämpft und erst im Sterben ihren Frieden gefunden. Das konnte ich sehen“. Erika Wette sagt, sie tue ja gar nicht viel, wenn sie zu den Sterbenden gehe. Erkennbar da sein, Nähe vermitteln, berühren, halten, ein bisschen sprechen, auch beten. „Das kann eigentlich jeder“, meint die resolute Fröndenbergerin.

Gerade macht sie aber eine Pause in ihrem palliativen Wirken, weil ihr eigener Mann gestorben ist. Sie weiß genau, dass die Trauer keine feste Zeit hat, also hat sie sich erst einmal aus der Sterbebegleitung zurückgezogen.

Erika Wette hat auch lange in der Aufnahme des Schmallenbach-Hauses gearbeitet: „Fast alle haben dann schon verstanden, dass das ihr letzter Aufenthaltsort ist“, hat Erika Wette gemerkt, „auch wenn sie noch viele Jahre Bewohner dort oben sind". Wer dann ins Alten- und Pflegeheim geht, der hat viel aufgegeben, dem muss man Rechnung tragen.

42 Jahre Arbeit mit Alten und Pflegebedürftigen

42 Jahre hat Erika Wette sich beruflich um alte und pflegebedürftige Menschen gekümmert, seit ihrem Eintritt in den Ruhestand tut sie es immer noch. Ehrenamtlich und solange die Kräfte es zulassen. „Im Beruf habe ich mich also immer um die Neugekommenen und die gekümmert, die gehen mussten“, so Erika Wette.

Fröndenbergerin begleitet im Ruhestand Menschen in den Tod

Erika Wette begleitet Menschen in Fröndenberg bis in den Tod. © picture alliance / dpa

Weil ihr der Beistand bei den Sterbenden so viel gegeben hat, will sie das auch noch eine Weile weiter ehrenamtlich tun.

Die Hauswirtschaft hat sie kennengelernt, die Arbeit auf den Stationen, die Pflege, die Seelsorge und die Sterbebegleitung, ausgerechnet den letztgenannten Aspekt ihrer Arbeit hat sie beibehalten.

Ab und zu ist dann mal ein Schicksal dabei, dessen Einzelheiten Erika Wette irgendwie mitbekommen hat: „Dann bin ich nach Hause gekommen und musste erst mal für mich sein“. Die Familie hat ihr diese Ruhe dann auch gelassen, um wieder zu sich zu kommen, neue Kraft zu entwickeln, sich wieder auf den Alltag einlassen zu können. Denn ihre Familie in dem schmucken Siedlerhäuschen braucht sie, setzt auf sie und gibt ihr den Rahmen, in dem sie ihre ehrenamtliche Arbeit tun kann.

„Bei Kindern könnte ich das nicht“

„Muss ich alleine sterben?“, diese große Sorgen kann den Menschen im Schmallenbach-Haus genommen werden. Auch wer völlig ohne Angehörige ist oder niemanden hat, der sich kümmert – im Zweifel kommt Erika Wette ans Sterbebett und ist einfach da.

Fröndenbergerin begleitet im Ruhestand Menschen in den Tod

Mit den alten Menschen auf dem Hirschberg hat Erika Wette viel Zeit verbracht. © Gerd Nolte

„Bei Kindern könnte ich das nicht“, meint Erika Wette, die nicht wirkt, als könne sie etwas umhauen. „Ganz einfach: Ältere Menschen nehmen den Tod an, fügen sich irgendwann und akzeptieren den Tod. Aber die Jungen haben so viele Fragen und noch viel mehr Ängste, das ist dann viel schwerer."

Man kann sie auf der Straße ansprechen oder anrufen, sie macht sich dann auf den Weg um zu helfen. Da war die 95-Jährige, deren Hausarzt Erika Wette bat, doch mal zu schauen, ob die alleinlebende Seniorin nicht doch besser im Pflegeheim aufgehoben wäre. Erika Wette ging hin und kam dann einmal in der Woche auf einen Kaffee vorbei. Denn: „Fürs Heim war die Dame noch viel zu fit und selbstständig."

Bewerbung um ein Apartment im Haus Hubertia ist raus

Eines Tages öffnete die Frau ihr nicht, nach längerem Hin- und Her kam die Feuerwehr und öffnete. Die betagte Seniorin war gestürzt, nun war die Überweisung ins Heim nicht mehr aufschiebbar. „Sie ist mir heute dankbar und sagt, dass sie sich selbst früher hätte kümmern müssen.“

Erika Wette hat sich auch schon gekümmert – zum Erstaunen ihrer Umwelt hat sie sich bereits um ein Apartment im Haus Hubertia beworben. „Da bin ich betreut und mitten in der Stadt, was will ich denn mehr?"

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