Wie schläft es sich in einer Jurte, wie passiert man Staatsgrenzen in ehemaligen Sowjet-Staaten? Und wie schmeckt Kamelmilch? Der Fröndenberger Friedhelm kennt jetzt die Antworten.

Fröndenberg

, 02.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Jahr 2012 wurde der langjährige Jugendreferent Friedhelm Wegener aus der Evangelischen Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen verabschiedet. Jetzt ist er im Ruhestand, vertreibt sich einen Teil seiner neu gewonnenen Freizeit als Busfahrer, den anderen mit Reisen. Und zwar nicht nach Mallorca oder an die Ostseeküste, sondern in Länder, deren Natur und Kultur wohl nur die wenigsten Mitteleuropäer im Lauf ihres Lebens kennenlernen. Im vergangenen Frühjahr legte Wegener 17.000 Kilometer durch 17 Länder zurück – mit seinem alten privaten Pkw.

Wenn der langjährige Jugendreferent Friedhelm Wegener von seiner Reise durch Osteuropa und Zentralasien berichtet, beginnen die Augen zu leuchten, er kommt von Hölzchen aufs Stöckchen. Atemberaubende Natur, gastfreundliche Einheimische, unfreundliche Grenzbeamte, orthodox christlich und streng muslimisch geprägte Kulturen. Die ehemaligen Sowjetstaaten sind aufregend. Wegener hat das fünfwöchige Abenteuer gewagt.

Alles Länder, in denen man länger Urlaub machen kann

„Es sind alles Länder, in denen man länger Urlaub machen könnte“, sagt der Fröndenberger. Sie faszinierten ihn mit ihrer Jahrtausende alter Geschichte und Kultur. Aber auch die Natur bot reizvolle Ansichten. Ski-Gebiete, das Rote Meer, Wüste im Wechsel mit sehr grünen und fruchtbaren Gegenden sowie Reisfelder – in einem Urlaub.

Fünf Wochen, 17.000 Kilometer, 17 Länder – und 3,40 Euro pro Nacht

Üblicher Straßenverkehr durch die Wüste. Lkw und Kamel teilen sich den Weg. © Privat

In Turkmenistan, ein Binnenstaat in Zentralasien am Kaspischen Meer, mehr als 4.000 Kilometer Luftlinie von Fröndenberg entfernt, stellte der Mann aus der Ruhrstadt erstaunt fest, dass es auch in der Wüste Überschwemmungen geben kann. Er teilte sich die Fahrbahn teils nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Kamelen.

Yanar Dağ – ein Berg, der brennt

Einen brennenden Hügel, den Yanar Dağ, besichtigte er wenige Kilometer nördlich von Baku, der Landeshauptstadt Aserbaidschans. Aserbaidschan sei ein Land, dass in den Städten reich, auf dem Land arm ist, so Wegener. Gegensätze – zwischen arm und reich, vor allem aber in Bezug auf die Religionen – hätten seine Reise geprägt.

Fünf Wochen, 17.000 Kilometer, 17 Länder – und 3,40 Euro pro Nacht

Ein tausende Jahre brennendes Feuer in Aserbaidschan: Freidhelm Wegener war da. © Privat

Während Turkmenistan muslimisch geprägt war, war etwa Georgien ein orthodox christliches Land, das ebenfalls auf der Reiseroute lag. Wegener erinnert sich gern an die alten Kirchen in Armenien, die tollen „herrlich blauen Moscheen“ in Usbekistan. Besonders strenge religiös bedingte Regeln gelten im Iran. „Das war das einzige Land, in dem ich kein Bier getrunken habe“, scherzt Wegener. Grundsätzlich studiere er im Vorfeld seiner Reisen Berichte, während er unterwegs ist, tausche er sich mit anderen Reisenden aus.

Gute Vorbereitung ist wichtig für die Reise

„Mann muss sich immer gut informieren, damit man keine Fehler macht“, so Wegener. Vor allem wann, wo und wie Landesgrenzen zu passieren sind, sollte schon allein wegen der zu beantragenden Visa geplant sein. Neben den strengen Kontrollen an Grenzübergängen gab es auch verrückte Regeln: In Turkmenistan etwa dürfen Regierungsgebäude nicht fotografiert werden. Das dortige Staatsoberhaupt hat eine Vorliebe für die Farbe Weiß. Nur helle Autos sind im Straßenverkehr unterwegs.

Fünf Wochen, 17.000 Kilometer, 17 Länder – und 3,40 Euro pro Nacht

Im Iran zeltete Freidhelm Wegener am Straßenrand. Denn zum Ramadan waren alle Hotels belegt. Zelten am Straßenrand habe dort Tradition. © Privat

Im Vorfeld seiner Reise hat sich Wegener etwas Russisch angeeignet, auch wenn das immer weniger gesprochen werde. Die meisten Länder seien stolz auf ihre Unabhängigkeit und Nationalität, wozu auch Sprache gehört. Ein schmaler Grat, findet der Weltenbummler. Obwohl Menschen aus dem Westen in Zentralasien nicht so häufig herumlaufen, war er als Deutscher immer gern gesehen – nachdem sich geklärt hatte, dass er kein Amerikaner war...

Das Alleinreisen, die Übernachtungen in Hotels und Hostels, zum Teil für nur 3,40 Euro pro Nacht sowie das Zelten am Straßenrand verschafften dem kommunikativen Ruhrstädter interessante Bekanntschaften: Zu Rucksacktouristen, die selbst vor Syrien, dem Irak oder Afghanistan nicht halt machten.

Erst Zelt aufbauen, dann Grillteller essen

Aber auch zu Einheimischen: Im Iran musste Wegener zelten, weil zum Ramadan alle Hotels ausgebucht waren. Das taten nicht nur er, sondern auch viele Iraner – die ihm direkt nach dem Zeltaufbau einen Grillteller überreichten.

Fünf Wochen, 17.000 Kilometer, 17 Länder – und 3,40 Euro pro Nacht

In kirgisischen Jurten konnte auch übernachtet werden. © Privat

Während der Reise durchs sehr hoch liegende Kirgisistan hatte Wegener bereits einige traditionelle Jurten gesehen. Als er dann eines Abends durch eine Kleinstadt im benachbarten Kasachstan fuhr, gerade sein Zelt aufbauen wollte, wurde er von einer Familie zum Essen in eine traditionelle Jurte eingeladen.

Kamelmilch und ein frisch geschlachtetes Schaf

„Da habe ich dann das erste Mal Kamelmilch probiert, die war total lecker“, freut sich der Fröndenberger. Extra für den Gast schlachteten die Kasachen ein Schaf. Der Gest durfte den ersten Knochen genüsslich aussaugen.

Fünf Wochen, 17.000 Kilometer, 17 Länder – und 3,40 Euro pro Nacht

Ein tolles Erlebnis war für den Fröndenberger die Einladung in eine traditionelle Jurte in Kasachstan. © Privat

Auf dem Rückweg fuhr Wegener lange durch Russland. „Tolle Leute, tolles Essen“, lautet sein Fazit. Auch die Straßen in Russland seien „ok“ gewesen. Um mit seinem Auto durchzukommen, nutze er während der Reise einen guten Trick: „Immer hinter den Einheimischen herfahren, die kennen die Schlaglöcher.“

Fünf Wochen, 17.000 Kilometer, 17 Länder – und 3,40 Euro pro Nacht

Das Auto mit dem Friedhelm Wegener seine Reise unternommen hat: Kaum zu glauben, dass ihn der alte Mercedes 17.000 Kilometer durch Osteuropa und Zentralasien trug. © Privat

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