Fröndenberger Tafel wehrt sich: Sogar 176 Bedürftigen droht Not an Lebensmitteln

dzTafelausgabe

Wesentlich mehr Kunden als vom Trägerverein in Unna behauptet, hat die Fröndenberger Tafelausgabe. Das sagen die Verantwortlichen vor Ort, die in zwei Wochen 176 Bedürftige in Not sehen.

Fröndenberg

, 29.04.2020, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ehrenamtliche und Verantwortliche bei der Stadt Fröndenberg möchten erreichen, dass trotz der derzeit geschlossenen Tafelausgabe am Mühlenberg die in der Stadt gespendeten Lebensmittel auch vor Ort bleiben und an die Bedürftigen verteilt werden. Die betroffene Gruppe sei größer als behauptet.

„Neukunden fehlt neben dem Tafelausweis auch das Grüne Rezept. Das ist fatal.
Birgit Mescher

Fröndenberg als kleinster Standort der Tafel Unna habe nur 26 Inhaber von Berechtigtenausweisen und rund 70 Personen insgesamt, die von der Lebensmittelausgabe profitierten, hatte Ulrike Trümper vom Trägerverein errechnet.

Lebensmittelspenden sollen in Fröndenberg bleiben

Die Gruppe der Berechtigten sei tatsächlich zweieinhalb mal so groß, entgegnete am Mittwoch Birgit Mescher, Senioren- und Familienbeauftragte der Stadt. Stand Ende März besaßen demnach 66 Haushalte in Fröndenberg einen Berechtigungsausweis, dahinter steckten 176 Köpfe, darunter 100 Erwachsene und 76 Kindern, die praktisch Tafelkunden sind. Sollte das Provisorium am Allee-Café seinen Betrieb, wie vom Awo-Vorsitzenden Kurt Potthoff befürchtet, nur noch zwei Wochen lang weiterführen können, seien sehr viele Menschen in Not.

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Tafelkunden, Hilfebedürftige, Mittagessen

  • Als Familienbeauftragte der Stadt erhält Birgit Mescher monatlich die Zahl der Tafelkunden. Ende März setzten sich 66 berechtigte Haushalte aus 176 Menschen zusammen (24 Einzelpersonen, 12 Haushalte mit zwei Personen, 10 Haushalte mit drei Personen, 7 Haushalte mit vier Personen, 10 Haushalte mit fünf Personen, 2 Haushalte mit sechs Personen und ein Haushalt mit acht Personen).
  • Wer nicht Tafelkunde ist, aber vielleicht hilfebedürftig, kann das Speisenangebot im Allee-Café wahrnehmen. Leiterin Sabine Banaczak kocht zweimal wöchentlich und hat noch Kapazitäten für weitere Abnehmer.
  • Immer donnerstags gibt es ein vollwertiges warmes Mittagessen für 4,50 Euro sowie mittwochs einen Eintopf für 3,50 Euro. Es wird um vorherige Bestellung gebeten unter Tel. (0 23 73) 97 43 31. Das Essen wird auch nach Hause geliefert.

Der Bedarf sei auch tatsächlich hoch, bestätigte Mescher die Schilderungen von Kurt Potthoff, der die provisorische Lebensmittelausgabe am Allee-Café organisiert. Noch werden die Lebensmittel durch Spendengelder gekauft; der Topf ist aber bald leer. Das Anliegen, dass gespendete Lebensmittel Fröndenberg wieder im gewohnten Umfang erreichen, sei daher dringend.

Dass zurzeit der Großteil der Hilfskräfte für das Abholen, Sortieren und Einpacken der Lebensmittelspenden in Unna fehle, sehe man ein. Birgit Mescher schlägt daher vor, dass jene Lebensmittel, die von Supermärkten, Discounter und weiteren Geschäften in Fröndenberg gespendet werden, auch vor Ort pro Kunde portioniert und in Tüten umgepackt werden. „Damit wäre viel gewonnen“, so Mescher.

Neukunden erhalten wegen Corona keine Tafelausweise

Als problematisch stelle sich zudem heraus, dass zurzeit wegen des Coronavirus auch keine Tafelausweise für Neukunden ausgestellt werden. Zwar verzichte man bei der provisorischen Lebensmittelausgabe auf das Vorzeigen der Berechtigungskarte.

In Fröndenberg hängt an dem Tafelausweis allerdings auch das Grüne Rezept, auf das Bedürftige in den Apotheken 50 Prozent des Medikamentenpreises erlassen wird. Ohne Ausweis fehlt auch das Rezept. „Das ist fatal“, sagt Birgit Mescher.

Kürzlich habe sie im Fall einer bedürftigen schwangeren Frau unbürokratisch in Kooperation mit einer Apotheke helfen können. Dies dürfe aber nicht zum Regelfall werden. Birgit Mescher: „Da brauchen wir Unterstützung.“

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Awo-Vorsitzender Kurt Potthoff stellt klar, dass Geldspenden für die Lebensmittelausgabe nicht, wie zunächst vermittelt, von der SPD als Partei, sondern privat von Mitgliedern gespendet werden. Die Partei selbst dürfe nicht spenden. Weitere Geldspenden, auch für das Speisenangebot im Allee-Café stammen vom Sozialen Netzwerk Mühlenberg sowie vom Verein Seniorenkreise Fröndenberg.
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