Fröndenberger Unternehmen Biobiene stellt Kartons aus Gras her

dzUmweltfreundliches Fröndenberg

Optisch sind die Kartons fast identisch mit den herkömmlichen Varianten. Doch für die Graskartons vom Fröndenberger Unternehmen Biobiene musste kein Baum gefällt werden.

Fröndenberg

, 01.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es im Lager des Fröndenberger Unternehmens Biobiene nach Frühling riecht, heißt das noch lange nicht, dass die Regentage vorbei sind. „Wenn wir eine neue Palette bekommen, dann riecht unser ganzes Lager wie eine Frühlingswiese“, sagt Sabine Rother und lacht.

Die Rede ist von Graskartons. Frisch geliefert riechen die nach Gras. Wenn dann gleich eine ganze Palette geliefert wird, brechen im Lager schon mal Frühlingsgefühle aus.

Kartons produzieren ohne Bäume zu fällen

Das Besondere an den Graskartons: „Sie bestehen zu 35 Prozent aus Graspapier und zu 65 Prozent aus Altpapier.“ Sabine Rother ist sichtlich stolz auf das Produkt. „Für diese Kartons musste kein Baum mehr sterben.“ Ihr Partner Marcel Suffrian ergänzt: „Die Kartons können ohne Verluste wieder dem Altpapier-Kreislauf zugeführt werden.“

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Die Kartons gibt es bei dem Unternehmen, das sich auf die Herstellung von plastikfreien Versandmaterialien konzentriert hat, seit 2019. Optisch unterscheiden sie sich kaum von den herkömmlichen Kartons. Nur einen leichten Grünstich hat die Pappe, die Grassamen zeigen sich ebenfalls in der Struktur.

Keine Grasplantagen nötig

„Es ist ein Produkt, das von der ersten Minute an von unseren Kunden angenommen wurde“, freut sich Rother. Mittags habe man das Produkt online gestellt und bereits am Nachmittag die ersten Bestellungen erhalten. „Das haben wir nicht bei jedem Produkt.“

Die Graskartons gibt es in allen Formen und Größen. Optisch unterscheiden sie sich kaum von den herkömmlichen Kartons.

Die Graskartons gibt es in allen Formen und Größen. Optisch unterscheiden sie sich kaum von den herkömmlichen Kartons. © Lisa Dröttboom

Für die Graskartons spreche, dass kein Baum dafür sterben muss. „Das spricht die Kunden an.“ Auch das Gras müsse bislang nicht extra angebaut werden. Es gebe genug Schnittabfälle, zum Beispiel im städtischen Raum, die man dafür nutzen könnte. „Und selbst wenn man das später mal anbauen müsste, würden die Insekten davon profitieren.“ Denn wo Gras wächst, gebe es auch Blumen und Blüten. Ein Gewinn für die Natur.

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Die Rohstoffe für die Kartons kommen dabei aus der Region. „Es sind keine weiten Lieferwege.“

Karton als Marketinginstrument

Was aber ist mit dem Preis? „Natürlich ist das Produkt ein wenig teurer“, sagt Suffrian. Das ließe sich auch nicht vermeiden. Allerdings dürften potenzielle Kunden auch nicht vergessen, dass sie mit dem Karton gleichzeitig auch eine Botschaft nach außen tragen. „Das ist ein starkes Marketinginstrument. Der Endverbraucher möchte natürliches Verpackungsmaterial und die Hersteller können zeigen, dass sie sich fürs Klima und die Umwelt einsetzen.“ Bis jetzt habe das noch jeder Kunde eingesehen.

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Selbst Firmen, die Kunststoffe produzieren, würden mittlerweile bei Biobiene einkaufen. „Sie sagen uns, dass sie wenigstens ihre Verpackungen umweltfreundlich halten wollen“, erzählt Rother und freut sich darüber. Man könne den Einsatz von Plastikteilen und Kunststoffen gar nicht überall vermeiden, an manchen Stellen würden sie einfach gebraucht. Viel wichtiger wäre es, sie zu vermeiden, wo es möglich ist und einen anderen Umgang damit aufzubauen.

Umdenken bringt viel Freude

Es ist ein großer Schritt für ein Unternehmen, das in seiner Anfangszeit 2008 für seine Ideen noch belächelt wurde. Doch die Biobiene-Unternehmer blieben hartnäckig und wurde schlussendlich dafür belohnt. „Das Umdenken gerade macht richtig Spaß“, sagt Sabine Rother.

Seit 2018 merke man, das sich in der Gesellschaft etwas tue. „Wir sind am Anfang vor verschlossene Türen gerannt“, sagt Rother. Als Störenfriede und Spinner hätte man sie bezeichnet. „Jetzt kaufen die Unternehmen, die uns früher ausgelacht haben, bei uns ein.“ Zum Beispiel die Graskartons.

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