Fröndenberger Unternehmen Biobiene vertreibt Bio-Verpackungen

dzGerman Brand Award

Ein Paket mit Klebeband, Lieferschein und Polstermaterial – vollständig kompostierbar: Das macht das Fröndenberger Unternehmen Bionbiene möglich. Und es lieget damit voll im Trend.

Fröndenberg

, 24.07.2018, 16:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Plastikmüll: Nicht erst seit gestern wird die Umwelt zunehmend durch Kunststoff belastet – ganz speziell leiden die Meere, in denen zersetzter Kunststoff, sogenanntes Mikroplastik, oft landet. Doch seit einigen Jahren beginnt – teils per Gesetz verordnet – ein Umdenken. Politiker haben sich zum Ziel gesetzt, Plastikverpackungen zu reduzieren. Spürbar ist das schon bei den Plastiktüten, die nach und nach aus Geschäften verschwinden. Plastikbesteck und -tellern geht es als Nächstes an dem Kragen. Es gibt auch vermehrt Menschen, die bewusst auf Plastik verzichten, wenig Müll produzieren wollen – und entsprechend Hersteller, die auf diesen Trend setzen. Nachhaltigkeit und Bio sind in aller Munde.

Aufmerksam geworden

Auch die Verpackungsindustrie ist darauf inzwischen aufmerksam geworden. In Fröndenberg sitzt ein kleines Unternehmen mit Produkten für den Paketversand, das ganz früh mit dabei war.

In diesem Jahr haben Sabine Rother und Marcel Suffrian den German Brand Award mit dem kleinen Betrieb Biobiene gewonnen. Und zwar weil die Reduzierung von Plastikmüll, „eine der größten Umweltherausforderungen“, durch Unternehmen wie Biobiene – und deren Markenarbeit – ins Bewusstsein der Menschen gelange, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Die Idee der beiden Unternehmer: Immer mehr Pakete werden vor allem durch den Online-Handel verschickt. Obwohl das eigentliche Paket meist ein Pappkarton ist, kommen viele nicht kompostierbare Komponenten hinzu, die durch abbaubare Produkte ersetzt werden könnten. Der Lieferschein etwa, das Klebeband, die Luftpolsterfolie, oder die Chips aus Styropor, die ein Produkt vor Schäden schützen sollen. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen nachhaltige Waren produzieren – und diese auch in passender Verpackung versenden möchten. Zugegeben: Vor allem biologisch abbaubares Plastik und auch die abbaubaren Plastikalternativen hätten ihren Preis. Aber: „Wenn man die Gesamtrechnung aufmacht, die kann keiner bezahlen“, spielt Marcel Suffrian auf die Verschmutzung der Meere an.

Idee aus 2008

Seit fünfeinhalb Jahren arbeiten die beiden Geschäftsführer, die eigentlich aus Wickede kommen, mit acht Mitarbeitern, darunter zwei Auszubildenden zum Industriekaufmann, in Fröndenberg. Vorher produzierten die beiden in Hilden ihre kompostierbaren Chips aus Pflanzenstärke selbst. Für den Versand der Produkte war nicht mehr genug Platz. Sabine Rother suchte Räumlichkeiten in der Nähe von Wickede. An der Ardeyer Straße in Fröndenberg wurde sie fündig. Nachdem die Produktion in Hilden bei einem Brand zerstört wurde, haben die Unternehmer die Produktion an eine externe Firma abgegeben und arbeiten nun ausschließlich in Fröndenberg, an Marketing, Versand und Konzeption neuer Produkte.

Der Gedanke, als Verpackungsmittelhersteller den nachhaltigen Bereich zu erschließen, kam im Jahr 2008 mit dem Besuch einer Messe. „Vor rund zehn Jahren gab es biologische Verpackungen eigentlich nur im Food-takeaway-Bereich“, erklärt Sabine Rother. Einfach ausgedrückt etwa die Pommesschale aus Pappe. In den ersten Jahren spielte Biobiene die Verpackungsverordnung in die Karten. Unternehmen müssen Abgaben für Verpackungen leisten, kompostierbare Verpackungen waren zunächst ausgenommen, was den beiden Neukunden bescherte.

Versand ins Ausland

Rother und Suffrian empfehlen vor allem für den Paketversand ins Ausland, die ökologischen Verpackungen zu verwenden. Denn dort gebe es oft keine Recyclingsysteme – das deutsche sei im Übrigen auch nicht gut.

Lange, so ist Marcel Suffrian überzeugt, wollten Menschen den Müll – etwa wenn sie im Urlaub am Strand – nicht wahrhaben. „Man kann nur hoffen, dass das Umdenken noch rechtzeitig kommt.“

Nicht nur mit der Marke Biobiene konnten die Unternehmer mit Sitz in Fröndenberg punkten. Für ihren ökologischen Lieferschein waren sie bereits für den German Design Award nominiert – und reihten sich so neben Großunternehmen wie Lufthansa und Mediamarkt ein. Zum Namen kam Biobiene dank des Vornamens von Sabine Rother, die ursprünglich über Ebay handelte. Biene156 lautete ihr privater Name dort, den sie anfangs fürs Geschäfts nutzte. Und der wurde positiv angenommen. Bei fleißigen Bienchen bedankten sich die Kunden – sodass die Biene im Namen blieb. Sabine Rother freue sich immer noch über jedes verkaufte Produkt, wie sie sagt. Besonders aber, wenn die Produkte ungewöhnliche Verwendung finden. So kamen ihre Chips im letzten Kinofilm mit Mathias Schweighöfer „Vielmachglas“ vor die Kamera, sie wurde für eine Kunstinstallation in Berlin und für Feste genutzt. So gibt es inzwischen auch Biobiene-Konfetti oder Kunstschnee für die Weihnachtsdeko.
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