Der Fröndenberger Wochenmarkt, seine Händler und Kunden altern und schrumpfen. Dem vielversprechenden Umbau des Platzes blicken Händler eher skeptisch entgegen. Dennoch lieben sie ihre Arbeit. Das zeigt ein Markt-Besuch.

Fröndenberg

, 31.10.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist Donnerstagvormittag, knackig kühl, aber die Sonne lacht. Wer im Zentrum von Fröndenberg einen Parkplatz finden möchte, muss schon genauer Ausschau halten. Die Parkplätze sind fast alle voll. Dass in der City nichts los ist, kann also keiner behaupten. Auf dem Wochenmarkt aber, sieht das anders aus.

Nicht nur wenige Menschen schlendern über den Marktplatz, auch ein großer Teil der Händler fehlt.

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Brigitte Firnrohr steht seit 40 Jahren auf dem Wochenmarkt in Fröndenberg, ihre Familie verkauft hier frisches Gemüse in dritter Generation. Sie weiß, wo die Kollegen an diesem Donnerstag stecken. In Unna oder Menden. Denn in den Nachbarstädten wurden die Wochenmärkte wegen Allerheiligen vorverlegt. Und die Händler verkaufen ihre Waren dort, wo es sich am meisten lohnt.

Ein Großteil der Kunden sind Stammkunden

Viele Kunden sind Stammkunden, sagt Brigitte Firnrohr. Deswegen steht sie immer gerne auf dem Markt – auch wenn die Stammkunden weniger werden, alt und krank sind, im Haus Hubertia leben. Ein älterer Herr komme jeden Donnerstag, um sich eine frische Zwiebel fürs Tomatenbrot zu besorgen. „Die schenke ich ihm dann“, sagt die Marktbeschickerin.

Rentabel klingt das nicht. Aber es bereitet Freude. So viel, dass auch Tochter und zehnjährige Enkeltochter gerne mal mit am Stand stehen. Regelmäßig haben sie dazu keine Zeit. So wird, wenn Brigitte Firnrohr irgendwann nicht mehr fit genug ist, auch der Stand der Familie vom Fröndenberger Wochenmarkt verschwinden.

Rieke Marquardt und Veronika Lebek mögen den kleinen Fröndenberger Wochenmarkt. Ihr Umsatz hat sich in den vergangenen Jahren allerdings halbiert.

Rieke Marquardt und Veronika Lebek mögen den kleinen Fröndenberger Wochenmarkt. Ihr Umsatz hat sich in den vergangenen Jahren allerdings halbiert. © Hornung

Eva Baus ist eine der Kundinnen, die jeder mit Namen kennt. Heute kauft sie gekochte Rote Bete. Es wirkt, als ob sie das öfter tut – ein Töpfchen extra für sie bereitsteht. „Ich komme, weil hier so nette Leute sind. Und es ist schön, wenn man Leute von früher trifft“, sagt die Seniorin. Für sie ist der Wochenmarkt auch ein Treffpunkt.

Markt war früher viel größer

Er war früher viel größer, erinnert sich Brigitte Firnrohr. Immerhin: Heute ging der Grünkohl gut weg. Klar gebe es derzeit einen Trend zum Selbstgekochten, zu frischen regionalen Produkten. Bis auf den Fröndenberger Wochenmarkt reiche der allerdings nicht.

Brigitte Firnrohr befürchtet, dass die goldenen Zeiten des Marktes in Fröndenberg vorbei sind. Auch die geplante Umgestaltung der Platzes im kommenden Jahr ändere daran wohl nichts. Im Gegenteil: „Der ist doch schön, müsste nur mal ein bisschen sauber gemacht werden“, sagt sie. Zur Verkehrsberuhigung ein paar Huckel in die Durchfahrt. Schon wäre aus ihrer Sicht alles ok.

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Zwei neue Kundinnen kommen zum Stand: Liebstöckel steht auf der Einkaufsliste. Für diejenigen, die nicht selber kochen, schon fast ein exotischer Wunsch. Doch auch mit dem Maggikraut kann Brigitte Firnrohr selbstverständlich dienen. Dann klönen die Damen. Darüber, wie günstig es ist, frisches Gemüse vom Markt zu verkochen. Und dass das die meisten gar nicht wissen. Ein Kilo Kartoffeln gibt‘s frisch für einen Euro. Das Ei dazu koste nur wenige Cent. Und schon hat man für unter zwei Euro 18 frische Reibekuchen. Ähnlich verhalte es sich mit der Dreitagessuppe aus frischem Gemüse, philosophiert das Trio.

Viele Kunden sind inzwischen verstorben

„Schwierig“ sei es geworden, der Andrang „sehr rückläufig“, weiß auch Veronika Lebek zu berichten. Die Umsätze der Obst- und Gemüsehändlerin seien in den vergangenen Jahren um 50 Prozent zurückgegangen. Wo die Kunden sind? „Verstorben“, bringt es die Marktbeschickerin unumwunden auf den Punkt. Junges Publikum fehlt. Und auch Veronika Lebek spricht aus Erfahrung. Ihren Stand mit baut sie seit 30 Jahren in Fröndenberg auf. Schwerte etwa, sei auch eine kleine Stadt, es kämen aber viel mehr junge Leute.

Vom Umbau des Marktplatzes hält die Händlerin nichts. Viele Stammkunden, das sagt auch sie, kommen inzwischen aus dem Altenheim nebenan. Ob sie noch kommen, wenn der Markt übergangsweise auf den Bruayplatz umzieht, bezweifelt sie. „Das bedeutet wahrscheinlich das Ende.“ Dabei sei der Markt früher wirklich schön gewesen, stimmt auch ihre Kollegin Rieke Marquardt zu. Die Altersstruktur sei das Problem. Hinzu komme, dass die jungen Mütter heute arbeiten. Für den Einkauf auf dem Wochenmarkt bleibt keine Zeit.

Jens Klein ist mit dem ehemaligen Backmobil der Bäckerei Neuhaus auf dem Fröndenberger Marktplatz und bei der Kunden sehr gefragt.

Jens Klein ist mit dem ehemaligen Backmobil der Bäckerei Neuhaus auf dem Fröndenberger Marktplatz und bei der Kunden sehr gefragt. © Hornung

Jens Klein kann die Bedenken der anderen Marktbeschicker nicht ganz nachvollziehen. Er hat den Betrieb Neuhaus übernommen – und damit ebenfalls eine treue Stammkundschaft, die extra für das Backmobil auf den Markt kommt. „Man kriegt so selten gutes Dinkelbrot – er hat es“, sagt eine Kundin – ordert das Dinkelbrot und zwei Schokobrötchen für die Kollegin, der sie immer „was Leckeres“ mitbringen soll.

Jens Klein hat inzwischen sogar bei der Stadt angefragt, ob er auch dienstags auf dem Marktplatz stehen darf. Ergebnis: kein Problem. Bald haben die Stammkunden im Zentrum also zweimal wöchentlich Gelegenheit, seine Backwaren zu kaufen.

„Man wird sich schon daran gewöhnen“

Ausgesprochen begeistert von der bevorstehenden Umgestaltung zeigte sich keiner der Händler am Donnerstag. „Man muss da durch, wir werden uns schon daran gewöhnen“, gab‘s zumindest einige versöhnliche Stimmen.

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